Für Sie gelesen

„Walter Ulbricht. Zeitzeugen erinnern sich“

Drei Tage lang lag das dicke Ding auf meinem Schreibtisch und mir irgendwie im Magen. Ein Buch, so schwer wie ein Wackerstein, unnahbar und trostlos wie die Marxismus-Lehrbücher seligen Angedenkens. Ich sollte mich dazu bei „artour", dem Kulturmagazin des MDR äußern. Es führte also kein Weg an der Lektüre vorbei.
von Dr. Stefan Wolle (17.07.2013)

Drei Tage lang lag das dicke Ding auf meinem Schreibtisch und mir irgendwie im Magen. Ein Buch, so schwer wie ein Wackerstein, unnahbar und trostlos wie die Marxismus-Lehrbücher seligen Angedenkens. Ich sollte mich dazu bei „artour", dem Kulturmagazin des MDR äußern. Es führte also kein Weg an der Lektüre vorbei.

Das Buch hinterlässt eine tiefe Traurigkeit. Weniger, weil die alten Leute, die sich dort zu Worte melden, unfähig sind, aus dem selbst gewählten geistigen Ghetto auszubrechen. Das wundert niemanden mehr. Abstoßend ist die tiefe Verlogenheit. Hier kommt jene Generation von SED-Funktionären zu Wort, die Ulbrichts Reformen abgebrochen, ihn selbst gestürzt und abgeschoben hat, um eine Politik einzuschlagen, die direkt in die Katastrophe von 1989 führte. Ob Ulbrichts Erneuerungsversuche den Sozialismus gerettet hätte, sei dahin gestellt. Aber sie waren ein Versuch, der es wert gewesen wäre, noch einmal ernsthaft diskutiert zu werden. Doch davon kann in dem Buch keine Rede sein. Seltsam beziehungslos steht ein älteres Gedicht von Peter Hacks in dem Sammelband. Er spricht, bezogen auf die neue Parteiführung nach Ulbrichts Sturz von „Pack" und von „siegessatten Schafsgesichtern". Inzwischen wirken sie betrübt, doch sie sind sich treu geblieben.

Was ich sonst noch zu dem neuen Werk zu sagen hatte, kann man sich auf der Internetseite des MDR anschauen.


 

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