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Ein Blick in die Seele von „Ost-Berlin“

Manche Bücher sind besonders, sei es aufgrund der Entstehungs- oder der erzählten Geschichte, des Autors, eines Tabubruchs oder des ganz persönlichen Bezugs, den man als Leser entwickelt. Am gestrigen Abend nun standen das Buch „Ost-Berlin“ und seine Autoren Harald Hauswald und Lutz Rathenow im Mittelpunkt. Der Klappentext betitelt das Werk als „Legende“ und ich finde, zu Recht.
von Dr. Stefan Wolle (19.03.2014)

Manche Bücher sind besonders, sei es aufgrund der Entstehungs- oder der erzählten Geschichte, des Autors, eines Tabubruchs oder des ganz persönlichen Bezugs, den man als Leser entwickelt. Am gestrigen Abend nun standen das Buch „Ost-Berlin“ und seine Autoren Harald Hauswald und Lutz Rathenow im Mittelpunkt. Der Klappentext betitelt das Werk als „Legende“ und ich finde, zu Recht.

Einerseits liegt es an der Entstehungsgeschichte: Als „Gegenentwurf“ zur offiziellen Darstellung Berlins seitens der DDR-Führung zur 750 Jahrfeier entstand heimlich in der Wohnung von Lutz Rathenow ein Buch, das ehrlich und unmittelbar Ost-Berlin Mitte der 80er Jahre zeigen will. Es lebt dabei von den einprägsamen Bildern Harald Hauswalds und den anekdotenhaft-unterhaltsamen Texten Lutz Rathenows. Sicherlich: Man spürt beim Blättern den „Gegenentwurf“ und manche Bilder sind wie auf dem Klappentext erwähnt „schonungslos ehrlich“. Beim Lesen habe ich jedoch weniger eine gewünschte Demaskierung, sondern eher eine tiefe Zuneigung zu Ost-Berlin wahrgenommen.

Harald Hauswald und Lutz Rathenow sind an sich schon zwei Persönlichkeiten, die man jeweils in einem ausführlichen Blogbeitrag vorstellen sollte. Gestern jedoch ging es ja weniger um die Personen, sondern um das Werk „Ost-Berlin“ und seine außergewöhnliche Geschichte. Diese wird in der zum 25. Jubiläum des Mauerfalls herausgegebenen Neuauflage in einem ausführlichen Essay des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk, der ebenfalls schon einige Male bei unseren Veranstaltungen mit seinen eigenen Publikationen im Mittelpunkt stand, dargestellt. 

Das Buch an sich hat keine festen Kapitel, sondern es ist eher so, als würde man mit Rathenow selbst durch die Straßen Ost-Berlins schlendern und dabei auf bestimmte Situationen aufmerksam werden. Passend dazu sieht man die Stadt durch die Bilder Hauswalds und kommt sich vor, als sein man in die Vergangenheit zurückversetzt worden. Das ist für mich neben der Entstehungsgeschichte ein weiterer Grund, weshalb ich dieses Buch für so besonders erachte.

„Ost-Berlin“ ist im Jaron Verlag erschienen und kostet 14,95€. Für eine Reise in die Vergangenheit ist das meiner Meinung nach nicht viel…

Die gezeigte historischen Aufnahmen: (c) Hauswald, Ost-Berlin

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