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Der 8. Mai, Tag der Befreiung in der DDR

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichneten im Offizierskasino der Wehrmachtspionierschule in Berlin Karlshorst, deutsche Offiziere der drei Teilstreitkräfte Heer(Oberkomando der Wehrmacht (OKW)), Luftwaffe und Kriegsmarine die Kapitulationserklärung zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches von Jörn Kleinhardt (07.05.2015)

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichneten im Offizierskasino der Wehrmachtspionierschule in Berlin Karlshorst, deutsche Offiziere der drei Teilstreitkräfte Heer(Oberkomando der Wehrmacht (OKW)), Luftwaffe und Kriegsmarine die Kapitulationserklärung zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Damit waren ab dem 8. Mai alle Kampfhandlungen offiziell beendet, zudem räumte die deutsche Staats- und Armeeführung damit den alliierten Siegermächten das Recht ein, alle politischen, militärischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten Deutschlands, in den jeweiligen Besatzungszonen, zu regeln. Die Zeit der offenen kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa war Geschichte.

In der sowjetischen Besatzungszone entstanden alsbald Ehrenmale und Gedenkfriedhöfe um an den Tag der Befreiung und die unzähligen Opfer des Krieges zu erinnern. Immerhin hatte die sowjetische Besatzungsmacht die Hauptlast des großen Krieges getragen und mit schätzungsweise 27 Millionen Toten die mit Abstand meisten Verluste zu beklagen. In Berlin wurde das erste Ehrenmal im Berliner Tiergarten bereits einige Monate nach Kriegsende geschaffen und im November 1945 zum Jubiläumstag der sowjetischen Oktoberrevolution feierlich eingeweiht. Weitere Anlagen in Berlin Pankow und Berlin Buch kamen in den darauffolgenden Jahren hinzu. Die größte Anlage und zugleich zentrales Ehrenmal wurde über mehrere Jahre in Berlin Treptow gebaut. Dem Bau dieser Anlage wurde von der Besatzungsmacht eine höhere Priorität eingeräumt als dem so dringend benötigten Wohnungsneubau der noch größtenteils in Trümmern liegenden Stadt Berlin. Am 8. Mai 1949 zum vierten Jahrestag des Kriegsendes, wurde die sich über zehn Hektar Fläche erstreckende Anlage feierlich eingeweiht. Auf dem Gelände ruhen die Überreste von 7000 Rotarmisten, zentraler Punkt ist die auf einem Hügel stehende Statue eines Sowjetsoldaten welcher ein Kind auf dem Arm trägt und in der anderen Hand ein Schwert hält. Zu seinen Füssen liegt ein zertrümmertes Hakenkreuz. Die Statue mitsamt Hügel, Sockel und begehbaren Pavillon hat eine beachtliche Höhe von 30 Metern. Die um den zentralen Punkt ausgerichteten Sarkophage und Grabfelder sind im Duktus ihrer Entstehungszeit teilweise mit Stalins Zitaten verziert.

Die Anlage war in der Folgezeit Schauplatz für vielfältige und weitverbreitete Massenveranstaltungen wie Fackelzüge der FDJ und der Pioniere, diverse Staatsrituale und die jährlichen Veranstaltungen zum „Tag der Befreiung“, welcher von 1950 bis 1966 und im Jahr 1985 gesetzlich durch Beschluss der Volkskammer zum Feiertag in der DDR erklärt wurde. Die Erinnerungskultur an den Tag der Befreiung wurde durch die dominante Stellung der Sowjetunion, sowie durch die ideologischen Auseinandersetzungen in der Zeit des „Kalten Krieges“ geprägt und war dadurch sehr einseitig auf den „Großen Bruder“ ausgelegt.

In unserer Sammlung befinden sich eine Broschüre mit dem Titel „Der große Sieg/ Die welthistorische Bedeutung des Sieges der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg“. Entstanden 1980 im Dietz Verlag Berlin versteht sich die Schrift als „Anschauungsmaterial zum 35. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus“. Auf 80 Seiten wird, begleitet durch zahlreiche Fotografien und Kartenmaterial, der Zeitraum von der Entstehung des Dritten Reiches bis zu seiner Zerschlagung behandelt. Auf insgesamt vier Seiten der Broschüre wird die Rolle der anderen Alliierten Großbritannien, den USA und Frankreich beiläufig erwähnt. Eindeutig ist hier die überragende Rolle der Sowjetmacht beschrieben. Zeitgenössische Slogans wie „Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen!“ welche auf großformatigen Bannern den öffentlichen Raum in der DDR schmückten unterstrichen die Führungsrolle der Sowjetunion.

Auch außerhalb Berlins befanden sich zu DDR Zeiten zentrale Ehren- und Gedenkstätten wie beispielsweise das „Ehrenmal auf den Seelower Höhen für die Helden des Großen Vaterländischen Krieges“. Die Seelower Höhen wurden, begünstigt durch das abfallende Gelände zur Oder, durch Wehrmachtseinheiten zur letzten Hauptverteidigungsstellung außerhalb Berlins ausgebaut.

An diesem historischen Ort hat die Rote Armee im Frühjahr 1945 die Oder überschritten und unter tagelangen und verlustreichen Kämpfen das Tor zur Reichshauptstadt Berlin geöffnet. Die Schlacht gilt als größte und verlustreichste Schlacht des 2. Weltkriegs auf deutschem Boden. Auch an diesem Gedenkort wurden wie am Treptower Ehrenmal Staatsrituale wie Vereidigungen von NVA Soldaten und andere Massenveranstaltungen zelebriert.

Der Ort in Berlin Karlshorst an dem der Krieg in Europa beendet wurde, beherbergt heutzutage übrigens das Deutsch-Russische Museum. Es versteht sich als Nachfolgeinstitution des von 1967 bis  zum Abzug der russischen Streitkräfte im Jahr 1994 betriebenen sowjetischen Kapitulationsmuseums am selben Ort.

Unser wissenschaftlicher Leiter Dr. Stefan Wolle hat in Zusammenarbeit mit dem Historiker Ilko Sascha Kowalczuk vor Jahren eine gut zum Thema passende Publikation mit dem Titel „Roter Stern über Deutschland“ über den sowjetischen Einfluss in der DDR geschrieben. Sie können es bei Interesse direkt beim Christoph Links Verlag bestellen.

Haben Sie noch Erinnerungen und Geschichten an die zahlreichen Soldatenfriedhöfe und Ehrenmale, welche neben den zentralen Erinnerungsorten in den Bezirksstädten sogar in kleinen Gemeinden installiert wurden. Dann melden Sie sich doch bei uns!

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