Advent, Advent ...

Alle Jahre wieder wird es auch in unserer Ausstellung weihnachtlich. In ein paar Vitrinen sind Räuchermännchen, Lametta und Baumkerzen zu finden. Und im Wohnzimmer steht ein kleiner Weihnachtsbaum :)
von Admin (30.11.2012)

Alle Jahre wieder wird es auch in unserer Ausstellung weihnachtlich. In ein paar Vitrinen sind Räuchermännchen, Lametta und Baumkerzen zu finden. Und im Wohnzimmer steht ein kleiner Weihnachtsbaum :)

Dr. Stefan Wolle, unser wiss. Leiter, hat einen kurzen Text verfasst, der sich rund um Weihnachten in der DDR dreht:

Um die am häufigsten gestellte Frage gleich zu beantworten: die Bezeichnung „geflügelte Jahresendfigur" für den Weihnachtsengel, ist eine Erfindung der satirischen Zeitschrift „Eulenspiegel". Doch die Geschichte ist zu schön, um jemals auszusterben. Zudem verweist sie tatsächlich auf das gestörte Verhältnis der SED zum christlichen Festkreis des Jahres. In den frühen fünfziger Jahren galt es unter überzeugten Genossen als reaktionär, Weihnachten zu feiern. Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 wurde der Weihnachtsmann jedoch in aller Form rehabilitiert. Die Führung vermied von nun an den offenen Kirchenkampf und setzte - nicht ohne Erfolge - auf die langfristig wirksame „Entkirchlichung", wie sie in allen modernen Gesellschaften existiert. Im Dezember 1953 erschien die erste Nummer der „Wochenpost" mit einem Weihnachtsbaum auf dem Titelblatt. Trotzdem wurde weiter versucht, Weihnachten durch das sowjetische Jolkafest zu ersetzen oder wenigstens zu ergänzen. Das Bäumchen (Jolka) trug einen roten Stern und statt des Weihnachtsmanns brachten Väterchen Frost und Schneeflöckchen die Geschenke. Zudem wurde der religiöse Inhalt der Feier bewusst „vergessen". Die Begriffe „Christkind" oder „Heiliger Abend" wurden vermieden. In den Zeitungen war vom „Fest des Friedens" die Rede. Gelegentlich verwies man auf die heidnischen Wurzeln der Feier zur Wintersonnenwende, und pflegte wie schon in der Nazizeit das Julklappfest. In späteren Jahren machten der Parteiführung eher die Konsumansprüche der Bürger Sorgen als der ideologische Einfluss der Kirche. Kakaoprodukte und Südfrüchte kosteten Devisen und fast alles andere war sehr zum Ärger der Kunden auch knapp. Denn Weihnachten war in der DDR - wie auch im Westen - ganz ohne Zutun atheistischer Kampagnen zur hemmungslosen Konsumorgie geworden. Deswegen gab es die Weisung, in der Werbung und in den Medien Weihnachten eher niedrig zu hängen. Doch weder von dieser Art der Negativwerbung noch von ideologischen Bedenken ließen sich die DDR-Bürger „das Fest" vermiesen. Man sammelte Süßigkeiten und Geschenke schon seit dem Sommer, fror eine Gans in der Tiefkühltruhe ein und holte den Baum vom Förster aus dem Wald. Vielleicht war es deswegen besonders schön wenn am 24. Dezember die Lichter am Baum glänzten und der Stress vorbei war.



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