Fest der Freiheit

Museen, Institutionen, Medien, Historiker - alle haben das ganze Jahr auf einen Tag hingearbeitet: den 09. November 2009. Berlin war gestern im Ausnahmezustand: Ein Künstler veranstalte einen Mauer-Flashmob, Regierungschefs liefen über die Bornholmer Brücke, Bürgerrechtler sprachen von ihren Erinnerungen, die Mauer war wieder aufgebaut, das Brandenburger Tor wieder geschlossen.
von Admin (10.11.2009)

Museen, Institutionen, Medien, Historiker - alle haben das ganze Jahr auf einen Tag hingearbeitet: den 09. November 2009. Berlin war gestern im Ausnahmezustand: Ein Künstler veranstalte einen Mauer-Flashmob, Regierungschefs liefen über die Bornholmer Brücke, Bürgerrechtler sprachen von ihren Erinnerungen, die Mauer war wieder aufgebaut, das Brandenburger Tor wieder geschlossen.

Bei 5 Grad und strömendem Regen waren die Straßen rund um das Brandenburger Tor verstopft von Sicherheitsmaßnahmen, Styropor-Mauersteinen, Zäunen und Menschen. Sicherlich mehrere zehntausend trotzten dem Regen um das Fest der Freiheit, das zwanzigjährige Jubiläum des Mauerfalls zu sehen.

Wie vor 20 Jahren begannen die Aktivitäten auf der Ostseite: Auf dem Pariser Platz saßen neben den Philharmonikern um Barenboim auch Klaus Wowereit, Angela Merkel, Wladimir Putin, Nikolas Sarkozy, Gordon Brown, Hillary Clinton, Michail Gorbatschow, José Manuel Barroso nebst den anderen EU-Staatschefs wie Berlusconi und Zapatero, sowie Guideo Westerwelle. Andere Minister durften nur auf der Westseite auf der VIP-Tribüne neben Bürgerrechtlern, Botschaftern und Museumsdirektoren Platz nehmen. Trotz Dach und Heizung war es hier ziemlich kalt. Übersetzungen gab es vor Ort nur für das Polnische - englisch, französisch und russisch mussten wir wissen.

Nach guten und weniger guten Reden und einigen Späßen des Moderators Thomas Gottschalk durften Lech Walesa und andere die ersten Styropor-Mauersteine umstoßen, die dominoartig die Mauer einrissen. Die tausenden Styropor-Mauersteine, die auf der ganzen Welt bemalt wurden, waren eine schöne Idee, die aber irgendwie etwas unterging.

Aus mir nicht erfindlichen Gründen, wurde das Programm durch Musik von Jon Bon Jovi und Paul van Dyk "aufgelockert". Keine Namen, die vor 20 Jahren besonders viel Anteil an den Ereignissen hatten... Auch, wenn es zeitlich etwas später war, hätte ich doch "Wind of Change" erwartet oder sogar "Freude schöner Götterfunken". Typisch deutsch, aber doch etwas unerwartet, wurde dagegen auf die Nationalhymne verzichtet - wahrscheinlich in keinem anderem Land der Welt vorstellbar.

Das Fest der Freiheit war ein bewegendes Fest - gefehlt hat aber die Feierlichkeit bzw. die Darstellung des unglaublich großen Moments, an den wir uns erinnern...schade!

Übrigens haben auch gestern wieder Menschen auf der Ostseite "Macht das Tor auf!" skandiert - ohne Erfolg: "Aus Sicherheitsgründen" war das Brandenburger Tor 20 Jahre nach dem Fall der Mauer den ganzen Abend verschlossen.

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