Ausstellung

Die Küche - Teil 4: Unsichtbares sichtbar machen

In der neuen Ausstellung des DDR Museum "Alltag im Plattenbau" gibt es hinter jeder Tür etwas zu entdecken und nicht selten entdeckt man dabei ein technischens Highlight. Diese Blogreihe beleuchtet die Installationen der rekonstruierten WBS-70-Wohnung von ihrer technischen Seite.
von Michael Geithner (27.09.2016)

In der neuen Ausstellung des DDR Museum "Alltag im Plattenbau" gibt es hinter jeder Tür etwas zu entdecken und nicht selten entdeckt man dabei ein technischens Highlight. Diese Blogreihe beleuchtet die Installationen der rekonstruierten WBS-70-Wohnung von ihrer technischen Seite.

Je mehr Zeit vergeht, desto länger liegen der Mauerfall und die vorangegangenen 40 Jahre der DDR zurück. Objekte werden älter und immer mehr davon müssen hinter Glas ausgestellt werden. Eine große Herausforderung für ein Museum, das sich selbst den Slogan “Geschichte zum Anfassen” gibt. Auch wenn in der neuen Ausstellung “Alltag im Plattenbau” immer noch unzählige Objekte angefasst, oder benutzt werden können, arbeitet die Zeit gegen uns. Noch schwieriger wird es, wenn bestimmte Themen nicht einmal durch Objekte dargestellt werden können, denn wie macht man etwas abstraktes, wie “Gleichbereichtigung” oder “Ernährung” greifbar und möglichst leicht verständlich? Hier können unterschiedliche Technologien und deren kreativer Einsatz helfen. In der Küche warten drei ganz besondere Installationen auf die Besucher.

1. Digitaler Kühlschrank

Eines der technischen Highlights des DDR Museums verbirgt sicher hinter einer Kühlschranktür. Es lohnt sich also alles zu öffnen und dem Entdeckertrieb freien Lauf zu lassen, denn von außen findet sich kein Hinweis darauf, was den Besucher innen erwartet. Beim Öffnen der Tür erhält man einen kurzen Blick in einen recht gewöhnlich eingeräumten Kühlschrank mit Flaschen, Eiern, Gläschen und Gemüse - und plötzlich wird alles dunkelblau. Was ist passiert? Vor den Objekten befindet sich ein eingebauter transparanter Bildschirm, der auf das Öffnen der Tür reagiert - und nach belieben die dahinter stehenden Objekte zeigen oder verbergen kann. Wird auf dem Bildschirm ein weißes Bild dargestellt, kann man einfach durchgucken, ist das Bild dunkelblau kann man so gut wie nicht mehr hindurch sehen.

Nun kann der Besucher den Bildschirm berühren und sich eine Sprache zur Bedienung auswählen. Eine runde, transparente Fläche erscheint, die Einblick in den Kühlschrank gibt und nun, wie ein Gucklock verschoben werden kann. Durch diese kleine “Suchmaske” können nun die Objekte hinter dem Bildschirm angeschaut werden. Nimmt man den Finger in der Nähe eines Objektes vom Screen herunter, so erhält man in Form von Grafik und Text interessante Details rund um das Thema Ernährung in der DDR. Insgesamt neun Objekte erzählen so auf interaktive Art von einem Thema, das zum großen Teil aus Zahlen besteht, aber viele interessante Erkenntnisse bereit hält. Es ist so gelungen empfindliche Objekte zu schützen, ihnen mehr Aussagekraft zu verleihen und ein abstraktes Thema auf außergewöhnliche und überraschende Weise darzustellen.

So einfach das Resultat wirkt - es haben eine Menge Leute daran mitgewirkt. Grafisch entwickelt wurde es von Constantin Bänfer und Jonas Kartenbeck, die auch die gesamte Ausstellungsgrafik kreiert haben. Die Idee und Inhalte der Anwendung kamen von Elke Sieber, aus dem wissenschaftlichen Team des DDR Museum. Programmiert und technisch umgesetzt wurde der Kühlschrank von Interactive Scape, die für das DDR Museum bereits den Multitouchtisch aktualisiert haben. Bezogen wurden Screen und Touch-Panel über MMT in Berlin. Verbaut in einen historischen DDR-Kühlschrank wurde alles von Peter Knabl und Peter Weiß, den Tischlern fürs Spezielle, die bereits seit 10 Jahren für das DDR Museum Möbel und Installationen bauen. Konzeptioniert und koordiniert wurde das Projekt von meiner Wenigkeit, Michael Geithner. Das Zusammenspiel aller einzelnen Abteilungen und das absolut einzigartige Resultat sind für das gesamte Team ein großer Erfolg.

2. Gleichbereichtigungsspiel

Fernab jeder Technologie ist das Spiel selbst sicherlich das schönste “Medium”, um jemanden zum Mitmachen anzuregen. Der Besucher wird mit neun verschiedenen Behauptungen zum Thema Gleichbrechtigung in der DDR konfrontiert und muss entscheiden, ob diese Aussagen entweder wahr oder falsch sind. Mit jeder beantworteten Frage setzt er ein typisches Foto aus der DDR zusammen - was jedoch darauf zu sehen ist, muss sich jeder selbst erspielen. Die Technik dahinter ist denkbar simpel - die Installation kann über einen Touchscreen bedient werden, der über sogenannten “Capacitive Touch” verfügt. Das ist die selbe Technologie, wie man sie aus dem eigenen Smartphone kennt. Alle Touchscreens der neuen Ausstellung verfügen über diese Technologie, die in Bildschirmen der Firma ELO verbaut sind, die sich als außergewöhnlich robust erwiesen haben.

3. Rezeptedrucker

Lust auf einen Broiler Milano, einen Teller Borstsch oder ein Glas von Dieters Fruchtschale? Rezepte aus der DDR erfreuen sich großer Beliebtheit und wer rustikale Küche mag, hat hier die Gelegenheit 61 unterschiedlichste Rezepte zu durchblättern und - ACHTUNG - auszudrucken! Hinter dem Touchscreen verbirgt sich ein kleiner Bondrucker, wie man ihn von der Kasse am Supermarkt kennt. Dieser druckt nach einem Touch einfach das gewünschte Rezept in handlicher Brieftaschengröße aus - zum Mitnehmen und for free natürlich. Noch keine Idee, wie so richtige originale Sibirskie Pelmeni, Schtschi oder Ragout Fin gekocht werden? Vorbeikommen, ausdrucken, nachkochen!

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