25 Jahre friedliche Revolution: Mauerstücke, Zeitzeugen und spannende Gespräche im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

von Melanie Alperstaedt (05.11.2014)

„Das tritt nach meiner Kenntnis…ist das sofort, unverzüglich.“ Ein Satz von Günter Schabowski, live während einer Pressekonferenz im DDR-Fernsehen übertragen. Der Regierungsvertreter sprach eher beiläufig über eine neue Reiseregelung, durch die Privatreisen ins Ausland ohne bestimmte Voraussetzungen beantragt werden könnten. Die historische Nachfrage eines Journalisten, Peter Brinkmann, nach dem Inkrafttreten der Regelung führt zu der zitierten Antwort. In den nächsten Stunden sollte passieren, was für zahllose Menschen einer der emotionalsten und wichtigsten Momente Ihres Lebens waren: Die Mauer fiel. Tausende sammelten sich an den Grenzübergängen, Spannung lag in der Luft. In der Bornholmer Straße begann die Freiheit, bis Mitternacht waren alle Grenzübergänge offen.

Anfang dieser Woche lud das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ein, den Höhepunkt der friedlichen Revolution zu feiern. Warum ausgerechnet dieses Ministerium? Im heutigen Dienstgebäude befand sich das Internationale Pressezentrum der DDR, in dem die folgenreiche Pressekonferenz stattfand. Das war jedoch nicht der einzige Grund, weshalb ich gern aus dem Grußwort von Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, zitieren möchte: „ Für uns als Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz geht es aber auch um ein Stück historische Verantwortung. Die Justiz war in der DDR ein Teil des staatlichen Unterdrückungs-Apparates. (…) Das Bundesjustizministerium hat deshalb früh begonnen, die Funktion der Justiz in der DDR und das Leid, das sie angerichtet hat, aufzuarbeiten.“

Als DDR Museum wurden wir vom Ministerium gefragt,  ob wir ihnen nicht für diesen Abend unsere Mauerteile leihen würden. Wir machen das bisher nicht oft, aber warum nicht?! Der Sammlungsleiter organisierte den Transport und ich war schon stolz, unsere Mauersegmente nicht im Archiv sondern mitten in der Stadt auf einem Bürgersteig zu sehen. War ich doch damals vor Jahren beim ersten Transport  mit dabei, was aufgrund des Gewichtes der Segmente  ein recht großer Aufwand war. Jahre habe ich die Mauerstücke nicht wiedergesehen und dann stehen Sie, perfekt angeleuchtet, in der Mohrenstraße.  

Eine Delegation des DDR Museums war natürlich auch eingeladen und so konnte ich mir nicht nur die repräsentativen Mauersegmente ansehen, sondern auch Zeitzeugen lauschen. So trat zum Beispiel Christian „Kuno“ Kunert auf, Musiker und Liedermacher sowie ehemaliges Mitglied der 1975 verbotenen „Renft Combo“. Er spielte einige Lieder und berichtete zusätzlich aus seinem Leben in der DDR. Die Liste der interessanten Gäste war wirklich lang, als weitere Beispiele möchte ich Dr. Klaus Kinkel, Katrin Hattenhauer oder Edda Schönherz nennen. Besonders spannend fand ich jedoch die Berichte der Journalisten, die damals an der Pressekonferenz 1989 teilgenommen hatten (Peter Brinkmann) oder direkt am Grenzübergang Bornholmer Straße waren (Georg Mascolo), und zur richtigen Zeit am richtigen Ort Bilder festhielten, die sogar zum UNESCO Welterbe erklärt worden sind.

Im Anschluss des Abends hatte man dann noch die Möglichkeit, mit den Zeitzeugen persönlich ins Gespräch zu kommen. Ich finde, es war ein gelungener Abend, welcher der Bedeutung der Erinnerung an die Friedliche Revolution mehr als gerecht wurde.

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