Der 40. Geburtstag der DDR: Inszenierter Massenjubel, Demonstrationen und Polizeigewalt

Am 7. Oktober 1989 feierte die SED-Führung das 40-jährige Bestehen der DDR unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Die SED-Führung wollte sich die Feierlichkeiten nicht "verderben" lassen und versuchte mit einem großen Aufgebot von Soldaten und Mitarbeitern der Staatssicherheit für die von ihnen gewünschte Ordnung sorgen.
von Melanie Alperstaedt (07.10.2009)

Am 7. Oktober 1989 feierte die SED-Führung das 40-jährige Bestehen der DDR unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Die SED-Führung wollte sich die Feierlichkeiten nicht "verderben" lassen und versuchte mit einem großen Aufgebot von Soldaten und Mitarbeitern der Staatssicherheit für die von ihnen gewünschte Ordnung sorgen.

Für viele DDR-Bürger war jedoch schon lange nichts mehr in Ordnung, und so versammelten sich ab ca. 17:30 mehr als 5000 Menschen auf dem Marx-Engels-Forum, ganz in der Nähe des Palastes der Republik. Dort feierten Erich Honecker und mehrere Tausend Ehrengäste das Bestehen eines Landes, das es bald in der von ihnen gewünschten Form nicht mehr geben sollte. Auch Michael Gorbatschow war aufgrund der Feierlichkeiten in Berlin. Aber nicht nur er und die DDR-Führung, sondern sicherlich die meisten Anwesenden im Festsaal des Palastes hörten die Sprechchöre: "Gorbi, hilf uns!" und "Wir sind das Volk!".

Ab ca. 19 Uhr beginnen die Demonstrierenden loszulaufen. Viele von ihnen haben als Ziel die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg, in der eine Mahnwache für inhaftierte Oppositionelle stattfindet.

An der Hans-Beimler-Straße (heute Otto-Braun-Straße), Ecke Mollstrasse, schlagen die Spezialeinheiten der Staatssicherheit zu.  Es wird wahllos zugegriffen und zugeschlagen. Menschen werden gewaltsam auf bereitstehende LKW gezwungen, um mit weiteren Verhafteten weggefahren zu werden.

Ebenfalls kommt es an der Gethsemanekirche zu einem Ausbruch der Gewalt. Als die Teilnehmer einer Bittandacht für inhaftierte Oppositionelle die Kirche verlassen, greift die Polizei gewaltsam ein. Menschen werden willkürlich verhaftet, auf Ostberliner Polizeirevieren festgehalten, erniedrigt und misshandelt. Viele Betroffene schilderten danach Ihre Erlebnisse in Gedächtnisprotokollen, die damals in der Gethsemanekirche gesammelt wurden.

Der heutige Tag ist für viele Menschen und Medien ein Anlass, über die DDR zu berichten. Ich finde, man sollte neben der skurrilen Feier einer des Volkes entfremdeten, diktatorischen Regierung ebenfalls an die staatlich angeordnete Gewalt gegen die friedlich demonstrierenden DDR-Bürger denken. Für mich persönlich ist dieser Tag nicht der 60. Geburtstag der DDR sondern einer, an denen ich mit denen fühle, die für die friedliche Äußerung Ihrer Meinung mit der eigenen, physischen Unversehrtheit bezahlten.

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