Frauenschicksale in Stalins Lagern

Es war uns eine ganz besondere Ehre am Dienstagabend die älteste, aktive Schriftstellerin der Welt bei uns im Besucherzentrum begrüßen zu dürfen: Elfriede Brüning.
von Janine Henschel (04.09.2013)

Es war uns eine ganz besondere Ehre am Dienstagabend die älteste, aktive Schriftstellerin der Welt bei uns im Besucherzentrum begrüßen zu dürfen: Elfriede Brüning.

Frau Brüning schreibt seit der Zeit der Weimarer Republik und hat im Laufe ihres ereignisreichen102-jährigen Lebens 28 Bücher veröffentlicht. Aus Ihrem Buch „Nun, ich lebe noch" lass sie gestern den zahlreichen Gästen unserer Veranstaltung vor und beeindruckte mit ihrer agilen Art und ihrem Durchhaltevermögen.

Seit 1932 gehörte sie dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftstellerin. In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte sie mit 22 Jahren den Roman „Und außerdem ist Sommer", einige Beiträge in Zeitungen und war im kommunistischen Widerstand tätig, bis sie schließlich 1935 aufgrund ihrer Publikationen wegen Landesverrat von den Nazis verhaftet wurde. Zwei Jahre verbrachte sie in dem Frauengefängnis Barnimstaße. Eine Schreiberlaubnis ermöglichte es ihr während der Inhaftierung einen weiteren Roman zu veröffentlichen.

In den kommenden Jahren war Elfriede Brüning als Gutachterin für eine Filmfirma tätig und schrieb zusammen mit ihrem damaligen Ehemann das Szenarium für einen Spielfilm „Semmelweis - Retter der Mütter". Den Zweiten Weltkrieg verbrachte sie auf einem Gutshof ihrer Schwiegereltern in der Nähe Magdeburg.

1946 kehrte sie schließlich wieder nach Berlin zurück und arbeitete schon bald für diverse Zeitschriften und Zeitungen in der DDR.

Zu DDR-Zeiten entstanden dann auch die Tonbrandprotokolle von Frauen, die in Stalins Lagern inhaftiert waren. Allerdings wurden diese erst 1990 in Elfriede Brünings Buch „Nun, ich lebe noch" veröffentlich. Doch die Aufmerksamkeit war nur gering - keines der 15.000 Exemplare schaffte es in den Buchhandel.

Die erfolgreiche Neuauflage dieses Prosabandes erschien 2013. Elfriede Brüning leitete diese mit einem Vorwort ein, in welchem sich die bekennende Kommunistin mit dem Stalinismus auseinandersetzt.

Die zahlreichen, an diesem Abend von ihr selbst gelesen Textauszüge, erzählten unvorstellbare Schicksale und grausame Erlebnisse der Frauen zur Zeit des Stalinismus. Alle Gäste hörten ihr gespannt und auch teilweise erschrocken zu. Einige von ihnen hatten vielleicht selbst ähnliche Erfahrungen gemacht oder haben Freunde und Bekannte die betroffen waren.

Wir bedanken uns bei Frau Brüning für diesen interessanten und emotionalen Abend und natürlich auch für ihre Antworten auf die zum Ende hin sehr persönlich gestellten Fragen. Auch möchten wir Vera Lengsfeld für ihre Unterstützung danken. Sie übernahm bei der gestrigen Lesung die Einleitung sowie die weitere Gesprächsleitung der Lesung.


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