Erst Brücke der Einheit, dann Agentenbrücke – die Glienicker Brücke in Potsdam

Vor etwa zwei Wochen spielte sich auf der Glienicker Brücke in Potsdam seltsames ab: In der Abenddämmerung wurde die Straße gesperrt, Wachtürme wurden aufgestellt, Schlagbäume angebracht, Stacheldraht ausgerollt und Panzersperren ausgelegt. Hammer, Zirkel und Ährenkranz hingen wieder an prominenter Stelle über den Grenzanlagen. Die Grenze zu West-Berlin wurde abgeriegelt, wie schon vor knapp 60 Jahren. 25 Jahre nach dem Mauerfall ein verwirrendes Szenario, das man dort beobachten konnte.
von Admin (09.12.2014)

Vor etwa zwei Wochen spielte sich auf der Glienicker Brücke in Potsdam seltsames ab: In der Abenddämmerung wurde die Straße gesperrt, Wachtürme wurden aufgestellt, Schlagbäume angebracht, Stacheldraht ausgerollt und Panzersperren ausgelegt. Hammer, Zirkel und Ährenkranz hingen wieder an prominenter Stelle über den Grenzanlagen. Die Grenze zu West-Berlin wurde abgeriegelt, wie schon vor knapp 60 Jahren. 25 Jahre nach dem Mauerfall ein verwirrendes Szenario, das man dort beobachten konnte.

Nach näherem Hinsehen und etwas Recherche ergab sich jedoch des Rätsels Lösung: Steven Spielberg hatte sich die Brücke als Originalschauplatz für die Dreharbeiten zu seinem neuen Film ausgesucht und wie sollte es anders sein, es ist ein Agententhriller über den ersten Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke im Jahre 1962. In der Hauptrolle: Tom Hanks. Hollywood erweckte die Atmosphäre von damals wieder zum Leben und dies auf der geschichtsträchtigen Brücke zwischen Ost und West.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde die Brücke 1949, ironischerweise als Brücke der Einheit, wieder aufgebaut. Die Brücke, in deren Mitte die Grenze zwischen der DDR und West-Berlin verlief, war bis in den November 1989 ein Symbol der deutschen Teilung und erst danach wurde sie ihrem Namen gerecht.

Nachdem die Brücke 1952 für die Öffentlichkeit gesperrt wurde, erlang sie Berühmtheit durch drei Agentenaustausche in den Jahren 1962, 1985 und 1986. Außerdem ereignete sich auf ihr 1988 eine spektakuläre Flucht. Insgesamt wurden in den Austauschaktionen 40 Personen ausgetauscht. Aufgrund dessen ging die Brücke später als Agentenbrücke durch die Medien, im Englischen hieß sie Bridge of Spies.

Heute erinnern eine Bronzeskulptur, eine Gedenktafel und Mauerstelen an die Geschichte der Brücke und an die Zeit der Teilung. Sie ist damit einer der vielen Gedenkorte, die sich heute im Gebiet der ehemaligen DDR finden lassen.

Jedoch unterscheidet sich die Brücke in meinen Augen etwas von den anderen Erinnerungsorten, denn hier wird nicht nur die deutsche Teilung präsent, sondern auch der Kalte Krieg. Ich persönlich muss dabei immer an James Bond denken, denn in vielen der Filme geht es genau um diese Art der Kriegsführung, um Agenten in Ost und West. Auf der Glienicker Brücke wird einem bewusst, dass dies auch Teil der deutschen Geschichte ist und nicht nur ein Fantasiegebilde Hollywoods.

(Fotos: Gavin Stewart, Karen Mardahl)

Mehr zum Thema

Tickets ohne Warteschlange ab € 5,50   Jetzt kaufen