Die Mauer in den westdeutschen Köpfen

Röper, Erich: Die Mauer in den westdeutschen Köpfen, in: DA 10.02.2015, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/200452/die-mauer-in-westdeutschen-koepfen, abgerufen am 08.10.2015.
von Elke Sieber (08.10.2015)

Röper, Erich: Die Mauer in den westdeutschen Köpfen, in: DA 10.02.2015, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/200452/die-mauer-in-westdeutschen-koepfen, abgerufen am 08.10.2015.

Erich Röper ist Professor an der Universität Münster und Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen. Des Weiteren arbeitete er lange Zeit in der Politikberatung, so von 1971 bis 1997 als Geschäftsführer der CDU-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft.

Röper brachte bei der Deutschlandforschertagung 2014 den oben genannten Beitrag, den das DDR Museum heute für Sie gelesen hat, in die Diskussion. Er stellte dabei die These auf, dass die zwischenmenschliche oder emotionale Abgrenzung Westdeutschlands von der früheren DDR und heute von den ostdeutschen Bundesländern auch als Mauer in den Köpfen der Westdeutschen zu verstehen sei.

Er beginnt seine Beobachtungen mit der Entstehung der staatlichen Abgrenzung zur DDR. Zuerst nicht anerkannt und nur in Anführungszeichen gesetzt, die Einheit jährlich beschworen, wäre das Bekenntnis zu Berlin und den Brüdern und Schwestern in der Ostzone immer mehr zur leeren Floskel geworden. Schon 1950 brauchten DDR-Flüchtlinge wie andere Asylbewerber eine staatliche Bleibeerlaubnis, 1975 wurde die DDR indirekt über die KSZE-Schlussakte als eigener Staat anerkannt. Auch weitere Beispiele nennt er, die auf eine nicht gesamtdeutsche Behandlung der DDR-Bürger in der Bundesrepublik hindeuten.

Selbst Brandts Politik des „Wandels durch Annäherung“ hätte diese Mauer in den Köpfen der Westdeutschen nicht mehr zum Einsturz gebracht, so erschien noch 1990 ein Atlas für Deutschland und Europa, der allein die Bundesrepublik als Deutschland vermerkte. Die Befassung mit der deutschen Teilung und dem Alltag im anderen Deutschland sei durch die Westverschiebung der bundesrepublikanischen Machtzentren ferner kaum präsent gewesen. 1985 betrachteten nur 25 Prozent die DDR als Teil Deutschlands. Die Kenntnisse über den ostdeutschen Staat nahmen immer mehr ab und führten laut Röper zu einer Fehlbeurteilung der Lage in der untergehenden DDR 1989. Außerdem zeigte sich auch während der Einheitseuphorie in der Diskussion um den Solidaritätspakt, dass die Westdeutschen keine uneingeschränkte Solidarität mit Ostdeutschland empfanden.

Des Weiteren merkt er an, dass die schwierige Kontaktaufnahme der Menschen in den beiden deutschen Staaten eine Mauer in den Köpfen manifestierte. Nur wenige DDR-Bürger genossen das Privileg in den Westen zu reisen. Sie konnten festgefahrene Meinungen revidieren. Westreisende hatten verschiedene Möglichkeiten in die DDR zu reisen, Röper wähnt jedoch eine gewisse „Scheu, den Mitbürgern hinter der Mauer zu begegnen, mit ihnen in der gleichen Sprache über die jeweiligen Vorstellungen und Lebensumstände zu reden“ (S. 3). Man wandte sich deshalb lieber gen Westen, die Befindlichkeiten der Ostdeutschen wurden und sind heute immer noch oftmals fremd. Die Politik tat (mit Krediten) ihr Übriges, um den Status Quo zu stabilisieren.

Somit fasst er zusammen, dass durch schnellen Wiederaufbau, Antikommunismus und Westbindung eine emotionale Situation entstand, die zur scharfen Abgrenzung und Ignoranz gegenüber dem Osten führte und damit die Kommunikation dieser beiden deutschen Gesellschaften verbaute. Recht und Politik hätten die DDR-Bürger zudem häufig ausgegrenzt. All dies führe bis heute zu einem Sich-Fremd-Sein und insbesondere zu einer Mauer in den westdeutschen Köpfen.

 

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-J0319-0010-002 / Sturm, Horst / CC-BY-SA 3.0

 


 

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