Aus der Sammlung

Das kabelferngesteuerte Panzermodell des »T-62«

Die DDR bot eine breite Palette an Spielwaren, die neben dem spielerischen Aspekt auch oft einen edukativen enthielten. Besonders dabei sind Spielzeuge, die vor allem Jungen mit ihrem späteren Dienst in der Armee vertraut machen sollten wie der Spielzeugpanzer »T-62«. (28.04.2016)

Mitte der 60er-Jahre produzierten in der DDR rund 500 Betriebe, von denen etwa die Hälfte privat waren und zum Großteil in Sachsen und Thüringen lagen, Spielzeugwaren für den heimischen Markt, aber auch für den Export. Innerhalb der Länder des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) wurde die Republik zum größten Spielwarenhersteller, dessen Produkte auch im westlichen Ausland gefragt waren. Besonderes Augenmerk wurde neben dem Spielspaß auf pädagogische und erzieherische Funktionen gelegt. So sollten beispielsweise insbesondere Jungen früh mit dem späteren Dienst in der Nationalen Volksarmee (NVA) mithilfe von Militärspielzeug vertraut gemacht werden.

Kriegsspielzeug in der DDR 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren militärische Spielwaren in allen Besatzungszonen verpönt. Das änderte zunächst auch nicht trotz des Aufbaus der eigenen Streitkräfte in der DDR ab 1952. Seit Anfang der 60er-Jahre stellten einige Betriebe Kriegsgerät aller Waffengattungen im Miniaturformat her, die u. a. in Kindergärten verteilt wurden. Der Staat wollte die Menschen für den Aufbau des Sozialismus und dessen Verteidigung begeistern, sodass bereits Kinder mit ihren späteren Rechten und Pflichten vertraut gemacht wurden. Bestens geeignet für die Vorbereitung für den Dienst in der NVA – die allgemeine Wehrpflicht mit einer Dauer von 18 Monaten war für Männer zwischen 18 und 26 gedacht – waren Militärspielwaren wie das Modell des Panzers »T-62«. Ursprünglich wurde der »T-62« Ende der 1950er-Jahre in der Sowjetunion entwickelt und später in viele Länder des sogenannten Ostblocks geliefert. In der Nationalen Volksarmee fand er allerdings nie Verwendung.

Die Beschwerden der Eltern über die militärischen Spielwaren blieben allerdings nicht aus. In den 80er-Jahren nahmen sich schließlich unabhängige Friedengruppen des Themas an und organisierten im Rahmen der Kirche Umtauschaktionen, bei denen die Modelle gegen anderes Spielzeug eigetauscht werden konnten. 

Kinderlexikon »Panzer, Flugzeug, schnelle Schiffe«

Vorbild, Aufbau und Funktionen des Spielzeugpanzers »T-62«

Angetrieben wurde der Spielzeugpanzer »T-62« aus Kunststoff mit Gummiketten im Maßstab 1:25 über einen Elektromotor, welcher sich auf einem blechgestanzten Gehäuse befand. Die Fahrbereitschaft nach rechts und links wurde mittels verschiebbarer Antriebswelle gesteuert. In die Kabelfernbedienung legte man eine 4,5 V-Blockbatterie und schon konnte gespielt werden.

Gemäß sowjetischem Vorbild war das Spielzeug in Tarnfarben-Grün mit zwei sowjetischen Sternen jeweils an den Seiten verziert. Nah am Original ist der Turm gestaltet, der sich um 360 Grad drehen lässt. Am Heck befinden sich eine Antenne, ein Weitsichtgerät und zwei Benzinfässer. Die Turmluke lässt sich öffnen und mit einer kleinen Figur bestücken.

Im beiliegenden Heft ist vermerkt, welche Energiequelle genutzt werden soll. Eine allgemeine Gebrauchsanleitung mit Werkstattverzeichnis rundet das Informationsangebot ab.

Aus heutiger Sicht ist die Nutzung von Militärspielzeug durchaus kritisch zu sehen, allerdings sind Militärspielsachen im Kontext der jeweiligen Zeit zu betrachten und waren im Laufe des 20. Jahrhunderts durchaus verbreitet im gesamten Europa. Auch heutzutage gibt es noch eine Vielzahl von Spielzeugen mit militärischem Kontext. 

Spielzeugmodell des Panzers »T-62«

 

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 28. April 2016.

Mehr zum Thema