Das DDR Museum lädt zur Geschlossenen Gesellschaft

So lautete der Titel der vorgestrigen Veranstaltung im Besucherzentrum des DDR Museum. Zu Gast war Uwe Warnke, der Mitkurator der erfolgreichen Ausstellung der Berlinischen Galerie 2012/13 „Geschlossene Gesellschaft“, die sich erstmals umfassend mit der künstlerischen Fotografie der DDR von ihren Anfängen bis zum Mauerfall auseinandersetzte. Neun weitere Galerien beteiligten sich letztlich an der Ausstellung. Vier Professoren verlegten ihr 3-tägiges Symposium zur DDR-Fotografie spontan in die Berlinische Galerie. Die Ausstellung wurde mit 85.000 Besuchern die damals meistbesuchte Ausstellung der Berlinischen Galerie und auch der Ausstellungskatalog war nach kürzester Zeit vergriffen.
von Elke Sieber (03.03.2016)

So lautete der Titel der vorgestrigen Veranstaltung im Besucherzentrum des DDR Museum. Zu Gast war Uwe Warnke, der Mitkurator der erfolgreichen Ausstellung der Berlinischen Galerie 2012/13 „Geschlossene Gesellschaft“, die sich erstmals umfassend mit der künstlerischen Fotografie der DDR von ihren Anfängen bis zum Mauerfall auseinandersetzte. Neun weitere Galerien beteiligten sich letztlich an der Ausstellung. Vier Professoren verlegten ihr 3-tägiges Symposium zur DDR-Fotografie spontan in die Berlinische Galerie. Die Ausstellung wurde mit 85.000 Besuchern die damals meistbesuchte Ausstellung der Berlinischen Galerie und auch der Ausstellungskatalog war nach kürzester Zeit vergriffen.

Uwe Warnke wurde 1956 in Wittenberge geboren und wuchs in Schwerin auf. Nach seinem Studium der Kartographie beschäftigte er sich ab 1979 mir experimentellen Schreibweisen bis er in den 80er Jahren in Berlin zusammen mit Siegmar Körner die Untergrundzeitschrift Entweder/oder herausgab, die selbst viele künstlerische Fotos publizierte. Er widmete sich außerdem verschiedenen Bereichen der Kunst und gründete 1990 den Uwe Warnke Verlag. Bereits 2009 beteiligte er sich an der Ausstellung „Poesie des Untergrunds. Die Literaten- und Künstlerszene Ostberlins 1979 bis 1989“.

Nach einer Einstimmung auf den Abend durch Sören Marotz, der provokant die Frage aufwarf: Was ist eigentlich Kunst? Wo liegt die Grenze zwischen Dokumentarfotografie und künstlerischer Fotografie? Warnke verdeutlichte in seinem folgenden Vortrag, dass die Grenzen fließend sind. Die Ausstellung „Geschlossene Gesellschaft“ setzte beim Neuanfang, der Stunde Null, 1945 ein und präsentierte die Bilder zweier Fotografen zu den Trümmern in Dresden, der Öffnung der Luftschutzbunker sowie zu Porträts Leipziger Frauen. Bei der künstlerischen Fotografie käme man an der sozial-dokumentarischen Fotografie nicht vorbei, erklärt Warnke.

Aus diesem Grunde entstand eine Dreiteilung der Ausstellung in Themenfelder und Entwicklungstendenzen, die sich teilweise überschnitten, aber auch die Entwicklung der fotografischen Kunst in der DDR verdeutlichen. Das erste Themengebiet bildete die Überschrift „Realität, Engagement, Kritik“. Die Fotografie war beeinflusst durch das Darstellen der Realität, aber auch durch den Glauben an eine neue, bessere Welt. „Human interest“ nannte Warnke die Hinwendung und Abbildung des Menschen als zentralem Motiv. Der Fotograf wollte verdeutlichen, dass der Mensch etwas Gutes in sich trage, und glaubte daran die gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Fotografie zu verändern. Als Vertreter dieser ersten Entwicklung nannte er beispielsweise Evelyn Richter sowie Arno Fischer, Roger Melis und Sibylle Bergemann, die alle drei auch Fotos für die DDR-Modezeitschrift Sybille schossen, die seinerzeit eine gewisse Freiheit in der Kunstfotografie bot. Doch auch Christian Borchert und seine Familienporträts sind diesem Themenfeld zuzuordnen sowie viele weitere Fotografen, die versuchten ihre Freiheiten unter dem SED-Regime auszuloten und teilweise an den staatlich-verordneten Kunstvorstellungen scheiterten.

Das zweite Themenfeld hat den Titel „ Montage, Experiment, Form“ und beschreibt eine Fotografie, die an Entwicklungen aus den 20er Jahren anknüpfte und mit Formensprache arbeitete. In der DDR wurde gegenüber solchen Strömungen häufig der Vorwurf des Formalismus laut, der anprangerte, dass ein Fotograf, der sich solchen Mitteln wie der kapitalistischen Formensprache verschrieb, sich diesen auch zurückwünschte. So hatte selbst Fritz Kühn, der die Metallarbeiten am Straußberger Platz kreierte, kaum eine Möglichkeit seine fotografischen Werke einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Weitere Vertreter dieser Stilrichtung waren Manfred Paul, Ulrich Lindner oder Lutz Dammbeck. Rudolf Schäfer gelang es sogar seine Werke in Zusammenarbeit mit dem Westen zu veröffentlichen, indem er diesen Austausch für Herrn Schalck-Golodkowski zum lukrativen Geschäft machte.

Im dritten Teil thematisierte Warnke einen Paradigmenwechsel der DDR-Fotografie am Beispiel des Konzeptfotografs Kurt Buchwald und Thomas Florschuetz`. Beide wechselten von Beobachter hinter der Linse zum Objekt vor der Kamera. Florschuetz fotografierte dafür Fragmente seines Körpers und ordnete sie in anderer Reihenfolge an. Als er den ersten Platz des Kodak-Fotografiepreises im Westen überreicht bekommt, kehrt er der DDR den Rücken. Vielen anderen bleibt allerdings nur die Möglichkeit über illegale Publikationen ein interessiertes Publikum in der DDR zu erreichen.

Bei der Diskussion am Ende reflektiert Uwe Warnke die kuratierte Ausstellung kritisch, räumt ein, dass durchaus bedeutende Fotografen der DDR nicht thematisiert wurden, dass eine Auswahl zu treffen war, die den Kuratoren teilweise schmerzliche Momente bereitete. Er merkt an, dass die große Zeitspanne von 1945-1989 eine sehr kritische Auswahl nötig machte sowie dass das Ziel der Ausstellung war, darzustellen, wie sich das Medium Fotografie unter den Bedingungen in der DDR entwickelt hat. Diese Fragestellung erforderte es nochmal ganz andere Kriterien bei der Wahl der Bilder einfließen zu lassen.

Durch diese Veranstaltung erhielten die Besucher auf spannende und bildhafte Weise einen Einblick in die Geschlossene Gesellschaft der DDR-Fotografie. Es war sehr erfreulich, wie viele diesen Abend nutzten, um mehr über dieses interessante Thema zu erfahren. Momentan beschäftigt sich Warnke mit Interviews von Künstlern und deren Beeinflussung durch politische Umbrüche in der DDR. Die Erschließung dieses Forschungsmaterials wird gefördert von der Stiftung Aufarbeitung.

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