Kein Ort in Berlin hat in den letzten Jahrzehnten so radikale Umbrüche und Neubewertungen erfahren und war derart historisch und ideologisch aufgeladen wie das Areal, auf dem der Palast der Republik stand. Der Palast wurde zum Politikum, weil viele Menschen das Ende der DDR als ein Scheitern ihrer Utopie empfanden oder ihre bisherige Lebensleistung infrage gestellt sahen. Für die meisten war es eine Wende in ihrem persönlichen Leben, und der Palast stand dabei stellvertretend für die schönen Erinnerungen an den »Arbeiter-und-Bauern-Staat«. Die Palast-Schloss-Debatte bildete eine der Grundlagen für die Sonderausstellung zum Palast der Republik, welche vom 23. September 2020 bis zum 18. April 2022 im DDR Museum zu sehen war. Die Sonderausstellung ging damit über die Architektur und den Betrieb zu DDR-Zeiten hinaus und widmete sich auch der Zeit ab 1990, also der Asbestsanierung, der Zwischennutzung, dem Rückbau und der Nachwirkung bis heute. Sie wurde zum Bogenschlag vom alten Schloss zum neuen Schloss mit der Palast-Schließung am 19. September 1990 als Markstein in der Mitte. Es gab also ein Davor und ein Danach.
Davon zeugte auch das Graffito »Die DDR hat’s nie gegeben«, welches im Jahr 2008 an einer Ufermauer neben den Fundamentresten des frisch abgerissenen Palastes und vor dem ehemaligen Staatsratsgebäude auftauchte. Die ironische Anspielung auf die für viele als »besenrein« empfundene Übergabe der DDR an die Bundesrepublik wurde ein tausendfach fotografiertes Motiv, das auch die Übergänge bis zur Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Stadtschloss an gleicher Stelle widerspiegelt.
Dem Umgang mit der sozialistischen Vergangenheit am Beispiel des Palastes ging der Erzählstrang um die Erbauung des Palastes unter der Leitung des Chefarchitekten Heinz Graffunder voraus, der auf dem Foto unter der Gläsernen Blume, einem Herzstück des Palastes, zu sehen ist. Das 1976 eröffnete Bauwerk sollte anstelle des 1950 gesprengten Schlosses der Hohenzollern die DDR repräsentieren. Es war mit der Volkskammer ein Zentrum der Staatsmacht, gleichzeitig aber bis zu seiner Schließung auch ein echter Palast des Volkes und damit ein kultureller Anker für die DDR-Bevölkerung.
Am 27. März 1973 fiel im Politbüro der SED die Entscheidung für das Projekt Palast der Republik. Am 13. August 1973 begannen die Tiefbau-Arbeiten und bereits am 2. November 1973 legte Erich Honecker den Grundstein für das Gebäude. Die gesamte Bauwirtschaft der DDR war auf den Palast fokussiert. Selbst Projekte des Wohnungsbaus hatten zurückzustehen. Auch Pioniereinheiten der Armee kamen zum Einsatz, um den Bau fristgerecht fertigzustellen, was trotz des engen Zeitplans gelang. Immerhin hatte die DDR mit dem Palast trotz Planwirtschaft bewiesen, dass solch ein Gebäude in drei Jahren errichtet werden kann.
In den getönten Glasscheiben der Nordfassade des Palastes spiegelte sich eindrucksvoll der Berliner Dom. Das war ein beliebtes und symbolträchtiges Fotomotiv, hier 1988 aufgenommen. Zwar war der kriegsbeschädigte Dom wie alles Kirchliche der SED ein Dorn im Auge, doch ein Abriss war aus politischen Gründen nicht durchführbar. So akzeptierte die SED-Führung den 1975 beginnenden Wiederaufbau des Doms, der im Rahmen des westlich finanzierten Kirchenbauprogramms stattfand und erst 1993 abgeschlossen wurde. Auch der Witz nahm sich des Themas an: Der Papst kommt nach Ost-Berlin, besucht den immer noch halbzerstörten Dom, meint aber anerkennend: »Das Pfarrhaus nebenan ist schon ganz gut«.
Nach der Asbestsanierung begann im Juli 2003 ein zweites Leben des Palastes. Der ausgeweidete Bau aus Glas, Stahl und Beton zeigte sich als ein Erlebnisraum mit ungewöhnlicher Wirkung. Hier fanden Führungen, Musikveranstaltungen, Ausstellungen, Konferenzen und Theateraufführungen statt. Auch in dieser Phase war der Palast eine Art Metapher für eine erträumte DDR. Die kleine Brosche von Susanne Schmitt stellt die Halterung für das inzwischen demontierte DDR-Wappen dar – ein Symbol für eine DDR ohne SED-Diktatur. Im Februar 2006 begann dann auf Beschluss des Bundestages trotz aller Proteste der endgültige Abriss des Palastes.