Die Ausstellung „Leben in der DDR“

von Jörn Kleinhardt (12.11.2015)

Vor einigen Wochen wurden wir von Galeria Kaufhof am Alexanderplatz gebeten, eine kleine Sonderausstellung zum „Leben in der DDR“ zu erstellen und vor Ort zu präsentieren. Da unser Depot dank Ihrer zahlreichen Spenden prall gefüllt ist, sind solche Ausstellungsprojekte für uns schnell umzusetzen. Überaus wichtig  ist es natürlich das Platzangebot vor Ort im Vorfeld in Erfahrung zu bringen, da es als Auswahl- und Entscheidungskriterium für die passende Objektwahl  vonnöten ist. Zudem geben der vor Ort vorhandene Platz und die Ausstellungsarchitektur die grobe inhaltliche Einteilung der Ausstellung vor. Im Falle von Galeria Kaufhof hatten wir (unsere Volontärin Maria Bartholomäus und ich) insgesamt acht Vitrinen mit Exponaten zu bestücken. Die vom Kaufhof gestellten Vitrinen in Form eines Würfels hatten die Grundmaße von 54 x 54 x 54 Zentimetern. Somit war klar, dass wir aufgrund des begrenzten Platzangebotes vor Ort, eher kleinere Objekte präsentieren können.

Durch die acht verschiedenen Vitrinen hatten wir die Möglichkeit, unterschiedliche Module für die einzelnen Vitrinen zu entwickeln. Aber wie thematisiert man das „Leben in der DDR“ anhand von acht aufeinander abgestimmten Modulen? Klar muss man bei dem begrenzten Platzangebot eine sinnvolle Auswahl treffen und kann nicht alle Facetten des Alltagslebens in der DDR beleuchten. Ebenso ist es sehr wichtig nicht komplett „unkritisch“ mit dem Thema DDR umzugehen und sowohl positive wie auch negative Aspekte des Alltagslebens in die Module mit einzubringen. Wir haben uns letztendlich für folgende Module entschieden:

 Modul 1 „Die reine Lehre“ beinhaltet die Ideologie als einen der Grundpfeiler im Gesellschaftssystem der DDR. Zu sehen gibt es zahlreiche Printartikel wie die Selbstdarstellung des „Arbeiter- und Bauernstaates“, den Literaturklassiker „Das Kapital“ von Karl Marx, welcher vor wenigen Jahren von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe ernannt wurde oder die Autobiografie des langjährigen Staatschefs Erich Honecker. Als optisches Highlight in diesem Modul fungiert eine Büste von Karl Marx welche aus edlem Meissner Porzellan gefertigt wurde.

Modul 2 „Mechanisch und robust“ ist die perfekt passende Beschreibung für die berühmte „daro Erika“ Schreibmaschine aus den volkeigenen Betrieben des Schreibmaschinenwerks in Dresden. Ein Klassiker der auch in unserer Dauerausstellung wiederzufinden ist. Aufgrund der Maße der Reiseschreibmaschine war es uns nicht möglich, ein zweites Objekt in diesem Modul angemessen in Szene zu setzen. Aufgefrischt wird die Präsentation der „erika“ durch den Einführungstext für die Sonderausstellung, der durch unsere Pressesprecherin Melanie Alperstaedt beigesteuert wurde.

Modul 3 „Kleine Alltagshelfer“ beinhaltet einige bekannte Haushaltshelfer, welche unter dem Markennamen „aka electric“ in der DDR auf den Markt gebracht wurden. Da ein Großteil der Haushaltselektrogeräte wie Kaffeemühlen, Staubsauger, Mixer aus DDR Produktion unter diesem Namen vertrieben wurden, ist die Marke im Osten Deutschlands noch heute wohlbekannt. Ausgesucht für die Vitrine haben wir einen Lebensmittelzerkleinerer „Multiboy“, den klassisch designten Heizschuh „Sandalon“ und eine Luftdusche im Set.

Modul 4 „Ein Jugendtraum“ zeigt ein Stereokassettenrekorder „skr 700“ aus dem traditionsreichen Betrieb Stern-Radio Berlin. Ein Jugendtraum war das Gerät, weil es bei vielen Jugendlichen ab Mitte der 1980er Jahre auf dem Wunschzettel stand. Der Handelspreis von 1540 Mark gestaltete eine Anschaffung des Geräts jedoch zumeist als äußerst schwierig. Abhilfe schaffte dann oftmals die Jugendweihe, genauer das gesammelte Jugendweihegeld der Verwandtschaft. Als Farbtupfer haben wir zusätzlich zum Rekorder ein Kassettenkarussell „scona variant“ in das Modul eingebracht. Der Klassiker aus Plaste schmückte damals viele Haushalte und passt thematisch perfekt zum großen „skr 700“.

Modul 5 „Lernen, lernen…“ thematisiert anschaulich das Bildungswesen und die Erziehung in der DDR. Neben klassischen Schulbüchern wie einem Mathe- und einem Heimatkundebuch, gibt es auch Fachliteratur für Pionierleiter der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ zu sehen. Natürlich ist die erste an DDR-Schulen gelehrte Fremdsprache „Russisch“ in der Auswahl von Literatur zum Thema „Schule“ von uns berücksichtigt worden. Als optische „Anziehungspunkte“ ergänzen das im Biologieunterricht verwendete „Kleinmikroskop C“, ein Grundsortiment Schulmalfarben und ein Päckchen Wandtafelkreide das Modul.

Modul 6 „Saubermacher“ widmet sich thematisch der Produktion von Haushalts- und Reinigungsmitteln im real existierenden Sozialismus. Gezeigt wird hier eine Auswahl von Produkten, welche zum Teil bis heute auf dem Markt erhältlich sind. Dazu zählt auf jeden Fall das Vollwaschmittel „spee“. Zusätzlich haben wir heute in Vergessenheit geratene Produkte aus dem größten Chemiebetrieb der DDR, den VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“, wie das Geschirrspülmittel „Leunarex“ oder den Badreiniger „Leuna“ ausgewählt.

Modul 7 „Volle Pulle“, es geht ums Thema Alkohol! Trotz eines allgemeinen Mangels an Konsumgütern, gab es in der DDR ein vielfältiges Angebot an Alkoholika. Nahezu jeder Bezirk des Landes verfügte über einen Getränkekombinat, welcher heimische Biere, Liköre und Schnäpse für die Bevölkerung herstellte. Einige dieser Getränke wie „Rotkäppchen“ Sekt oder „Radeberger Pilsner“ Bier haben das Ende der DDR überlebt und erfreuen sich heute großer Beliebtheit. Neben einigen noch original verschlossen Flaschen, gibt es in diesem Modul zusätzlich verschiedene Schmuckgläser zu sehen.

Modul 8 „Ohne Tritt, marsch!“ widmet sich dem Thema Militarismus. Gezeigt wird unter anderem ein Stahlhelm „M56“ welcher zur Standartausrüstung der NVA gehörte und dementsprechend bei vielen, vor allem, männlichen Ostdeutschen bis heute sehr bekannt ist. Weniger bekannt ist bei Vielen, dass es sich bei diesem Helm um einen Entwurf handelt, welcher noch zu Wehrmachtszeiten erstellt wurde, bevor er Mitte der 1950er Jahre in der Nationalen Volksarmee eingeführt wurde. Die „Grenztruppen der DDR“ und die „Volkpolizei“ werden durch entsprechende Objekte ebenso thematisiert.

Nachdem wir die Module zusammengestellt haben wurden die Exponate mit Daten zum Objekt und Ausstellungstexten ergänzt. Danach erfolgte das Verpacken für den Transport zwischen Depot und der Ausstellungfläche am Berliner Alexanderplatz. Die Abwicklung des Leihverkehrs und den Aufbau der Exponate vor Ort übernahm unser Sammlungsleiter Sören Marotz.

Haben wir Ihr Interesse geweckt auch mal eine Ausstellung bei Ihnen zu machen? Haben Sie Anregungen oder Hinweise für uns? Dann melden Sie sich doch bei unserer Pressesprecherin Melanie Alperstaedt oder direkt bei uns in der Sammlung!

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