Veranstaltung

Die DDR und kein Ende?

Am gestrigen Abend hatten wir den Historiker Jens Schöne bei uns zu Gast, der gerade seine neue DDR-Gesamtdarstellung  „Die DDR. Eine Geschichte des Arbeiter- und Bauernstaates“ im Berlin Story Verlag veröffentlicht hat. Es gibt die Publikation auch in Englisch („The GDR“), was heutzutage leider hinsichtlich der Literatur zur DDR noch relativ selten ist. Das Buch ist bei uns im Museumsshop sehr beliebt und gerade die englische Ausgabe ist bei interessierten Besuchern aus dem Ausland besonders gefragt.
von Melanie Alperstaedt (14.08.2015)

Am gestrigen Abend hatten wir den Historiker Jens Schöne bei uns zu Gast, der gerade seine neue DDR-Gesamtdarstellung  „Die DDR. Eine Geschichte des Arbeiter- und Bauernstaates“ im Berlin Story Verlag veröffentlicht hat. Es gibt die Publikation auch in Englisch („The GDR“), was heutzutage leider hinsichtlich der Literatur zur DDR noch relativ selten ist. Das Buch ist bei uns im Museumsshop sehr beliebt und gerade die englische Ausgabe ist bei interessierten Besuchern aus dem Ausland besonders gefragt.

Herr Schöne studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Neuere und Neueste Geschichte und promovierte 2004 mit einer Arbeit über die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft. Er ist der Stellvertretende Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Berlin und seit 2007 an der Humboldt-Universität auch Lehrbeauftragter. Daher berichtete  er während der gestrigen Veranstaltung auch wiederholt von seinen Erfahrungen mit interessierten Studenten und Studentinnen.

Nach einer kurzen Vorstellung des Buches stiegen wir relativ schnell in die Diskussion ein, denn das Bedürfnis des Publikums mitzureden war spürbar. Im Mittelpunkt des Abends sollte die Frage nach den Ergebnissen und Defiziten der gegenwärtigen DDR-Forschung stehen. Daher ging Herr Schöne auch zunächst darauf ein, welchen Themenbereichen sich die vergangene DDR-Forschung gewidmet hat  und schlug vor, den Blick zu erweitern. Denn es sei kein Zufall, dass es eine  große Zahl an Menschen gibt, die sich in der momentanen wissenschaftlichen Darstellung der DDR nicht wiederfindet. Dabei geht es nicht um eine Revision der Gesamtbeurteilung der DDR als Diktatur, sondern um eine Erweiterung der Forschungsperspektiven  auf z.B. das Ministerium des Innern, die Blockparteien oder den Bereich der Wirtschaft.

Besonders spannend fand ich auch die Frage nach der Konzentration der Aufarbeitung auf das Ministerium für Staatssicherheit, die Schöne gestern Abend jedoch – gerade am Anfang der Aufarbeitung - als notwendig und nicht anders denkbar bezeichnete. Diese Entwicklung über Jahre hinweg  sei  bei einer institutionalisierten Aufarbeitung in Form einer Behörde, die sich per Gesetz  nur mit diesem Thema auseinandersetze dürfe aber völlig logisch. Es würden weitere Forschungsinstitutionen oder auch Lehrstühle für die DDR an den Universitäten seines Erachtens fehlen, die sich mit staatlichen Mitteln dann anderen Aspekten der DDR-Geschichte widmen könnten. Ein Herr aus dem Publikum merkte hier an, dass man durch die Konzentration auf das Ministerium für Staatssicherheit das „große Monstrum“ gefunden hätte und so andere,  die Diktatur stützende  Strukturen im Alltag sowie weitere wichtige  Institutionen hinsichtlich der Schuldfrage glimpflich davongekommen wären.

Eine Dame aus dem Publikum stellte auch die Frage nach dem Nutzen der DDR-Forschung, was sicherlich ein wenig provokativ war, aber zu zahlreichen Wortmeldungen führte.  Dahinter steckt natürlich die „große Frage“ nach dem Sinn von der Auseinandersetzung mit der Geschichte, sodass einige Antworten auch allgemein gehalten waren. Eine Teilnehmerin der Diskussion fasste es dann kurz und knapp zusammen: Durch das Lesen solcher Bücher könne ihr niemand Unsinn erzählen und es ermögliche dem Leser in späteren Diskussionen  auch zu widersprechen!

Die ganze spannende Diskussion wiederzugeben würde leider diesen Bericht sprengen, war ich doch selten auf einer unserer Veranstaltungen, auf der so vielseitige Diskussionsbeiträge aus dem Publikum kamen.  Der Abend war wie ein nettes Gespräch in einer größeren Gruppe, die sich mit einem Thema sehr gut auskennt. Ich habe die Denkanstöße sehr genossen und möchte daher Jens Schöne, Stefan Wolle und jedem einzelnen aus dem Publikum für den tollen Abend danken!

 

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