„Gasometer sprengt man nicht!“ – Streit um den Thälmannpark

Der Thälmannpark hat eine lange und konfliktreiche Geschichte, die sich auch heute und in Zukunft fortsetzen wird. Denn Anfang dieses Jahres wurde die Plattenbausiedlung Thälmannpark unter Denkmalschutz gestellt.  Als „eine Leistungsschau des real existierenden Sozialismus“ sei diese Siedlung besonders schützenswert. So wird das Gutachten der Denkmalschützer zitiert. Diese Entscheidung und auch das, was aus ihr resultiert, wird heftig diskutiert. In unserer vergangenen Veranstaltung zeigte der Referent Historiker Dr. Dirk Moldt anschaulich, dass der Konflikt um das Gebiet kein neuer ist, sondern bereits in der DDR ein Streit um den Thälmannpark entfacht wurde.
von Admin (17.10.2014)

Der Thälmannpark hat eine lange und konfliktreiche Geschichte, die sich auch heute und in Zukunft fortsetzen wird. Denn Anfang dieses Jahres wurde die Plattenbausiedlung Thälmannpark unter Denkmalschutz gestellt.  Als „eine Leistungsschau des real existierenden Sozialismus“ sei diese Siedlung besonders schützenswert. So wird das Gutachten der Denkmalschützer zitiert. Diese Entscheidung und auch das, was aus ihr resultiert, wird heftig diskutiert. In unserer vergangenen Veranstaltung zeigte der Referent Historiker Dr. Dirk Moldt anschaulich, dass der Konflikt um das Gebiet kein neuer ist, sondern bereits in der DDR ein Streit um den Thälmannpark entfacht wurde.

Dr. Dirk Moldt begann mit der Geschichte des Parks in den zwanziger Jahren. Schon damals war eine Stilllegung des Gaswerkes an dieser Stelle im Gespräch, denn schon damals war man sich klar, dass dieses nicht in  ein Wohngebiet gehört. Alle Projekte dazu erwiesen sich jedoch bis in die 70er Jahre als leere Versprechen. Dann kam es dazu, dass die DDR-Führung sich des Parks annahm und einen Wettbewerb zur Bebauung ausrief. Vorgabe war es, Wohnungen innerhalb des Parks zu bauen. Auch die Gasometer wurden dabei in einige Projekte mit einbezogen. Als erster Schritt wurde jedoch Lev Kerbel unter Übergehung der Kommission der Zuschlag für das Thälmann-Denkmal erteilt. Um dieses Denkmal herum, welches an prominenter Stelle aufgestellt wurde, sollten die Bauprojekte für den Park gestaltet werden. Wie bei vielen anderen Sonderbauvorhaben der DDR erhielt Erhardt Gißke den Zuschlag für den Bau der Wohnungen im Thälmannpark.  Zu diesem Zeitpunkt wurden die Gasometer, die seit 1981 stillgelegt wurden, noch aus der Planung ausgeklammert. Wie es dann dazu kam, dass im Juli 1984 über Nacht die Entscheidung getroffen wurde, dass die Gasometer abgerissen werden sollen, konnte bisher nicht nachvollzogen werden, da die Akten von der zuständigen Baubehörde nicht herausgegeben werden. Dies trifft auch auf viele andere der DDR-Sonderbauvorhaben zu, die in Berlin verwirklicht wurden.

Heute bekannt ist jedoch, dass dieser Vorgang aus der Verwaltung herausgenommen wurde. Es gab also keinen Antrag und keine Genehmigung. Die Entscheidung kam direkt von der Partei. Erst 1985 tauchte ein Schreiben auf zum beschleunigten Abriss der Gasometer. Der Vorgang wurde also erst im Nachhinein wieder in den Verwaltungsapparat eingegliedert. Dieses Vorgehen rief den Protest der Bürger hervor, vor allem auch deshalb, weil die Gasometer als Baudenkmäler verzeichnet waren. 160 Menschen schrieben Eingaben. Außerdem tauchten Postkarten und Drucke mit den Worten „Gasometer sprengt man nicht!“ und anderen kritischen Texten und Bildern auf. All diese Proteste wurden natürlich durch die Stasi untersucht und die Beschwerdeführer durchleuchtet. Erstaunlich ist jedoch, dass die Stasi nicht wirklich dahinter kam, wer für die Proteste verantwortlich war. Als die Gasometer am 28. Juli 1984 tatsächlich gesprengt wurden, war das ein einschneidendes  Erlebnis für diejenigen, die sich dagegen engagiert hatten. So entwickelte sich aus diesen unkoordinierten Protesten eine Widerstandsbewegung, der sich viele Künstler anschlossen.

Dr. Dirk Moldt belebte seinen interessanten Vortrag über den Thälmannpark mit vielen Bildern und Anekdoten. Dies kam beim Publikum sehr gut an und so kam man auch nach dem Vortrag mit ihm ins Gespräch über den Park und die Konflikte um diesen. Was weiter mit dem Thälmannpark passieren wird bleibt abzuwarten, laut Dirk Moldt, werden die Diskussionen jedoch auch in nächster Zeit nicht zur Ruhe kommen.

 

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