This ain't California – Ein Kinofilm über Rollbrettfahrer in der DDR

Skateboardfahren und die DDR – das passt irgendwie nicht zusammen, könnte man denken. Skaten kommt doch aus Amerika, das hört sich so nach Kalifornien an. Aber es gab sie tatsächlich: eine Skaterszene mit selbstgebauten Boards, improvisierten Ersatzteilen und jeder Menge Drang nach Freiheit. So erzählt es der Regisseur Marten Persiel in seiner dokumentarischen Erzählung „This ain't California". von Melanie Alperstaedt (06.08.2012)

Skateboardfahren und die DDR – das passt irgendwie nicht zusammen, könnte man denken. Skaten kommt doch aus Amerika, das hört sich so nach Kalifornien an. Aber es gab sie tatsächlich: eine Skaterszene mit selbstgebauten Boards, improvisierten Ersatzteilen und jeder Menge Drang nach Freiheit. So erzählt es der Regisseur Marten Persiel in seiner dokumentarischen Erzählung „This ain't California". Persiel gibt einen beeindruckenden und sehr unterhaltsamen Einblick in die Welt der jungen Leute, die sich Ende der 1980er Jahre am Alexanderplatz getroffen und die Welt aus Beton um sie herum zu ihrem Spielplatz gemacht haben. Der Tod einers Skaters, genannt „Panik", hat einige Mitglieder der Szene dazu veranlasst, sich über 20 Jahre nach der Wende wieder zu treffen und ihre Geschichte zu erzählen.

Die mittlerweile 40-Jährigen sitzen gemeinsam am Feuer und lassen ihre Jugend mithilfe von Super-8-Aufnahmen, Fotos und Zeichnungen wieder auferstehen. Sie berichten davon, wie man in der DDR überhaupt dazu kam Skateboard zu fahren, wie sich die Szene in Ost-Berlin und anderen größeren Städten entwickelte und welche Probleme es gab. Der von der Regierung als „Rollbrettfahren" bezeichnete Skate-Sport wurde einerseits vom MfS kritisch beobachtet, andererseits versuchten die Funktionäre, die Skater für sich und für ihre Zwecke zu gewinnen. Man wollte an internationalen Skatewettbewerben teilnehmen und den Ruf der DDR als Sportnation unterstreichen. Dabei war ihr Sport für die Skater gerade ein Gegenentwurf zum Wettbewerb. Statt zu testen, wer mit dem Brett höher springen kann, half man sich gegenseitig, die neuesten Tricks zu lernen.

Der Film schafft eine tolle Atmosphäre und versetzt den Zuschauer auch Dank der zahlreichen Videoaufnahmen in die 1980er Jahre in Ost-Berlin. Man kann die Stimmung der jungen Leute, die einfach nur frei sein wollten, regelrecht selbst spüren. Nur leider hat der Film ein Problem:
Bedauerlicherweise sind weder die nachgestellten Szenen noch die Originalaufnahmen als solche gekennzeichnet. Erst auf Nachfrage haben die Macher von „This ain't Califonia" verlauten lassen, dass Szenen heute gedreht und so bearbeitet wurden, dass sie alt aussehen. Bei den angeblichen Szenemitgliedern handelt es sich um Schauspieler und ob es einen Skater namens „Panik", so wie er im Film dargestellt wird, überhaupt gab, ist unklar. Sicherlich arbeiten moderne Dokumentationen oft mit dem Mittel der nachgestellten Szene, allerdings sollten diese gekennzeichnet werden. Der Zuschauer sieht „This ain't California" und weiß nicht, welche Szenen original sind und welche nicht und muss sich letztendlich fragen: Gab es in der DDR überhaupt Skater? Einen Beweis dafür liefert der Film nicht.

Weitere Informationen zum Film gibt es hier. Das Bild ist von Harald Schmitt.

Autorin: Tina Strauch

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