Geschichte

Ferienlager in der DDR: Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ am Werbellinsee

Ferienzeit ist Ferienlagerzeit! So galt es für viele Kinder in der DDR. Und Ferienlager gab es wahrlich genug in der kleinen Republik. von Jörn Kleinhardt (16.07.2015)

Ferienzeit ist Ferienlagerzeit! So galt es für viele Kinder in der DDR. Und Ferienlager gab es wahrlich genug in der kleinen Republik. Unterteilt in Pionierferienlager und Betriebsferienlager verteilten sich die Erholungsorte für Kinder über das gesamte Land. Im Jahr 1989 gab es in der DDR allein 49 Pionierferienlager, hinzu kamen hunderte Betriebsferienlager.

Eine Autostunde von Berlin entfernt wurde heute vor 63 Jahren die Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ in Altenhof am Werbellinsee eingeweiht. Der Namensgeber der Pionierrepublik Wilhelm Pieck, seines Zeichens Präsident der DDR, war an diesem Tag in der Schorfheide Ehrengast und eröffnete das Zentrale Pionierlager symbolträchtig für den Ferienbetrieb. Als Vorbild für das Vorzeigelager diente das sowjetische Allunionsferienlager „Artek“ auf der Krim, welches 1925 durch die Kommunistische Partei der Sowjetunion geschaffen wurde.

Die Pionierrepublik wurde seit ihrer Eröffnung sukzessive erweitert und erstreckte sich 1989 über eine Fläche von 1,1 km². Auf dem Gelände befanden sich neben den obligatorischen Unterkunftsgebäuden ein Kindergarten, eine Polytechnische Oberschule, diverse Sportstätten und gastronomische Einrichtungen sowie als Besonderheit eine mongolische Jurte. Ungefähr 400000 junge Pioniere besuchten während ihres Bestehens die Ferienstätte. Im Gegensatz zu den Aufenthalten in den Betriebsferienlagern galt die Delegierung in die Pionierrepublik als Auszeichnung und war an herausragende schulische oder gesellschaftliche Leistungen der Teilnehmer geknüpft.

Organisatorisch waren die „Internationalen Sommerlager“ der Höhepunkt des Jahres. Diese Sommerlager wurden von verdienten Teilnehmern aus anderen sozialistischen und kommunistischen Staaten, vorwiegend aus Osteuropa, besucht. Zu den üblichen Lageraktivitäten wie Apellen, Wandern, Basteln, Geländespielen, Baden, Tischtennis, dem obligatorischen Tanzabend und dem Neptunfest, gab es in den Schulgebäuden der Pionierrepublik politischen Unterricht für die jungen Leute. Auch damit wurde klar der „Elitecharakter“ herausgestellt.

In unserer Sammlung befinden sich zahlreiche Exponate zum Thema Ferienlager. Unter anderem besitzen wir eine Packliste für ein Betriebsferienlager der Centrum Warenhaus Kette, einen Reisepass für das Zentrale Pionierlager „Helmut Just“ im brandenburgischen Biesenthal aus dem Sommer 1974 sowie eine Belobigung „Für sehr gute Leistungen in der Schülerproduktion“ der Pionierrepublik „Wilhelm Pieck“ vom 28. November 1969.

Das Gelände der ehemaligen Pionierrepublik am Werbellinsee wurde nach der Wiedervereinigung privatisiert und beherbergt heute eine internationale Erholungs- und Begegnungsstätte für Jugendliche.

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