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Kulturgeschichte der DDR

In seiner 2014 erschienenen Kulturgeschichte der DDR geht Hoffmann auf die einzelnen Jahrzehnte und ihre kulturelle Entwicklung ein, macht jedoch innerhalb der Jahrzehnte und auch darüber hinaus einzelne Brüche und Wandlungen aus. von Elke Sieber (14.04.2016)

Frank Hoffmann: Kulturgeschichte der DDR. Ein Überblick, Erfurt 2014.

Frank Hoffmann absolvierte ein Studium der Geschichte, Germanistik, Erziehungswissenschaften und Philosophie. Danach war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutschlandforschung der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Deutsche Geschichte, Kultur und Literatur seit 1945, aber vor allem die Gesellschafts- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik sowie der DDR (Museumsgeschichte) und die deutsche Landeskunde der Gegenwart.

 

In seiner 2014 erschienenen Kulturgeschichte der DDR geht Hoffmann auf die einzelnen Jahrzehnte und ihre kulturelle Entwicklung ein, macht jedoch innerhalb der Jahrzehnte und auch darüber hinaus einzelne Brüche und Wandlungen aus. Obwohl er anfangs klarstellt, dass die DDR-Kultur keineswegs mit der Kulturpolitik gleichzusetzen ist oder sich mit ihr deckungsgleich entwickelte, nimmt er in seinem Buch diese Einteilung für die Kulturgeschichte der DDR vor, die er selbst aber als vereinfachend beschreibt:

1945-1948/49 Antifaschistisch-demokratischer Neuanfang

1948/49-1953 Dogmatisierung des sozialistischen Realismus und Kampf gegen Formalismus

1953-1956/57 „Tauwetter“, Neuer Kurs und Entstalinisierung

1956-1958 Neue Verhärtung

1958-1961 Kulturrevolution/neuer Aufbruch, „Bitterfelder Weg“ (Verschmelzung von Kultur und Arbeit)

1961 Mauerbau als kurzfristige Verschärfung

1962-1965 Modernisierung der DDR: Jugendorientierung und Generationenwechsel, kurzfristiger Flirt von Macht und Geist

1965-1970 Beidseitige Ernüchterung mit und nach Kahlschlag-Plenum

1971-1975 Erprobung der Versprechen: „keine Tabus“ solange auf sozialistischem Boden

1976-1980 Tiefgreifende Zäsur, Verdrängung und Kriminalisierung der Künstler

1980-1985 Wachsende Spielräume bei zunehmender Kontrolle

1985/86-1988 Kein Glasnost für die DDR, partielle Verhärtung

1989-1990 Revolutionärer Aufbruch und Katzenjammer

In seinen Ausführungen orientiert er sich an dieser Einteilung dann nur noch bedingt, sondern nimmt die Kulturpolitik nur als Aufhänger für die kulturellen Entwicklungen, die sich davor und danach vollziehen. Und diese, so arbeitet er heraus, zeugen ebenfalls von Eigensinn und sogar kritischer Haltung der Künstler. Anhand von Beispielen aus der Literatur, der Film- und Theaterbranche sowie Musik und bildender Kunst zeichnet er eine Entwicklung der DDR-Hochkultur nach, die von Brüchen und staatlicher Einmischung durchzogen sind.

Allerdings geht Hoffmann kaum auf die Populärkultur oder andere Formen von Kultur ein, wenn man den Begriff Kultur, wie in der Kulturgeschichte eigentlich üblich, sehr weit fasst. So bietet seine Publikation leider keinen Überblick über die Kulturgeschichte der DDR, sondern nur einen Aspekt der Kultur der Deutschen Demokratischen Republik: das künstlerische Schaffen. Nichtsdestotrotz ist die Monographie eine wissenschaftlich fundierte Abhandlung über diesen Teilaspekt der DDR-Kultur und äußerst lesenswert, beschreibt sie doch auch die einzelnen genutzten oder erkämpften Freiräume der Kunst- und Kulturschaffenden in der DDR-Diktatur.

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