Der Berliner Fernsehturm

von Jörn Kleinhardt (01.10.2015)

Am 3. Oktober 1969 wurde der Berliner Fernsehturm im Beisein von Walter Ulbricht und weiteren hochrangigen Politikern der SED Nomenklatura in Berlins Mitte am Alexanderplatz feierlich eröffnet. Zeitgleich ging das zweite Fernsehprogramm der DDR DFF2 auf Sendung und die Ära des Farbfernsehens in der DDR begann. Die Arbeiten an dem prunkvollen Bauwerk begannen am  4.August 1965 und erstreckten sich über knapp vier Jahre. Im Vorlauf der Bauarbeiten wurde intern jahrelang über den genauen Ort und das Aussehen des Turmes gestritten. Nach der Einigung wurde für die Gesamtleitung des Bauprojekts der damalige Präsident der Deutschen Bauakademie Gerhard Kosel durch die SED Führung beauftragt.

Der sich nach oben verjüngende Turmschacht wurde mittels Kletterbauweise errichtet. Der Bau des Schaftes ging zügig voran, am 4. Oktober 1966 wurde die 100 Meter Höhenmarke durchbrochen, die endgültige Schafthöhe erreichte man am 16. Juni 1967. Für den knapp 249 Meter hohen Schaft des Turmes verbaute man insgesamt 8000 Kubikmeter Beton. Danach wurde die markante Kugel des Turms stückweise aus insgesamt 240 Segmenten aufgebaut. Den für die Außenhaut der Kugel benötigten Edelstahl importierte man aus Westdeutschland. Das letzte Segmentstück der Kugel wurde am 7. Oktober 1968, dem 19. Republikgeburtstag angebracht.

In der Zeit vom 2. Oktober bis zum 30. Oktober wurde die Turmspitze mitsamt dem Antennenaufbau montiert. Danach erfolgte in knapp einjähriger Bauzeit der Innenausbau. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf mehr als 132 Millionen Mark. Somit war das Bauwerk mehr als viermal so teuer wie ursprünglich eingeplant.

Nach der feierlichen Eröffnung am 3. Oktober wurde der Turm am 20. Jahrestag der Gründung der DDR (7. Oktober 1969) für den Besucherverkehr freigegeben. Das Zentralorgan „Neues Deutschland“ schrieb dazu am 3. Oktober: „Der Turm-ein Meisterstück“ sowie „… Der Teleturm ist neues Wahrzeichen unserer aufstrebenden Stadt, kündend von der Leistungskraft des Arbeiter- und-Bauern-Staates.  Ein Wunderwerk der Technik unter der Bauherrschaft der Deutschen Post projektiert, gebaut von Wissenschaftlern, Technikern und Arbeitern unseres Landes. Über 300 Betriebe fanden sich zu fruchtbarer sozialistischer Gemeinschaftsarbeit zusammen. …“ In den Folgejahren entwickelte sich der Turm mit der beliebten Aussichtsplattform und dem Telecafe zu einer gut besuchten Touristenattraktion. Bereits nach drei Jahren wurde der viermillionste Besucher begrüßt.

In vielerlei Hinsicht wurde der Fernsehturm seit seiner Fertigstellung vermarktet. Zwei besonders schöne Exponate habe ich für sie aus unserer Sammlung herausgesucht. Zum einen handelt es sich um eine aus Messing gefertigte Stiftablage für Schreibtische welche den Turm mitsamt zugehörigen Pavillion zeigt.  Zum anderen möchte ich ein klassisches Souvenir in Form eines großen Kugelschreibers kurz vorstellen. Im hinteren Teil des Kulis befindet sich ein Klarsichtfenster mit einem aus Plastik gefertigten und silber lackierten Turm. Dahinter befindet sich die Aufschrift „UKW- und Fernsehturm Berlin/ Hauptstadt der DDR/ Eröffnet Oktober 1969 Telecafe in 207m Höhe“

Der Berliner Fernsehturm gilt mittlerweile als nationales Symbol des wiedervereinten Deutschlands und ist heutzutage mit seiner Bauhöhe von 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands. Im Europavergleich gilt der Fernsehturm heutzutage als vierthöchstes Bauwerk. Der Besucherandrang ist nach wie vor ungebrochen. Jährlich wird der Turm von über 1 Million Gästen besucht und zählt damit zu den 10 beliebtesten Sehenswürdigkeiten deutschlandweit.

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