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Die Friedliche Revolution Berlin 1989/90

Am 7. Oktober 1989, dem Tag der Republik, sprang der Funke der Revolution endgültig von Leipzig nach Berlin über. Wer wissen möchte wie es dazu kam, dem empfehlen wir wärmstens unseren heutigen Schatz aus der Bibliothek: "Die Friedliche Revolution Berlin 1989/90 - Der Weg zur Deutschen Einheit" von Jens Schöne.
von Viola Behrendt (07.10.2014)

Gleich ist es soweit - um 17 Uhr beginnt unser Revolutionszug "Nie wieder Diktatur!" am Neptunbrunnen nahe Alexanderplatz. Am 7. Oktober 1989, dem Tag der Republik, sprang der Funke der Revolution endgültig von Leipzig nach Berlin über. Wer wissen möchte wie es dazu kam, dem empfehlen wir wärmstens unseren heutigen Schatz aus der Bibliothek: "Die Friedliche Revolution Berlin 1989/90 - Der Weg zur Deutschen Einheit" von Jens Schöne.

Am 7. Oktober 1989 wurde die DDR 40 Jhre alt und auf dem Alexanderplatz in Berlin herrschte Volksfeststimmung. Freilich nicht ungetrübt - kurz zuvor waren Zehntausende aus der DDR geflüchtet, seit Anfang September gab es in Leipzig jeden Montag Demonstrationen, Anfang Oktober hatte es in Dresden bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen gegeben. Davon wollte die faktisch allein herrschende Partei SED die Bevölkerung gewiss möglichst wenig spüren lassen und inszenierte zum vierzigsten Jahrestag des Landes im gesamten Ost-Berliner Stadtgebiet Feierlichkeiten und Straßenfeste.

Einen Höhepunkt der offiziellen Feierlichkeiten stellte der festliche Empfang dar, den Erich Honecker für "verdienstvolle Bürger" und ausländische Gäste im Palast der Republik gab. "Unsere Freunde in aller Welt seien versichert, dass der Sozialismus auf deutschem Boden, in der Heimat von Marx und Engels, auf unerschütterlichen Grundlagen steht.", proklamierte Honecker in einem Trinkspruch. Ein Blick aus den Fenstern des Gebäudes hätte ihm zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits in aller Deutlichkeit gezeigt, dass das Volk seine Meinung kaum mehr teilte. "Auf der anderen Spreeseite, vom Wasser und zahlreichen Polizeiketten abgeschirmt, standen mehrere tausend Menschen, verlangten energisch nach Reformen und Gewaltlosigkeit  und skandierten jene Worte, die zum Sinnbild der Revolution werden sollten: "Wir sind das Volk!" Die allgemeine Unzufriedenheit über die bestehenden Verhältnisse begann sich zu entladen, und diese Bewegung sollte fortan ständig an Kraft gewinnen." (vgl. S. 10)

Unmittelbarer Ausgangspunkt war der Prostest einiger Weniger gegen den am 7. Mai 1989 endgültig aufgedeckten Wahlbetrug, an den fortan von Demonstranten an jedem siebten Tag des Monats auf dem Alexanderplatz erinnert wurde. Immer wieder gab es in diesem Zusammenhang Verhaftungen, bis schließlich der 7. Oktober kam.

Als die Mitarbeiter der Staatssicherheit mit der üblichen Brutalität gegen die Protestierenden vorzugehen versuchten, regte sich auch unter den Besuchern des Volksfestes Unmut. Die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens in der DDR, die politische Stagnation und die daraus resultierende Frustration der Bevölkerung fanden hier ein Ventil. Der Mut einiger Aktivisten traf auf die bisher träge Masse der Unzufriedenen – die Folgen waren schlicht nicht mehr kalkulierbar. Alsbald setzte sich eine zunächst kleine Menschenmenge in Bewegung, die jedoch schnell anwuchs. Ziel war der Palast der Republik, in dem nicht nur der bereits erwähnte Empfang stattfand, sondern auch Gorbatschow vermutet wurde, auf dessen Reformpolitik im Zeichen von Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) viel Hoffnung ruhte. Die SED-Führung, seit Jahrzehnten an der Macht, hatte sich derartigen Überlegungen bisher konsequent verschlossen. Nun wollte die Bevölkerung zeigen, wo die Sympathien lagen. Am Palast angekommen, war die Menge bereits auf etwa 3000 Personen angewachsen und machte sich lautstark bemerkbar. Da die Brücken über die Spree von Volkspolizei und Staatssicherheit versperrt waren, drehte der Zug schließlich in Richtung Prenzlauer Berg ab.“ (vgl. S. 11)

Obwohl von den Demonstranten immer wieder „Keine Gewalt!“ gefordert und prinzipiell auch nicht ausgeübt wurde, schlug die Staatsmacht entsprechend zuvor ausgearbeiteter Pläne brutal zu. Schlagstöcke und Wasserwerfer kamen zum Einsatz, Schmerzensschreie hallten durch die Straßen, Hunderte unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. Jede Rechtsstaatlichkeit verlor an Bedeutung und auch die fragwürdigen Gesetze der DDR deckten das Vorgehen keinesfalls. Alles schaute nun auf Leipzig, wo am 9. Oktober die nächste große Demonstration stattfinden würde.

Der 7. Oktober 1989 stellt ohne Zweifel einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Friedlichen Revolution dar. Auch in anderen Städten war es zu Unruhen gekommen, doch nirgends war die Konfrontation zwischen gewaltlos Protestierenden und gewaltbereiter Staatsmacht so unmittelbar, so brutal wie in Ost-Berlin gewesen. Das sollte Folgen haben.

Das spannende und authentische Buch „Die Friedliche Revolution“ von Jens Schöne ist in deutscher und auch in englischer Sprache erschienen. Sie erhalten es für 14,95 € sowohl vor Ort im Shop des DDR Museums, als auch in unserem Online-Shop.

Eine Leseprobe finden Sie hier.

 

Gleich beginnt unser Revolutionszug... wir freuen uns auf Sie!

 

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