Geschichte

Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft

In unserer Sammlung befinden sich zahlreiche Objekte zum Thema Deutsch-Sowjetische Freundschaft, unter anderem der abgebildete Schmuckwimpel mit dem Logo der DSF und dem Schriftzug „Kollektiv Deutsch-Sowjetische Freundschaft“.

von Jörn Kleinhardt (20.08.2015)

Im Sommer des Jahres 1947 entstand auf Anregung des sowjetischen  Oberst Sergej Tjulpanow die „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“. Die neu gegründete Institution sollte der weit verbreiteten antisowjetischen Haltung der Bevölkerung im Osten Deutschlands entgegenwirken. Als geeignetes Mittel dafür betrachtete man die Kulturarbeit und eröffnete in den Folgejahren zahlreiche, als „Kulturhäuser“ fungierende Zentren für die kulturelle und politische Arbeit. Aus der „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“ ging am 2. Juli 1949 die „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF)“ hervor.

Neben politischer Agitation veranstaltete die DSF zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen in Städten, Gemeinden und Schulen, bei denen das gegenseitige Kennenlernen von Menschen und der jeweiligen Kultur im Vordergrund standen. Das Angebot war sehr vielseitig und reichte von Sprachkursen, Studienreisen und Abendveranstaltungen in den Kulturhäusern bis zur DDR weit veranstalteten Woche der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, welche jeweils im Mai stattfand. In Zusammenarbeit mit der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und der „Freien Deutschen Jugend (FDJ)“ wurden vor allem im Russischunterricht  „Brieffreundschaften“ initiiert. Mit den sogenannten „Freundschaftszügen“ fuhren jedes Jahr Kinder in der Ferienzeit in das jeweils andere Land, um dort die Schulferien in „Internationalen Ferienlagern“ zu verbringen.

Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft wuchs im Laufe ihres Bestehens rasant an und hatte in den 1980er Jahren knapp sechs Millionen Mitglieder.  Nach dem FDGB war die DSF somit die zweitgrößte Massenorganisation in der DDR.

In unserer Sammlung befinden sich zahlreiche Objekte zum Thema Deutsch-Sowjetische Freundschaft, unter anderem der abgebildete Schmuckwimpel mit dem Logo der DSF und dem Schriftzug „Kollektiv Deutsch-Sowjetische Freundschaft“.

In den letzten Jahren des Bestehens der DDR änderte sich die Rolle der Massenorganisation. Die von Michail Gorbatschow ab 1985 initiierte „Glasnost (Offenheit)“ und „Perestroika (Umgestaltung)“ Reformbewegung wurde von den SED-Machthabern nicht unterstützt, was für großen Unmut bei der DDR-Bevölkerung sorgte. Zuvor hieß es jahrzehntelang „Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!“, eine Parole die aus SED-Sicht in den späten 1980ern nicht mehr zeitgemäß war.  Kurt Hager, oberster Kulturverantwortlicher und Mitglied des Politbüros, äußerte sich in einem Interview 1987 wie folgt zu den Reformen des „Großen Bruders“: „Würden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?“. Aufgrund der Weigerung des Politbüros zu notwendigen Reformen, sahen viele Menschen ihre Mitgliedschaft in der „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ als eine Art der Protestbekundung mit dem Kurs der eigenen Regierung und zeigten sich solidarisch mit den von Gorbatschow initiierten Reformen.

Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt zweifellos die DDR interne Zensur der beliebten sowjetischen Zeitschrift „Sputnik“ dar, welche in der Oktoberausgabe 1988 den „Deutsch-Russischen Nichtangriffspakt“ aus dem Jahr 1939 thematisierte und somit massive Kritik am früheren Herrscher Josef Stalin übte. Durch die deutlich erkennbaren Parallelen zur eigenen Machtpraxis wollte die SED-Führung die aufklärerischen Artikel nicht dem eigenen Volk zumuten und verbot die Zeitschrift für knapp ein Jahr. Im November 1989 erschien in der DDR eine Sonderausgabe des „Sputniks“ mit den zensierten Artikeln des Vorjahres. Zu diesem Zeitpunkt war durch die Grenzöffnung am 9. November die Gesellschaft im Aufbruch und es zeichnete sich am Horizont schon die bevorstehende Wiedervereinigung Deutschlands ab.

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