Bautzen II - Sonderhaftanstalt unter MfS-Kontrolle 1956 bis 1989

von Admin (18.03.2014)

Nein, es war nicht alles schlecht in der DDR. Auch wir haben gelacht, gelebt, geliebt. Wir haben uns eingerichtet, hatten unseren ganz eigenen Luxus, der nicht unbedingt am Materiellen gemessen wurde. Viele DDR-Bürger hatten ein schönes, die Glücklichen sogar ein friedliches Leben. Ein Teil dieser Glücklichen scheint allerdings dazu zu neigen, mit Scheuklappen auf den untergegangen Staat zu blicken. Nach dem Motto „Was mir einzelnem Menschen nicht passiert ist, KANN auch keinem anderen der 16.500.000 Bürger passiert sein.“ Logik sucht man in dieser Sichtweise vergeblich. Denn vielen Menschen ist Schlimmes passiert, manches öffentlich, manches im Geheimen.

Das Ministerium für Staatssicherheit hatte eigene Gefängnisse für politische Häftlinge. Eines davon hat sich inzwischen zu einem geflügelten Wort entwickelt. Es lässt schreckliche Erinnerungen in den Köpfen der Inhaftierten aufsteigen. Das heute von mir ausgewählte Buch stellt Bauzen II vor.

Kein anderer Haftort symbolisiert das dunkle Kapitel der politischen Verfolgung und Inhaftierung in der DDR so eindringlich wie Bautzen II. Das intern als „Sonderobjekt für Staatsfeinde“ bezeichnete Haus wurde zwischen 1956 und 1989 vom Ministerium für Staatssicherheit als Hochsicherheitsgefängnis für sogenannte Staatsverbrecher genutzt.“ (vgl. Klappentext).

Das Buch „Bautzen II“ beschäftigt sich intensiv, detailliert und sehr sachlich mit der baulichen Geschichte und den Bedingungen für Häftlinge und Personal in der Sonderhaftanstalt. Die Autoren, Dr. Karl Wilhelm Fricke, geb. 1929, langjähriger Leiter der Ost-West-Abteilung beim Deutschlandfunk und von 1956 bis 1959 selbst in Bautzen II inhaftiert, sowie Silke Klewin, geb. 1967, Historikerin und wissenschaftliche Leiterin der Gedenkstätte Bautzen berufen sich ausschließlich auf „Verfolgtenschicksale und Dokumente des Mfs“ (vgl. S. 6). Das heißt, jede Aussage, jeder Bericht ist beleg- und beweisbar. Biografische Porträts ehemaliger Bautzen-II-Häftlinge, unveröffentlichtes Bildmaterial und interne Dokumente des MfS sowie eine Chronik machen das Werk zu einer umfassenden Gesamtdarstellung der Sonderhaftanstalt.

Nach der Einleitung sind die Hauptkapitel

  • Administrative und bauliche Rahmenbedingungen
  • Personal der Haftanstalt Bautzen II
  • Lebensbedingungen der Strafgefangenen
  • Bautzen II und die Außenwelt
  • Häftlingsbiografien
  • Dokumente
  • Anhang

in zahlreiche Unterkapitel unterteilt. Geschichtsinteressierten, Studenten und jenen, die sich unvoreingenommen mit der Geschichte und den Bedingungen dieser Haftanstalt auseinandersetzen wollen, ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen.

Bautzen II – Sonderhaftanstalt unter MfS-Kontrolle 1956 bis 1989“ liegt in 3. Auflage in unserer Bibliothek vor. Es wurde 2007 im Rahmen der Schriftenreihe der „Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft“ herausgegeben, kostet 15 € und hat die ISBN 978-3-940319-24-1.

 

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