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"Der Frühling braucht Zeit"

Der Film „Der Frühling braucht Zeit“ ist einer der zahlreichen Filme, die Mitte der 60er Jahre von der DEFA produziert wurden, jedoch aufgrund ihrer zum Teil ausgeprägten systemkritischen Ausrichtung dem sogenannten Kahlschlagplenum zum Opfer fielen und aufgrund der bestehenden „Gefährdung für den sozialistischen Staat“ von der Parteiführung als „politisch falsch“ eingestuft und entsprechend verboten wurden. Das Unternehmen Icestorm hat im November 2015 eine DVD-Box zum Thema „Verbotene Filme in der DDR“ herausgebracht, die in unserem Blog in den nächsten Monaten teilweise besprochen werden soll. Eine Rezension zum wohl bekanntesten Film der Reihe, „Spur der Steine“, finden Sie hier.
von Maria Bartholomäus (21.01.2016)

Der Film „Der Frühling braucht Zeit“ ist einer der zahlreichen Filme, die Mitte der 60er Jahre von der DEFA produziert wurden, jedoch aufgrund ihrer zum Teil ausgeprägten systemkritischen Ausrichtung dem sogenannten Kahlschlagplenum zum Opfer fielen und aufgrund der bestehenden „Gefährdung für den sozialistischen Staat“ von der Parteiführung als „politisch falsch“ eingestuft und entsprechend verboten wurden. Das Unternehmen Icestorm hat im November 2015 eine DVD-Box zum Thema „Verbotene Filme in der DDR“ herausgebracht, die in unserem Blog in den nächsten Monaten teilweise besprochen werden soll. Eine Rezension zum wohl bekanntesten Film der Reihe, „Spur der Steine“, finden Sie hier.

„Der Frühling braucht Zeit“ unter der Regie von Günter Stahnke wurde von der künstlerischen Arbeitsgruppe Babelsberg realisiert. Die Musik ist von Gerhard Siebholz, unter den Darstellern sind Eberhard Mellies, Günther Simon, Doris Abeßer und Karla Runkehl.

 Der Film thematisiert betriebliche Intrigen, überbetrieblichen Wettbewerb und Planerfüllung um jeden Preis. Jeder Volkseigene Betrieb in der DDR war in der Pflicht, den zu Jahresbeginn festgelegten Haushaltsplan zu erfüllen. Die Planverteidigung, Durchführung und Planerfüllung wurde von der Staatlichen Plankommission überwacht.

Der Film spielt im Norden der DDR. Schauplatz sind die Betriebsräume sowie eine Baustelle des VEB Energieversorgung. Hauptdarsteller ist der Ingenieur Heinz Solter, Abteilungsleiter des VEB Energieversorgung und FDGB-Mitglied, allerdings keiner Partei zugehörig. Er beaufsichtigt den Bau einer Ferngasleitung. Als er jedoch von Betriebsdirektor Faber gedrängt wird, die Leitung ohne die notwendige Ausnahmegenehmigung abzunehmen, sträubt sich Solter, da dies entgegen der Vorschrift sei. Der Vorgesetzte Faber jedoch lässt sich nicht umstimmen und setzt eine nicht ordnungsgemäße Abnahme der Gasleitung durch indem er argumentiert, das Warten auf die Genehmigung würde unnötig Zeit kosten, was den bestehenden Planvorsprung des Betriebs in Gefahr bringen würde.

Während einer geselligen Runde, welche einige Monate nach Fertigstellung der Gasleitung stattfindet, gibt Faber bekannt, dass der Betrieb als Republiksieger im 4. Quartal ausgezeichnet wurde und eine Prämie von 35.000 MDN erhält. Gleichzeitig erhält das Kollektiv jedoch die Meldung, dass eine Störung der Gasleitung vorliegt und somit die Gasversorgung im Norden der Republik gefährdet ist. Faber weist den Bau einer Umgehungsleitung an, bei dem jedoch der chronisch überlasteter Kollege Rudi Wiesen stürzt und sich schwer verletzt. Diese Überlastung resultiert aus der Tatsache, dass Betriebsdirektor Faber seinen Arbeitern wochenlange Schichtarbeit aufbürdet, um somit die gesteigerte Leistung des Betriebs zu gewährleisten. Während einer ökonomischen Konferenz macht Faber seinen Kollegen weiterhin Druck, um die Planerfüllung zu gewährleisten. Ebenso wirft er dem verletzten Kollegen Wiesen Unvorsichtigkeit  vor, woraufhin Solter seinen Vorgesetzten jedoch vor versammelter Mannschaft damit konfrontiert, den Vorfall nicht angemessen untersucht zu haben und den Kollegen Wiesen zu Unrecht zu belasten. Solter verfasst einen Bericht über die Störungsursache der defekten Leitung, in dem er seinen Vorgesetzten aufgrund seines skrupellosen Umgangs mit seinen Mitarbeitern sowie der unehrlichen Arbeitsweise massiv kritisiert.

 Daraufhin wird Solter festgenommen ; ihm wird ein Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen. Er wird wegen Verstoßes gegen die Betriebsordnung fristlos entlassen. Im Verlauf der Ermittlungen gegen Solter kommt es jedoch zu einer unerwarteten Wende, welche doch noch ein positives Ende für den kritischen Ingenieur verspricht.

Der Film entlarvt die teils schonungslosen und unehrlichen Arbeitsweisen von VEB-Direktoren im Dienste der eigenen Karriere und des Wettbewerbserfolgs gegenüber anderen Betrieben.  Er führt vor, dass häufig Wettbewerbsstatistiken und Erfolgsberichte im Vordergrund standen, wobei jedoch die Berufsethik und der Respekt vor dem einfachen Arbeiter häufig auf der Strecke blieben.  

 

Bildquelle: www.cinema.de

 


 

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