Der Schritt zum Erwachsenwerden, die Jugendweihe in der DDR

von Jörn Kleinhardt (26.03.2015)

Denkt man an das Erwachsenwerden in der DDR, kommt man um die staatlich veranstaltete Jugendweihe nicht herum. Die Tradition der Jugendweihe entwickelte sich aber nicht erst zu DDR Zeiten. Schon seit 1852 spricht man von der Jugendweihe, im Gegensatz zur kirchlichen Konfirmation. Der Begriff Jugendweihe wurde damals oft von freireligiösen Gruppen als Abgrenzung zu den kirchlichen Traditionen der Konfirmation benutzt. Diese freidenkerischen Traditionen wurden von der Arbeiterbewegung, vor allem von der SPD und der KPD übernommen und erreichten in der Zeit der Weimarer Republik eine erste „Blütezeit“. Die Nationalsozialisten entwickelten in der Folgezeit eigene Formen von Weihen und Feiern wie beispielsweise die „Schulentlassungsfeiern“ oder ab 1940 die „Nationalsozialistischen Jugendleite“ als Teil der „Verpflichtung der Jugend“. Nach Kriegsende wurde die alte Tradition der Jugendweihe in Gesamtdeutschland wieder aufgegriffen.

In der jungen DDR wurde die Jugendweihetradition von der FDJ zentralisiert, in der Berliner Zeitung vom 11. Februar 1950 steht: „Frage: Finden nach dem Abschluß der Schulzeit wieder „Feiern der Jugend" (früher „Jugendweihe") statt und wo kann ich mein Kind dazu anmelden. Antwort: Die FDJ hat die Feiern übernommen und wird den Schulleitern in allernächster Zeit hierüber genaue Informationen geben.“ Ab den späten 1950ern war die Teilnahme an den Jugendweihefeiern für den Großteil der Heranwachsenden obligatorisch, wer nicht an den Feierlichkeiten teilnahm, musste mit Benachteiligungen und Repressionen rechnen.

Der Ablauf einer Jugendweihefeier hat sich über die Zeiten nur minimal verändert. Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Schulentlassung der Heranwachsenden an gebührendem Ort gefeiert. Der Jugendlehrer hielt damals einen Vortrag über die freigeistige Weltanschauung, es wurden Erinnerungsblätter, ein Gelöbnis und ein Gedenkbuch überreicht.

Auch in der DDR wurden derartige Feiern meist in großen Hallen oder geeigneten Räumlichkeiten gefeiert. Ein Gelöbnis wurde vom „Zentralen Ausschuss für Jugendweihen“ vorgegeben. Die sozialistische Weltanschauung spielte natürlich auch eine große Rolle. Als Gedenkbuch gab es zwischen 1954 und 1974 das Sammelwerk „Weltall, Erde, Mensch“, zwischen 1975 und 1983 das ideologisch geprägte Buch „Der Sozialismus, deine Welt“ und ab 1983 bis zur Wiedervereinigung dann das Werk „Vom Sinn unseres Lebens“. Die drei Bücher befinden sich in verschiedenen Auflagen in unserer Objektsammlung.

Zudem finden sich zahlreiche Dokumente zum Thema „Jugendweihe“ in unserem Bestand. Vorstellen möchte ich Ihnen eine offizielle Einladungskarte zur Feierstunde anlässlich der Jugendweihe der Thomas-Müntzer-Oberschule aus Sonneberg. Die Feierstunde fand am 28. April 1985 im Kulturhaus des VEB Thuringia Sonneberg statt. Die Einladung enthält einleitende Worte und Details vom Festprogramm. Die Vorderseite wird von einer angedeuteten Friedenstaube verziert, auf der Rückseite steht „Im Bruderbund mit dem Lande Lenins für Frieden und Sozialismus“.

Auch in unserer Ausstellung befindet sich eine Vitrine zum Thema „Jugendweihe“. Haben Sie noch interessante Anekdoten zum Thema? Dann kontaktieren Sie uns doch!

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