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Das Aufstandsjahr 1953

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek ist dieses Mal nicht wie sonst ein Buch, sondern ein Heft. Die Zeitschriftenreihe HORCH UND GUCK, deren Ausgaben Sie auch bei uns im Museumsshop vor Ort erwerben können, existiert seit 1992. Das vorliegende Heft, welches wir aus aktuellem Anlass ausgewählt haben, hat den Themenschwerpunkt „Aufstandsjahr 1953“. von Admin (17.06.2014)

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek ist dieses Mal nicht wie sonst ein Buch, sondern ein Heft. Die Zeitschriftenreihe HORCH UND GUCK, deren Ausgaben Sie auch bei uns im Museumsshop vor Ort erwerben können, existiert seit 1992. Der Titel resultierte aus der  umgangssprachlichen Bezeichnung für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR und stellte auch den anfänglichen thematischen Schwerpunkt der Zeitschrift dar. Inzwischen widmet sie sich einem breiteren Themenspektrum zur SED-Diktatur und zur DDR-Gesellschaft, deren Aufarbeitung sowie damit in Zusammenhang stehenden Gegenwartsthemen.  

 

Das vorliegende Heft, welches wir aus aktuellem Anlass ausgewählt haben, hat den Themenschwerpunkt „Aufstandsjahr 1953“. Denn in den Tagen um den 17. Juni 1953 kam es in der DDR zu einer Welle von Streiks, Demonstrationen und Protesten, die als Aufstand des 17. Juni, auch Volks- oder Arbeiteraufstand in die Geschichte eingingen. Die Ursachen für den Aufstand lagen in der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den politischen Verhältnissen, bedrückende Versorgungsmängel sowie erhebliche und unrealistische Normerhöhungen für die Arbeiter. Die sowjetischen Behörden reagierten auf die Unruhen, indem sie Truppen und Panzer zunächst nach Berlin, zeitversetzt dann auch in die anderen Teile der DDR ausrücken ließ. Aus Furcht vor einem militärischen Angriff auf Zivilisten zerstreuten sich die Streikenden und Demonstrierenden bald, auch wenn es in den darauffolgenden Tagen noch vereinzelt zu Protesten kam.

 

Die DDR-Regierung und damit die staatlich gelenkte Presse und der Rundfunk stritten jede Eigenverursachung der Unruhen vom 17. Juni 1953 vehement ab. Die offizielle Darstellung lautete, die Aufstände seien vom „Westen“ veranlasst und gezielt provoziert. Angeblich wurde „von bezahlten Provokateuren, vom gekauften Abschaum der Westberliner Unterwelt ein Anschlag auf die Freiheit, ein Anschlag auf die Existenz, auf die Arbeitsplätze, auf die Familien unserer Werktätigen versucht“ (Karl-Eduard von Schnitzler, vgl. hier)

 

Der 17. Juni war von 1954 bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 als „Tag der deutschen Einheit“ der Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland.

 

Das Heft „Aufstandsjahr 1953“ enthält zahlreiche Artikel rund um das Thema „Aufstand des 17. Juni“ von diversen anerkannten und z. T. bekannten Historikern, Professoren, Forschern, Theologen, Journalisten und Zeitzeugen. Darunter sind Ilko-Sascha Kowalczuk, Jens Schöne, Günter Fromm, Erhart Neubert, Konstantin Hermann, Armin Mitter, Klaus Larres, Ulrich Pfeil uvm.

 

Begonnen wird das Heft mit einem umfassenden Artikel über den 17. Juni 1953 und seine Folgen. Als nächstes wird die Rolle der Dörfer, also der ländlichen Bevölkerung rund um den Aufstand beleuchtet. Es folgen Artikel über den „Aufstand in Stalinstadt“ sowie über die Kirchengemeinden. Weiter wird unter dem Titel „Vorläufer, Vorbild oder Unbekannte“ analysiert, inwieweit ein Zusammenhang mit dem weniger bekannten Pilsener Aufstand vom 31. Mai 1953 besteht. Ein anderer Artikel beschäftigt sich mit dem „Sowjetischen Desaster in Deutschland: Juni/Juli 1953 in der DDR“.

 

Auch internationale Reaktionen und Sichtweisen werden betrachtet. So zum Beispiel in den Artikeln „Gewaltsame Unordnung: Großbritannien und der 17. Juni 1953“ und „Wie ein Gewitterdonner in einem Sommerhimmel: Frankreich und der 17. Juni 1953“. Außerdem gibt es einen Artikel über Behandlung des 17. Juni in der historischen Literatur: „Vom Volksaufstand zum Arbeiteraufstand: Bundesdeutsche Perspektiven auf den 17. Juni zwischen 1953 und 1989“. Sehr interessant ist auch der Artikel über die propagandistische und verklärte Darstellung des Aufstandes in den Geschichtsbüchern der DDR. Ferner werden über die Richtigkeit der „IM-Zahlen“ diskutiert und von einer „Musizierstunde in Stasi-Haft“ erzählt. Und das ist noch längst nicht alles, was Sie allein in diesem Heft finden.

 

Sie sehen, die Ausgabe „Aufstandsjahr 1953“ von HORCH UND GUCK bietet Unmengen an Informationen und verschiedenen Blickwinkel auf die Geschehnisse rund um den 17. Juni  1953. Wer sich also ein facettenreiches Bild machen möchte, dem möchte ich dieses Heft sehr ans Herz legen.

 

In diesem Sinne schließe mit meines Erachtens sehr treffenden Worten aus dem Vorwort des Heftes: „Je größer der zeitliche Abstand und die kulturelle Entfernung von den im Rückblick archaisch anmutenden Herrschaftssystemen wird, desto gröber werden mitunter die Bilder, die sich davon dartun. Geschichte bleibt aber nur lebendig, spannend und lehrreich, wenn sie facettenreich erzählt wird.“ (vgl. S. 1)

 

Diverse Ausgaben der Zeitschriftenreihe HORCH UND GUCK sind für nur 5,90 € bei uns im Museumsshop erhältlich. Jedes Heft steht unter einem Schwerpunktthema und enthält weiterhin die Rubriken "Lebensläufe", "Themen" und "Aktuell und Kontrovers". Außerdem bietet ein umfangreicher Rezensions-Teil eine Übersicht über themenrelevante Neuerscheinungen.

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