Dessau Dancers - Wie der Breakdance fast sozialistisch wurde

Filme, die in der DDR spielen, haben es für gewöhnlich nicht leicht. Viele Zuschauer gleichen den Film mit ihren eigenen Lebenserfahrungen ab und wenn dann eine Museumsmitarbeiterin über einen unterhaltsamen Kinofilm in einem Blog berichtet, kann es ja nur um die Authentizität, den Wahrheitsgehalt oder die Darstellung der DDR gehen. Oder?
von Melanie Alperstaedt (01.04.2015)

Filme, die in der DDR spielen, haben es für gewöhnlich nicht leicht. Viele Zuschauer gleichen den Film mit ihren eigenen Lebenserfahrungen ab und wenn dann eine Museumsmitarbeiterin über einen unterhaltsamen Kinofilm in einem Blog berichtet, kann es ja nur um die Authentizität, den Wahrheitsgehalt oder die Darstellung der DDR gehen. Oder?

Kinofilme ersetzen keine Museumsbesuche oder die Lektüre von Büchern, sie wollen es auch nicht. Der Faktor Unterhaltung spielt eine große Rolle und ist bei Dessau Dancers, der ab dem 16.4. in den Kinos zu sehen ist, auch gegeben! Die Darstellung der DDR mag zeitweise recht symbolisch sein und manchmal wird das eine oder andere eher nebensächliche Objekt aus der DDR in einigen Szenen auch zu sehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Der Umgang mit der Darstellung der DDR ist jedoch völlig adäquat, was sicherlich auch der Beratung durch Historiker und der engen Zusammenarbeit mit Breakdancern aus der DDR geschuldet ist.

Zur Geschichte: Im Sommer 1985 wird ein sozialkritischer amerikanischer Film in den DDR-Kinos gezeigt: „Beatstreet“ sorgt für volle Kinos und macht den Breakdance bei Jugendlichen populär. Die Hauptfigur Frank ist von den ungewöhnlichen Bewegungen und der Kultur begeistert und gründet mit Freunden in Dessau die „Break Beaters“. Sie üben und tanzen in auf der Straße und ecken an. Die Staatsmacht wird auf die Straßentänzer aufmerksam und möchte die Kontrolle über die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen behalten. Sie können den Breakdance nicht verbieten, also versuchen sie die „Break Beaters“ für sich zu vereinnahmen, Breakdance wird zum „akrobatischen Schautanz“ und die Jugendlichen zu einer in der Öffentlichkeit auftretenden und gefeierten Vorzeigetruppe. Doch dieser „geförderte Ruhm“ hat seinen Preis.

Man merkt: Der Film möchte auch ein Tanzfilm sein und so gibt es viele Szenen, bei denen das Zuschauen Spaß macht. Am besten haben mir jedoch die Szenen gefallen, in denen der eben erwähnte „gezahlte Preis“ deutlich wurde. Oder in denen gezeigt wurde, wie die unkritische Begeisterung der Jugendlichen und die subtile Einflussnahme von wichtigen Bezugspersonen zu einer Entwicklung führte, in der die „Break Beaters“ zu spät realisieren, welche Rolle ihnen zugedacht wurde – und was es sie kostet, diese Rolle zu erfüllen. Neben all der Unterhaltung zeigt der Film, wie durch Unterstützung in der Not und die Gewährung von Privilegien erfolgreich Kontrolle ausgeübt werden kann. Denn all das, was den „Break Beaters“ gewährt wurde, kann ihnen bei Widerspruch oder der Durchsetzung eigener Überzeugungen auch wieder entzogen werden. Und damit gehen die unterschiedlichen Charaktere sehr individuell um.

Meiner Meinung nach ist der Film hervorragend geeignet, ihn mit Jugendlichen anzusehen und so in das DDR-Thema einzusteigen. Denn der Film schafft die Balance zwischen Unterhaltung und ernsthaften Aspekten der DDR-Geschichte, die man in einem gemeinsamen Gespräch später aufgreifen kann. Auf jeden Fall wäre es aber wichtig, die Geschichte der DDR zusätzlich durch andere Quellen zu vertiefen. Denn wie gesagt: Kinofilme ersetzen keine…

 Bild: Editor Senator

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