„Die Zeugin der Toten“ von Elisabeth Herrmann: Ein spannender Krimi mit starkem DDR-Bezug

Ich bin für Sie ja immer auf der Suche nach spannenden Büchern, die in ihrer Story einen Bezug zur DDR haben. Bei dem Krimi „Die Zeugin der Toten" von Elisabeth Herrmann, der in der heutigen Zeit spielt, ist der thematische Bezug besonders gut gelungen.
von Melanie Alperstaedt (06.12.2011)

Ich bin für Sie ja immer auf der Suche nach spannenden Büchern, die in ihrer Story einen Bezug zur DDR haben. Bei dem Krimi „Die Zeugin der Toten" von Elisabeth Herrmann, der in der heutigen Zeit spielt, ist der thematische Bezug besonders gut gelungen.


Die Protagonistin Judith Keppler ist Cleanerin, eine Putzfrau der besonderen Art. Sie reinigt Tatorte und Wohnungen, und so sollten Sie an einigen Stellen einen starken Magen haben. Eines Tages wird sie zu einem Tatort gerufen, an dem ein entsetzlicher Mord geschehen ist. Dabei entdeckt sie einerseits, dass die Wohnung vom Bundesnachrichtendienst überwacht wurde und andererseits, dass die Tote eine wichtige Akte besaß und versteckte. Es handelt sich dabei um ihre eigene! Denn Judith Keppler war als Kind im Kinderheim Juri Gagarin in Sassnitz auf Rügen und nun entdeckt sie, dass die ermordete Frau ihre Akte aus dem Kinderheim versteckt hielt. Es stellt sich die Frage: Warum?

Judith Keppler ist eine mutige, starke Figur, die kein einfaches Leben hatte. Man erlebt sie als kühle und neugierige Einzelgängerin, die das Risiko nicht scheut. Und als wäre die tatkräftige Aufklärung der eigenen Vergangenheit noch nicht kompliziert genug, gerät sie auf ihrer Suche in Konflikt mit den Geheimdiensten, die nun mal tun, was der Name schon sagt: Sachverhalte geheim halten. Nur dumm, wenn die eigene Biografie durch die Tätigkeiten der Geheimdienste geprägt wurde. Mehr kann ich dazu nicht schreiben, sonst ist schon zu viel verraten!


Als Einzelgängerin ist sie im Buch jedoch nicht allein. Sie akzeptiert, oder besser duldet, einen ehemaligen BND-Agenten an ihrer Seite, der inzwischen als Aussteiger sein Dasein als „Nachrichtendienst-Insider" in Talkshows fristet und mit der Ermordeten kurz vor ihrem Tode noch Kontakt hatte. Diese hatte ihm 20 Jahre nach dem Mauerfall brisante MfS-Akten angeboten, die Namen von Agenten auflisten, die auf westdeutschem Gebiet für die DDR-Auslandsspionage tätig waren.


Das Buch ist spannend und bietet viele interessante Aspekte. Aber besonders möchte ich es all jenen empfehlen, die Agententhriller mögen. Mir ist Judith Keppler nicht sonderlich sympathisch, allerdings ist sie in ihrer Einzigartigkeit überraschend glaubhaft. Der thematische Bezug zur DDR dient hier nicht nur als „Salz in der Suppe", sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Man begleitet eine interessante Frau auf eine spannende Reise in ihre Vergangenheit, die sie ihre Zukunft kosten kann.


Das Buch „Zeugin der Toten" von Elisabeth Herrmann kostet im Handel 19,99€.

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