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Ein Mann, eine Bühne, zwei konträre Perspektiven!

Am gestrigen Abend hatten wir den Schauspieler Steffen Roll bei uns zu Gast. Auf dem Programm stand ein „politisches Solo“, also ein Theaterstück gespielt von nur einer Person, die dabei unterschiedliche Rollen übernimmt. Vielleicht ist es anfangs schwer, sich solch eine „Ein-Mann-Performance“ konkret vorzustellen, aber meine Erfahrung von gestern hat gezeigt, dass es sehr gut funktioniert.
von Melanie Alperstaedt (16.04.2014)

Am gestrigen Abend hatten wir den Schauspieler Steffen Roll bei uns zu Gast. Auf dem Programm stand ein „politisches Solo“, also ein Theaterstück gespielt von nur einer Person, die dabei unterschiedliche Rollen übernimmt. Vielleicht ist es anfangs schwer, sich solch eine „Ein-Mann-Performance“ konkret vorzustellen, aber meine Erfahrung von gestern hat gezeigt, dass es sehr gut funktioniert.

Um was geht es in "helden wie wir"?

„Helden wie wir – Zwei Fluchten aus Berlin-Lichtenberg“ ist ein Schauspiel nach Texten von Thomas Brussig, kombiniert mit den authentischen Erlebnisberichten eines DDR-Flüchtlings. Steffen Roll schlüpfte gestern in zwei sehr unterschiedliche Perspektiven und keine kam dabei zu kurz. Zwei junge Männer, aufgewachsen in Berlin-Lichtenberg, gehen in der DDR ganz unterschiedliche Wege: Der eine floh mit seiner Familie aus der Republik, der andere wurde wie sein Vater Stasi-Offizier.

Wenig Kulisse, viel DDR-Geschichte

Herr Roll brauchte nicht viel, um  emotionale Bilder im Kopf zu erwecken: Ein Tisch, ein Stuhl, ein paar Personen im Publikum und sein Umfeld wurden in die Geschichte mühelos integriert. Durch einen Pullover und eine Lederjacke schlüpfte er in die unterschiedlichen Identitäten und es gelang ihm mühelos, das Publikum bei diesem Wechsel „mitzunehmen“. Er führte uns in die DDR der 80er Jahre, in die Prager Botschaft,  zu einer Stasi-Observation, zum Fall der Mauer…er erweckte die unterschiedlichsten Bilder und Situationen in den Köpfen des Publikums zum Leben. Dabei identifizierte man sich durchaus mit beiden Protagonisten und sah dadurch die so unterschiedlichen Seiten der Medaille. Besonders im Gedächtnis ist mir eine Situation geblieben: Herr Roll steckt in der Rolle des jungen Stasi-Offiziers und erklärt die eher traurigen Motive des jungen Mannes. In dem Moment, wo man gerade beginnt mitzufühlen unterbricht er, zieht seine Jacke aus und fängt an, über die Verbrechen der Staatssicherheit zu sprechen. Ein harter Kontrast, aber notwendig und ein Beweis für das Gespür für den richtigen Moment. Diverse kleinere Unterbrechungen, in denen Roll das Gespielte in den historischen Kontext setzt, haben mir grundsätzlich gut gefallen. Dadurch wird das Stück zugänglich für Menschen, die selbst vielleicht noch keinen eigenen Bezug zum Thema haben. Man lernt mehr und „verliert“ sich nicht in der reinen Unterhaltung, wobei das bei diesem Theaterstück auch kein Problem wäre. Nur entspricht dies nicht der Intention des Stücks, welche sich weder aufdrängt noch untergeht. Wie es meiner Meinung nach sein sollte lernt man bei diesem Stück etwas ohne den erhobenen Zeigefinger oder eine Beschönigung, sondern erfährt eine differenzierte Sichtweise und wird gut unterhalten. Das passt auch gut zur Grundidee des DDR Museums!

Theater zur DDR-Geschichte auch in klassenzimmern möglich

Da Steffen Roll nur sich selbst, einen Pullover, eine Jacke, einen Stuhl und einen Tisch benötigt, ist er mit seinem Stück mobil. Sollten Sie also eine lehrreiche Auflockerung für Ihren Unterricht suchen, kann ich Ihnen das Stück wirklich empfehlen. Es dauert ca. eine Stunde und enthält biografische Parallelen zu Herrn Rolls eigener Geschichte, so dass sich im Anschluss vielleicht auch ein Zeitzeugengespräch mit ihm anbietet.

Sollten Sie Fragen oder Interesse an einem Auftritt von Steffen Roll haben, melden Sie sich einfach bei uns!

 

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