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Sonja Ernst: Das Jahr 1973

In Sonja Ernsts kurzem Essay zum Thema 1973 wirft sie einen Blick in die beiden deutschen Staaten und deren eigenständige und verflochtene Entwicklung. Dabei handelt sie die wichtigsten Ereignisse des Jahres in knappen Beschreibungen ab und stellt so einen Überblick über ein geschichtsträchtiges Jahr her. von Elke Sieber (10.11.2016)

Sonja Ernst: Das Jahr 1973. Zwei Deutschlands – Zwei Machtblöcke, 17.07.2003, http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weltfestspiele-73/65344/das-jahr-1973, abgerufen am 10.11.2016.

Sonja Ernst befasst sich als Journalistin und Redakteurin mit verschiedenen historischen Themen. In ihrem kurzen Essay zum Thema 1973 wirft sie einen Blick in die beiden deutschen Staaten und deren eigenständige und verflochtene Entwicklung. Dabei handelt sie die wichtigsten Ereignisse des Jahres in knappen Beschreibungen ab und stellt so einen Überblick über ein geschichtsträchtiges Jahr her.

Sie beginnt ihre Ausführungen mit einer der bedeutendsten Großveranstaltungen in Ostberlin: die X. Weltfestspiele der Jugend, die für neun Tage die Hauptstadt in Atem hielten. Acht Millionen Menschen kamen in Ostberlin zusammen, 25.000 davon aus dem Ausland, um gemeinsam Toleranz und Frieden zu feiern. Das Massenspektakel war eine Mischung aus persönlichen Begegnungen und Erfahrungen und einer politischen Inszenierung von Weltoffenheit und Internationalität der DDR. Dafür griff der Staat auch auf Repressionen zurück, um eventuelle „Störer“ ruhigzustellen.

Die Weltfestspiele fielen in eine Zeit des Wandels. Eingeläutet durch ein neues Klima zwischen der Sowjetunion und den USA, die den Willen zur friedlichen Koexistenz und praktischen Zusammenarbeit bekundeten, beeinflusste dies auch die Entspannung in Europa. Breschnew und Nixon unterzeichneten ein Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges und traten im September zusammen, um über die Begrenzung der strategischen Rüstung zu sprechen. Der Vietnam-Krieg wurde durch einen Waffenstillstandsvertrag und den Abzug der amerikanischen Truppen beendet. In Europa begingen Vertreter und Vertreterinnen der west- und osteuropäischen Staaten eine Konferenz zur Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die schließlich 1975 mit der Schlussakte von Helsinki die Grundlage für die weitere Entspannung in Europa schuf.

Auch zwischen den beiden deutschen Staaten standen die Zeichen auf Annäherung. Durch die Unterzeichnung des Grundlagenvertrages 1972 und weitere Ostverträge der Bundesrepublik Deutschland sollte über ein „geregeltes Nebeneinander“ nach und nach ein Miteinander werden. Für beide deutsche Staaten war es außerdem in gleichem Maße wichtig, am 18. September 1973 in die Vereinten Nationen aufgenommen zu werden, was einer völkerrechtlichen Anerkennung gleichkam.

Daneben fanden in den beiden deutschen Staaten Entwicklungen statt, die sie unabhängig voneinander durchlebten. 1971 war Ulbricht durch Honecker abgelöst geworden, der bis 1973 die Wirtschaftspolitik so verändert hatte, dass man sogar von den „goldenen Jahren“ der DDR sprechen könnte. Die Konsumgüterproduktion hatte in seiner Politik einen deutlich hervorgehobenen Platz, die Versorgung der Bevölkerung verbesserte sich und neue Konsummöglichkeiten wurden geschaffen. Mit Ulbrichts Tod 1973 war somit das Kapitel seiner Ära mit Krisen und Mauerbau abgeschlossen. Es wuchs eine neue Generation heran, die ein offenes Berlin gar nicht mehr kannte. Passend zu diesem Aufbruch wurde 1973 der Grundstein für den Palast der Republik gelegt.

In der Bundesrepublik hingegen kämpfte man mit der weltweiten Ölpreis-Krise. Die ersten autofreien Sonntage wurden eingeführt, die nichts anderes als ein Sonntagsfahrverbot zum Sparen von Benzin bedeuteten. Währenddessen, beleuchtet Ernst, änderte sich Westdeutschland insbesondere im kulturellen Bereich: die „Sesamstraße“ erfreute erstmals junge Fernsehzuschauer und Dietmar Schönherr läutete mit „Je später der Abend“ die erste Talkshow auf den westdeutschen Fernsehern ein.

Ernst reiht die Ereignisse leider nur aneinander, oftmals fehlen dem Leser Erläuterungen zum Kontext dieser. Jedoch war dies vermutlich auch kein Ziel des Essays, der nur in kurzer und prägnanter Weise über die wichtigsten Aspekte des Jahres 1973 informieren sollte. Für eine Einordnung der Begebenheiten und ihrer Bedeutung bleibt dies jedoch unerlässlich.

(Bild: By Bin im Garten (Own work) via Wikimedia Commons)


 

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