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„Hände hoch oder ich schieße“

 Der Film „Hände hoch oder ich schieße“ ist einer der zahlreichen Filme, die Mitte der 60er Jahre von der DEFA produziert wurden, jedoch aufgrund ihrer zum Teil ausgeprägten systemkritischen Ausrichtung dem sogenannten Kahlschlagplenum zum Opfer fielen und aufgrund der bestehenden „Gefährdung für den sozialistischen Staat“ von der Parteiführung als „politisch falsch“ eingestuft und entsprechend verboten wurden. Das Unternehmen Icestorm hat im November 2015 eine DVD-Box zum Thema „Verbotene Filme in der DDR“ herausgebracht, die in unserem Blog in den nächsten Monaten besprochen werden soll. Eine Rezension zum wohl bekanntesten Film der Reihe, „Spur der Steine“, finden Sie hier.
von Maria Bartholomäus (21.04.2016)

 Der Film „Hände hoch oder ich schieße“ ist einer der zahlreichen Filme, die Mitte der 60er Jahre von der DEFA produziert wurden, jedoch aufgrund ihrer zum Teil ausgeprägten systemkritischen Ausrichtung dem sogenannten Kahlschlagplenum zum Opfer fielen und aufgrund der bestehenden „Gefährdung für den sozialistischen Staat“ von der Parteiführung als „politisch falsch“ eingestuft und entsprechend verboten wurden. Das Unternehmen Icestorm hat im November 2015 eine DVD-Box zum Thema „Verbotene Filme in der DDR“ herausgebracht, die in unserem Blog in den nächsten Monaten besprochen werden soll. Eine Rezension zum wohl bekanntesten Film der Reihe, „Spur der Steine“, finden Sie hier.

 

Die Produktion „Hände hoch oder ich schieße“ entstand 1966 unter der Regie von Hans-Joachim Kasprzik. Die Musik ist von Günter Hauk, unter den Darstellern sind Rolf Herricht als Volkspolizist Holms, Zdenek Stepanek als Ganove Pinkas und Bruno Carstens als Major.

 

Handlung

Der Film spielt im verschlafenen Örtchen Wolkenheim, einer Kleinstadt in der DDR. Zu Beginn werden idyllische Stadtansichten gezeigt, eine männliche Stimme aus dem Off führt den Zuschauer in die Handlung ein wie in eine Geschichte. So wird auch die Hauptfigur, der Volkspolizist Holms, als „positiver Held der Geschichte“ vorgestellt: „Wundern Sie sich nicht, verehrte Zuschauer, begreifen werden Sie ihn doch erst wenn sie sein Schicksal erfahren. Er ist nämlich ein Kind der Übergangsepoche – und damit manchem Widerspruch ausgesetzt.“ Der Polizist erscheint wahrlich wie ein erwachsenes Kind: In seiner Eingangsszene springt er unter einem Tisch hervor mit einer Pistole in der Hand, rennt im Zimmer umher und ruft „Hände hoch oder ich schieße!“. Dieses infantile Verhalten macht bereits zu Beginn des Filmes deutlich, dass sich die Figur Holms in einer irrealen Traumwelt abseits der Realität befindet. Doch das genaue Ausmaß dieser Realitätsflucht wird erst im Laufe der Handlung deutlich.

Die Geschichte stellt den engagierten Beamten im Dienste der Sicherheit seiner Stadt klar in den Fokus. Schnell wird das große Problem des Protagonisten klar: Die friedliche Kleinstadt hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Republik („Unsere Menschen denken gar nicht an Kriminalität. Wir sind eine geschlossene Gesellschaft.“), was für Holms eine große berufliche Unbefriedigung darstellt und ihn in fantasievolle Wunschvorstellungen treibt. So halluziniert er von einer Berufung von Scotland Yard, von der Anerkennung des weiblichen Geschlechts für seine beruflichen Erfolge. Die Realität sieht allerdings anders aus: Ein kriminalistisches Ereignis stellt der vermeintliche Diebstahl eines Kaninchens bei Familie Pieper dar, abends sitzt Holms allein zuhause und wartet sehnsüchtig auf einen Anruf, auf einen „richtigen Fall“. So versetzt ihn eines Morgens sein verschwundenes Fahrrad in pure Euphorie, sich endlich als richtiger Volkspolizist zu beweisen. Der Kriminalinspektor ist sich seiner emotionalen Schieflage durchaus bewusst: Ein Psychiater diagnostiziert ihm „Abstinenzerscheinungen beruflicher Natur“ und er bräuchte mal wieder „einen schönen Erfolg“.

Dies bleibt auch von Holms‘ Vertrautem, dem ehemaligen Ganoven Pinkas, nicht unbeobachtet. Er hegt Mitleid für seinen Freund und berichtet ihm von seiner bewegten Karriere als Teil einer Verbrecherbande („Es tut mir leid für Sie – wenn ich da an früher denke, Ihre Freude hätten Sie gehabt an mir und an meinen Kumpels!“). Um seinem Freund aus der beruflichen Depression zu helfen, heckt er mit seinen ehemaligen Kumpanen (die sich u.a. als „Der Hinker“, „Der sanfte Waldi“ oder „Brechstange“ bezeichnen) einen Plan aus: Sie stehlen nachts ein Denkmal vom Wolkenheimer Marktplatz – Holms‘ Traum wird endlich wahr, er hat endlich einen richtigen Fall! Es folgt eine spannende Verfolgungsjagd, bei der Holms seine Qualifizierung als richtiger Volkspolizist unter Beweis stellen kann.

 

"Politisch unkorrekt"

Im Februar 1966 fand nach der ersten Rohschnittabnahme des Films durch das DEFA-Studio für Spielfilme eine Aussprache mit der Studioleitung statt, bei der Schnitt-, Kommentar- und Dialogänderungen festgelegt wurden. Es wurden einige provokante Aussprüche und Kommentare verharmlosend umformuliert. Trotz starker Einschnitte wurde der anspielungsreichen Komödie schlussendlich doch die Zustimmung verweigert und endgültig verboten. (https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4nde_hoch_oder_ich_schie%C3%9Fe)

 

Rezeption im 21. Jahrhundert

Der Film „Hände hoch oder ich schieße“ erfuhr auch nach der Wende noch einmal Aufmerksamkeit: Im Jahr 2008/09 wurde mithilfe der eingelagerten Filmmaterials eine Rekonstruktion erstellt.

 

 (Bildquelle: http://medien.filmreporter.de/images/25664.jpg)


 

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