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Duskussion über die Aufnahme von Täve Schur und Renate Stecher in die "Hall of Fame"

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat im April 2006 die "Hall of Fame" als "Forum der Erinnerung an Menschen, die durch ihren Erfolg im Wettkampf und durch ihren Einsatz für die Ideen des Sports Geschichte geschrieben haben" ins Leben gerufen.
von Melanie Alperstaedt (28.04.2011)

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe hat im April 2006 die "Hall of Fame" als "Forum der Erinnerung an Menschen, die durch ihren Erfolg im Wettkampf und durch ihren Einsatz für die Ideen des Sports Geschichte geschrieben haben" ins Leben gerufen. Das Ziel dabei ist es, "die mehr als hundertjährige Geschichte des deutschen Sports und seiner großen Persönlichkeiten im Gedächtnis unseres Landes zu bewahren und gleichzeitig Diskussionen über diese Vergangenheit anzuregen."

Und jetzt ist die Diskussion in vollem Gange! Die Ursache ist der Vorschlag, den Radsportler Täve Schur (Ex-Weltmeister) und die Sprint-Olympiasiegerin Renate Stecher in die "Hall of Fame" aufzunehmen. Wer berechtigt ist, solche Vorschläge vorzunehmen? Es ist eine 28-köpfige Jury, bestehend aus Mitgliedern der Sporthilfe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Verbandes Deutscher Sportjournalisten.

Aber aus einem Vorschlag wird noch keine Diskussion.

Kritik kommt vom Dopingopfer-Hilfeverein (DOH), der die Aufnahme der beiden Sportler in einem offenen Brief scharf kritisiert. Sie weisen einerseits auf den in den Akten der Stasi-Unterlagenbehörde dokumentierten Doping-Missbrauch hin, andererseits betonen sie die politische Bedeutung Täve Schurs im DDR-Sport, seine Tätigkeit als Abgeordneter der Volkskammer und seine Abstimmungsentscheidungen als PDS-Mitglied im Deutschen Bundestag gegen die Aufklärung des DDR-Dopings sowie gegen eine Entschädigung der Opfer des DDR-Sports.

Auf Spiegel Online und auf der Internetseite des Deutschlandfunks finden Sie jeweils aufschlussreiche Artikel über die Details aus dem offenen Breif der staatlich anerkannten Doping-Opfer.

Auch wenn ich persönlich die Wortwahl sehr scharf finde, finde ich den offenen Brief richtig und wichtig. Denn der Leistungssport hatte auch eine politische Bedeutung in der DDR: Spitzensportler und deren Erfolge dienten als Aushängeschild, sorgten für internationale Anerkennung und stärkten das Selbstbewusstsein in der Bevölkerung. Teilweise zahlten Leistungssportler einen hohen Preis: Sie wurden ohne ihr Wissen gedopt und leiden noch heute unter den Spätschäden.

Nun weist der Dopingopfer-Hilfeverein darauf hin, dass eine Kandidatin für die Aufnahme in die "Hall of Fame" ihre Erfolge vermutlich durch Doping erreichte, der andere Kandidat banalisiert in ihren Augen den politischen Aspekt des DDR-Sports und engagierte sich durch Abstimmungen im Deuschen Bundestag gegen die Aufklärung und die Entschädigung von DDR-Dopingopfern.

Finden Sie nicht, dies sollte man zunächst klären, eh beide Kandidaten offiziell als Sportler, "die durch ihren Erfolg im Wettkampf und durch ihren Einsatz für die Ideen des Sports Geschichte geschrieben haben" und als große "Persönlichkeiten im Gedächtnis unseres Landes" geehrt werden? Dass man mal über diese Aspekte spricht, eh "der Bensheimer Künstler Hans Borchert individuelle Portraitgemälde" anfertigt, die dann mit den anderen Portraits der Mitglieder der "Hall of Fame" als "Wanderausstellung in verschiedenen Städten Deutschlands präsentiert" werden?

Ich finde das, nur sollte es meiner Meinung nach stets in einem respektvollen Ton,  mit so wenig Schärfe wie möglich und ohne Vorverurteilung passieren.


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