Ausstellung

Die Küche - Teil 3: Die Perspektive der Kuratorin

Nachdem die Küche bereits aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wurde, habe ich heute als Kuratorin des Raumes die Möglichkeit, Ihnen die inhaltlichen Aspekte des Raumes näherzubringen. Selbstverständlich kann dies das eigene Erlebnis der Ausstellung nicht ersetzen, aber ich möchte Sie heute neugierig darauf machen, etwas über die Ernährungsweise, Konsum und Frauenrolle in der DDR zu lernen.
von Elke Sieber (20.09.2016)

Nachdem die Küche bereits aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wurde, habe ich heute als Kuratorin des Raumes die Möglichkeit, Ihnen die inhaltlichen Aspekte des Raumes näherzubringen. Selbstverständlich kann dies das eigene Erlebnis der Ausstellung nicht ersetzen, aber ich möchte Sie heute neugierig darauf machen, etwas über die Ernährungsweise, Konsum und Frauenrolle in der DDR zu lernen.

Betritt man die Küche, so sieht sie zunächst aus wie eine ganz normale Küche der DDR aus den 80er Jahren. Doch bereits die Tapete und die Dekoration des Raumes verraten etwas über den Alltag in der DDR. Die Einheitsbauweise der Plattenbauten und die begrenzte Möbelauswahl ließen hinsichtlich der Grundrisse und individueller Einrichtung der Wohnung wenig Spielräume. Die funktional gestalteten Möbel waren oftmals schlicht und gerade eine weiße Einbauküche wirkte schnell etwas steril. Um die eigenen vier Wände individuell zu gestalten und den Räumen eine heimelige Atmosphäre zu verleihen, war diverser rustikaler Kitsch groß in Mode. Alte Tonkrüge, Messingpfannen, bunte Geschirrtücher und Topflappen zierten die Küche; so auch in unserer Museumküche. Die Tapete fügt sich ebenfalls in diesen rustikalen Stil ein. Interessant hierbei ist, dass Tapeten in Fliesenoptik durchaus verbreitet waren in der DDR. Fliesen waren eine typische Mangelware, was man ergattern konnte, genügte oftmals nicht, um Bad oder Küche mit einheitlichem Fliesenspiegel zu versehen. Eine Tapete hingegen machte genau dies möglich!

Rolle der Frau und die Gleichberechtigung

Nach dem Öffnen der Schränke erhält der Besucher Informationen zu den einzelnen oben genannten Themen. Die Rolle der Frau ist ein zentraler Aspekt, der etwas provokativ in der Küche und auf dem Herd beleuchtet wird. Der Besucher lernt anhand einzelner Beispiele, inwieweit Frauen in der DDR tatsächlich gleichberechtigt waren und dieses seit 1949 in der Verfassung verankerte, neue Rollenverständnis lebten und leben konnten. Spielerisch anhand von drehbaren Klappen oder eines digitalen Quiz erfährt man mehr über die propagierten Ansprüche und die gelebte Realität der Emanzipation. Beispielsweise waren Frauen der Mehrfachbelastung von Kindererziehung, Haushalt aber auch Beruf ausgesetzt, Statistiken zeigen, dass auch in der DDR der Mann nicht gleichviele Aufgaben im Haushalt übernahm. Darüber hinaus besetzten die obersten Führungspositionen zumeist doch Männern, so gab es keine einzige Frau im Politbüro, und Frauen fand man zu hohen Prozentsätzen in den schlecht bezahlten Tätigkeiten im Dienstleistungssektor. Lediglich an einem Tag im Jahr herrschte verkehrte Welt und die Frau konnte sich vom Betrieb ehren und von der Familie verwöhnen lassen. Am 8. März war der Internationale Frauentag, danach ging es weiter wie bisher.

Ernährung und Einkaufen

Blickt der Besucher in die Hängeschränke, so entdeckt er eine Vielzahl an Konserven und Eingewecktem aus DDR-Zeiten sowie diverse weitere Lebensmittel. Die Vorratshaltung hatte in der Mangelwirtschaft eine große Bedeutung. In der Kaufhalle war nicht jedes Produkt zu jeder Zeit verfügbar. Um Abwechslung auf den Teller zu bringen, sorgte man mit Konserven vor oder kochte selbst das gekaufte Obst und Gemüse ein, um es bei Bedarf im Schrank zu haben. Doch Obst und Gemüse stand nicht ganz so häufig auf dem Speiseplan. Die Ernährung der DDR-Bürger war äußerst fettreich und fleischlastig. Deftiges Essen vom Jägerschnitzel bis zur Soljanka war beliebt. Im Kühlschrank lassen sich Informationen zu einigen Ernährungsbesonderheiten der DDR finden. Doch nicht einfach so, sondern mit Hilfe eines transparenten Touchscreens! Per Fingertipp wählt der Museumsbesucher eines der im Kühlschrank befindlichen Originalexponate aus und erhält dazu passende statistische Daten, wie etwa einen Ost-West-Vergleich des Pro-Kopf- Verbrauchs an Fleisch über die Jahre.

Wer sich die DDR kulinarisch nach Hause holen möchte, der kann dies außerdem mit Hilfe unseres Rezeptedruckers tun. An einem Touchscreen lassen sich eine Vielzahl von Gerichten auswählen und für zuhause ausdrucken. Auch eine spezifische Suche nach Getränken, Gebäcken, Imbissen oder ganzen Mahlzeiten ist möglich. Bilder aus DDR-Kochzeitschriften erleichtern ein wenig die Qual der Wahl. 

In vielen weiteren Schubladen und Schränken entdeckt der Besucher originales Geschirr und Haushaltswaren aus der DDR, die er sogar anfassen und somit einem genaueren Blick unterziehen kann. Ich hoffe, ich konnte Sie neugierig auf den neuen Ausstellungsteil machen und Sie besuchen uns bald!

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