Ein Blick auf die Wirtschaft der DDR

Heute für Sie gelesen:
von Elke Sieber (22.10.2015)

Heute für Sie gelesen:

Martens, Bernd: Die Wirtschaft in der DDR, in: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/47076/ddr-wirtschaft, abgerufen am 21.10.15.

Bernd Martens war Geschäftsführer des Sonderforschungsbereichs 580 Halle/Jena. Er ist habilitierter Soziologe und arbeitet in den Forschungsbereichen Wirtschaftssoziologie, Transformationsforschung und Methoden der empirischen Sozialforschung.

In seinem Dossier nimmt er anhand empirischer Daten die Wirtschaft der DDR in den Blick. Insbesondere befasst er sich mit der Zeit von 1971 bis 1989/90, die viele Historiker als „Anfang vom Ende der DDR-Wirtschaftsgeschichte“ (S. 2) bezeichnen.

Insgesamt teilt er die Wirtschaftsgeschichte in drei Phasen ein. Die erste Phase beginnt für ihn 1945 und endet mit dem Einschnitt des Mauerbaus 1961. Die zweite Phase von 1961 bis 1971 ist für ihn durch einzelne Veränderungen und Reformen gekennzeichnet, die er mit der Absetzung und Entmachtung Ulbrichts als beendet ansieht. Sein Schwerpunkt liegt nun auf der dritten Phase, die weitgehend mit Honeckers Amtszeit zusammenfällt.

Honeckers zentrale Leitlinie in der Wirtschaftspolitik war die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Er setzte darauf, den Lebensstandard und die Konsumgüterversorgung der Bevölkerung zu verbessern, in der Hoffnung diese neuen Anreize würden die Produktivität der Arbeiter und der Betriebe steigern.

Gerade in den 70er Jahren wurde diese Idee zum schwierigen und Gelder verschlingenden Unterfangen, da schon die erste Erdölpreiskrise Anfang der 70er ein Umdenken der Wirtschafts- und Modernisierungsplanung mit sich brachte. Eine Modernisierung der DDR-Energieversorgung beispielsweise sollte zuerst auf Grundlage von Erdöl und Erdgas erfolgen, mit der Ölkrise verlagerte man sich auf die Braunkohleförderung durch alte Anlagen, die zu wachsenden Umweltbelastungen führte.

Dennoch war das Erdöl derzeit günstig für die DDR, da die Sowjetunion es zu niedrigen Einkaufspreisen lieferte. Da die DDR aber dringend Devisen benötigte, wurde diese Differenz zu den höheren Weltmarktpreisen von ihr geschickt genutzt. Erdöl wurde deshalb verstärkt weiterverkauft. Anfang der 80er stellte die Sowjetunion jedoch diese indirekte Subventionierung ein. Nun war man in der DDR noch deutlicher auf Braunkohle angewiesen.

Martens definiert darüber hinaus drei Ziele der DDR-Wirtschaftspolitik, die in gegenseitiger Konkurrenz standen und die Entscheidungen der Machthaber beeinflussten:

- die Befriedigung der Konsumbedürfnisse und die Sicherung/Erhöhung des Lebensstandards

- die Begleichung von Schulden insbesondere gegenüber ausländischen Gläubigern

- Investitionen in die eigene Wirtschaft

Er merkt an, dass das dritte Ziel häufig hinter den anderen beiden zurückstehen musste, da Konsum- und Lebensstandardfragen sowie Sozialleistungen systemstabilisierenden Charakter besaßen und gleichfalls die Zahlungsfähigkeit der DDR bedeutungsvoll für die Anerkennung ihrer nationalen Eigenständigkeit war. Für Investitionen blieb häufig wenig übrig, sodass sie aufgeschoben wurden, und beispielsweise die Mikroelektronik dem Westen um Jahre hinterherhinkte.

Dennoch hebt er hervor, dass die DDR trotz alledem 1989 nicht bankrott war, sondern aufgrund der Legitimationskrise des politischen Systems unterging. Bei einer Kontinuität der ökonomischen Politik wäre jedoch ein Zusammenbruch der Wirtschaft absehbar gewesen.

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-K0212-0302-001 / CC-BY-SA 3.0

 


 

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