Eine spannende Diskussionsrunde zur Vollendung der Trilogie "Die heile Welt der Diktatur" von Stefan Wolle

Die gestrige Veranstaltung im Besucherzentrum des DDR Museum war weniger eine Gesprächs- als vielmehr eine Diskussionsrunde. Lebhaft ging es zu zwischen den Historikern Tilman Fichter, Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften und dem wissenschaftlichen Leiter des DDR Museum, Dr. Stefan Wolle. Moderiert und durch die Diskussion geführt wurde von Christian Booß, Journalist und Mitarbeiter bei der BStU.
von Admin (23.10.2013)

Die gestrige Veranstaltung im Besucherzentrum des DDR Museum war weniger eine Gesprächs- als vielmehr eine Diskussionsrunde. Lebhaft ging es zu zwischen den Historikern Tilman Fichter, Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften und dem wissenschaftlichen Leiter des DDR Museum, Dr. Stefan Wolle. Moderiert und durch die Diskussion geführt wurde von Christian Booß, Journalist und Mitarbeiter bei der BStU.

 

Wolles neuestes Werk „Der große Plan“ war der Anlass. Es bildet gleichzeitig den Abschluss und den Anfang seiner Trilogie „Die heile Welt der Diktatur - Alltag und Herrschaft in der DDR 1949 - 1989“. Den Abschluss, da es als letzter der drei Bände erschienen ist und den Anfang, weil es sich mit der Aufbauzeit in den fünfziger Jahren beschäftigt, nämlich den Jahren 1949 – 1961.

Vorangegangen waren 1998 das Werk „Die heile Welt der Diktatur“, da sich mit den Jahren 1971 bis 1989 und damit mit der Ära Honecker befasst, und 2011 das Buch „Aufbruch nach Utopia“ über die Jahre 1961 bis 1971 unter Walter Ulbricht. Er rollt die Geschichte also von hinten auf. „Wie bei Star Wars“, wie ein Besucher schmunzelte. Dabei will Wolle gar nicht harte Fakten einbläuen oder seine Meinung zementieren. Er will, wie er selbst sagt, die wirklich wahre Geschichte verstehen, begreifen und begreifbar machen, warum es so und nicht anders gelaufen ist.

 

Da die Gesprächsrunde anlässlich des Buches über die fünfziger Jahre geplant war, sollte eigentlich auch über diesen Zeitraum gesprochen und diskutiert werden. Soweit zumindest der Plan. Allerdings wurden im Laufe des Abends derlei viele Aspekte, Zeiträume, Ereignisse und Personen angesprochen, diskutiert und debattiert, dass die Vielfalt und Weitläufigkeit der Gespräche nur schwer wiederzugeben ist. Diese Diskussion muss man erlebt haben. Besonders spannend war es auch, da sich diverse Zeitzeugen eingefunden hatten, die ihre Erfahrungen und Eindrücke beisteuerten und die Diskussion damit zum Teil noch weiter anfachten. Beispielsweise mit der Frage, wie denn die DDR überhaupt so lang überleben konnte. Dass sie zum Scheitern verurteilt war, sei ja von Anfang an absehbar gewesen.

 

Aus dem Zeitraum der fünfziger Jahre wusste Tilman Fichter noch zu berichten, dass die DDR vom Westen zwar szs. misstrauisch beäugt wurde, allerdings gab es wohl gewisse Sympathien für den Fakt, dass in der DDR Blue-Jeans an Schulen und Universitäten verboten waren. „Diese Amerikanisierung der Jugendlichen fanden nicht alle gut“. Außerdem vertrat Fichter nachdrücklich seinen Standpunkt, dass in Wolles Trilogie der Zeitraum 1945 – 1949 fehlen würde. Wolle dagegen argumentierte, dass sein Werk mit dem Fackelzug am 07.10.1949 zur Gründung der DDR beginnt und einen Bogen schlägt zum letzten Fackelzug am 06.10.1989, kurz vor der Öffnung der Mauer am 09.11.

 

Alles in allem eine sehr spannende, sehr lehrreiche Veranstaltung mit zwei hochkarätigen Sprechern und einem interessierten und thematisch bewandertem Publikum. Durch die mitunter doch hitzigen Debatten war es ein Abend, der noch lange im Gedächtnis bleiben wird und Neugierde auf Wolles Trilogie weckt.

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