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"Berlin Wall Art" - Kunst an der Berliner Mauer gestern und heute

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek befasst sich mit der bunten Seite eines grauen Bauwerks: Die Berliner Mauerkunst oder auch "Berlin Wall Art". Farben und Graffiti, politische Parolen und knallbunte Bilder verwandelten die starre Mauer in einen lebendigen Teil zeitgenössischer Kunst.
von Admin (14.04.2015)

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek befasst sich mit der bunten Seite eines grauen Bauwerks: Die Berliner Mauerkunst oder auch "Berlin Wall Art". Farben und Graffiti, politische Parolen und knallbunte Bilder verwandelten die starre Mauer in einen lebendigen Teil zeitgenössischer Kunst. Dieses reich bebilderte Buch zeigt viele dieser Kunstwerke, darunter auch Zeitdokumente, die durch das glückliche Ende der Teilung unwiederbringlich verlorengingen.

Neben zahlreichen Abbildungen finden sich in mehreren kurzen Artikeln interessante Informationen über die Entwicklung dieser Kunstform und der Mauer selbst. So fanden sich schon auf den anfangs gemauerten Steinen Sprüche und Parolen, die mit weißer Farbe auf dem grauen Ungetüm dem Zorn Luft machen wollten: "Wie lange noch?" war etwa an der Zimmerstraße in Kreuzberg zu lesen. Immer wieder tauchte "Ulbrichts Schandmauer" in Anspielung auf den damaligen Verantwortlichen des Mauerbaus auf, oft auch einfach die hilflose Frage "Why?".

Ende der 1970er Jahre dann begann die DDR damit, ihre Grenze zu West-Berlin zu perfektionieren und schuf das aus seriengefertigten Betonsegmenten bestehende Konstrukt, das heutzutage jeder mit dem Begriff der "Mauer" verbindet. Damit das unschöne Bauwerk Richtung Westen möglichst harmlos wirkte – wie eine Fabrikmauer: nicht besonders attraktiv, aber notwendig – trugen die Erbauer die Farbe der Unschuld auf den nackten Beton auf. Eine unendlich saubere, weiße Fläche umschloss West-Berlin, die aufmüpfige Zeitgenossen und kreative Köpfe geradezu provozierte.

Mit der Bauweise der Mauer wandelte sich schließlich auch der schöpferische Umgang mit ihr. Verschämte Liebesschwüre tauchten auf - "Rosi, ich denk an Dich!" -, ebenso satirischer Spott. "Vopos nicht füttern" war zu lesen, und neben der Frage "Wie lange noch?" stand in anderer Farbe "Bis Montag!". Hellseherisch schrieb jemand "Durchgang vorübergehend gesperrt!" auf die Mauer. Blödeleien, Weisheiten und Spontisprüche standen wild nebeneinander.

Eines Tages machten sich zwei junge Männer aus Frankreich, Christoph Bouchet und Thierry Noir, im Schutz der Dunkelheit am Potsdamer Platz ans Werk und pinselten schnell und systematisch mit viel Farbe großflächig freche Kobolde an das Symbol des Kalten Krieges. Doch nicht nur am damals menschenleeren Potsdamer Platz entstanden schöpferische Narreteien. Just als die Popkultur sich anschickte, den öffentlichen Raum zu erobern, hatte man ihnen das monotone Ungetüm vor die Nase gesetzt. Junge Künstler der Halbstadt prägten zur gleichen Zeit den Stil der "Neuen Wilden", eine kraftvolle, sehr farbige Malerei mit expressiver Figürlichkeit und Zitaten des noch jungen Graffiti. Für beide Bewegungen war die jungfräuliche Betonwand die perfekte Projektionsfläche. So wurde die Berliner Mauer in den 1980er Jahren zur größten Leinwand der Welt.

Paradoxerweise schützte der Umstand, dass ein schmaler Streifen vor der Mauer rechtlich zum Staatsgebiet der DDR gehörte, die "Grenzverletzer" oder "Sachbeschädiger" vor den Ordnungshütern beider Systeme – tauchten doch DDR-Grenzhüter nur selten auf der Westseite auf. So gedieh ausgerechnet dort uneingeschränkt die Freiheit der Kunst, wo die Freiheit endete.

Neugierig geworden? Dann empfehlen wir einen tieferen Blick in "Berlin Wall Art" aus dem Berliner Jaron Verlag. Und dieser Blick lohnt sich auch für Nicht-Deutschsprechende, denn alle Texte im Buch stehen nebeneinander sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. "Berlin Wall Art" mit der ISBN 978-3-89773-649-8 ist ein sog. Hardcover und für nur 12,95 € sowohl im Museumshop vor Ort, als auch in unserem Online-Shop erhältlich.

Und wer Lust bekommen hat, einmal sein eigenes Graffiti-Kunstwerk an die Mauer zu sprühen, dem können wir dafür seit kurzem einen Besuch im DDR Museum wärmstens empfehlen… ;-)

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