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Aus einem anderen Blickwinkel - der Comic "Kinderland"

Immer mehr rückt die DDR in die Ferne der Vorstellungskraft unserer Generation. Gerade junge Leute versinnbildlichen diese Zeit nur noch aufgrund familiärer Erzählungen und Fotos– doch wie erklärt man Heranwachsenden was die DDR war und wie Menschen die DDR erlebt haben?
von Christina Hahn (28.07.2016)

Immer mehr rückt die DDR in die Ferne der Vorstellungskraft unserer Generation. Gerade junge Leute versinnbildlichen diese Zeit nur noch aufgrund familiärer Erzählungen und Fotos– doch wie erklärt man Heranwachsenden was die DDR war und wie Menschen die DDR erlebt haben?

Eine spielerische und anschauliche Variante Jugendlichen das Leben in der DDR näher zu bringen, bietet der Comic „Kinderland“ vom deutschen Comiczeichner Mawil. Dieses 300 seitige Werk erzählt die Geschichte vom Siebtklässler Mirco Watzke und seinen täglichen Erlebnissen in der DDR. Mit seinen zugespitzten Zeichnungen und einer hohen Dynamik der einzelnen Bilder, schildert er seinen Alltag in der Schule, das Leben als Jungpionier, Bruder und Sohn im Bewusstsein der einen umgebenden Mauer. Als roter Faden durchzieht die Handlung das Tischtennisspiel, Freundschaften, Vorstellungen und die sich damit ergebenen Probleme eines jeden Heranwachsenden.
Ebenso wie damals, ist es schwierig Kindern den Sinn der omnipräsenten Mauer zu erklären – Mawil  beschreibt in einem Interview mit dem Sender arte den Zwiespalt, mit dem er früh lernen musste umzugehen: in der Schule wurde berichtet die Mauer sei „zum Schutz vor faschistischen Aggressoren“(arte, 2014) errichtet worden - wohingegen die Eltern hinter verschlossenen Türen die Meinung vertraten, dass die Mauer gedacht war, um  Menschen am Fliehen zu hindern (siehe: arte 2014, http://info.arte.tv/de/kinderland-der-neue-comic-von-mawil).
Auch der Mauerfall war ein prägendes Ereignis sowohl in Mawils Leben als auch im Leben seines Alter Egos Mirco und wird demzufolge in „Kinderland“ thematisiert.

Durch seinen Witz und den nahbaren Charakter Mirco schafft es Mawil eine Brücke zwischen dem Blick eines Siebtklässlers und den Problemen in der DDR zu schlagen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist dies eine gute Möglichkeit die DDR greifbarer wirken zu lassen und das Interesse für die von Mawils Kinderaugen entsprungene Erinnerung und beschriebene Thematik zu erwecken.

 
Vielen Dank an Reprodukt und Mawil für das zur Verfügung stellen des Bildes!

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