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Kombiführung »Partei und Staat«: Auf den Spuren der Macht

Wer bestimmte in der DDR über politische Entscheidungen – und wer setzte sie um? Die Kombiführung »Partei und Staat« im DDR Museum sowie im Stadtraum zeigt die enge Verbindung von SED und Staatsapparat. von Dr. Liza Soutschek (09.03.2026)

Erster Teil: Ausstellung im DDR Museum

Die Führung beginnt im DDR Museum in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen politischen Zentrum Ost-Berlins. Eine Stunde lang erkunden Besucher*innen gemeinsam mit einem Guide die interaktive Dauerausstellung. Im Mittelpunkt steht die Struktur des staatlichen Systems der DDR. Zahlreiche Exponate und Installationen geben Einblick in das institutionelle Machtgefüge.

Ein Highlight ist dabei ein Originalschreibtisch aus dem Büro eines Funktionärs. Die charakteristische T-Anordnung des Tisches veranschaulicht das hierarchisch organisierte Prinzip des sozialistischen Staates: Entscheidungen wurden von oben nach unten weitergereicht, individuelle Verantwortung war kaum vorgesehen. Eine digitale Anwendung bietet weiterführende Informationen zur Staatspartei SED, während die Klassiker des Marxismus-Leninismus über der Szene wachen.

Personen interagieren am Parteitisch in der Ausstellung des DDR Museum in Berlin

Zweiter Teil: Stadtrundgang durch Ost-Berlin

Im Anschluss führt der Rundgang zu Orten politischer Macht in der ehemaligen DDR-Hauptstadt. Erste Station ist das Marx-Engels-Forum mit seinen überlebensgroßen Denkmälern. Hier lassen sich nicht nur die ideologischen Grundlagen der DDR veranschaulichen, sondern auch insbesondere deren bauliche Manifestationen im Stadtraum verdeutlichen.

Weiter geht es zum ehemaligen Staatsratsgebäude. Der Staatsrat war nach dem Tod von Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen DDR-Präsidenten, das kollektive Staatsoberhaupt der DDR. Vorsitzende wie Walter Ulbricht und Erich Honecker hielten gleichzeitig die Fäden in der SED in ihren Händen. Obwohl der Staatsrat kaum tatsächliche Macht ausübte, war sein Sitz von symbolischer Bedeutung.

Das Gebäude mit der prominenten Adresse am Marx-Engels-Platz entstand Anfang der 1960er-Jahre im Stil der Ostmoderne als erster Regierungsneubau Ost-Berlins. In die Fassade wurde dabei ein Portal des im Jahr 1950 gesprengten Berliner Schlosses eingebaut – nicht aus Nostalgie, sondern zur Erinnerung an Karl Liebknechts Ausrufung der Republik 1918 an eben jenem Ort.

Das wiedererbaute Berliner Schloss, in dem heute das Humboldt Forum untergebracht ist, ist der nächste Halt des Rundgangs. Dieses befindet sich an der Stelle, wo früher der Palast der Republik stand, ein markantes Symbol der DDR. In der Ausstellung des DDR Museum ist ein Modell des Gebäudes zu sehen, ergänzt durch Informationen zur kontroversen Debatte um Abriss und Schlossrekonstruktion.

Vor Ort lässt sich insbesondere die Funktion der Volkskammer nachvollziehen, die mehrmals pro Jahr im Palast tagte. Zwar handelte es sich formal um das Parlament der DDR, faktisch war es jedoch ein reines Abnick-Gremium. Wahlergebnisse standen vorab fest, echte Mitsprache war im »Scheinparlament« ausgeschlossen. Der Palast der Republik war damit Bühne staatlicher Repräsentation, nicht aber Ort politischer Gestaltung.

Nahaufnahme eines Modells des Palastes der Republik mit dem Staatssymbol der DDR über den Eingängen

Zentrale der Macht: Das Haus am Werderschen Markt

Der Rundgang endet am heutigen Auswärtigen Amt, dem früheren Sitz des Zentralkomitees der SED. Hier, im sogenannten Haus am Werderschen Markt, befand sich das wirkliche Machtzentrum der DDR. Das Politbüro – ein kleiner Kreis von Funktionären, bis zum Ende der DDR waren es ausschließlich Männer – tagte wöchentlich, genau wie das Sekretariat des ZK, das Parteientscheidungen vorbereitete und umsetzte. Hier befand sich die eigentliche Schaltzentrale der Macht, weitestgehend verborgen vor der Öffentlichkeit. Nach der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl im März 1990 zogen übrigens die neugewählten Abgeordneten in dieses Gebäude ein, das kurzzeitig als Haus der Parlamentarier genutzt wurde.

Die Kombiführung »Partei und Staat« richtet sich an alle, die die politischen Strukturen der DDR nicht nur verstehen, sondern auch im Stadtraum nachvollziehen möchten. Die Besichtigung historischer Orte macht deutlich, dass die staatlichen Institutionen der DDR oft nur repräsentativen Charakter hatten. Die entscheidende Macht im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat lag bei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands als Staatspartei der DDR.

Neugierig geworden? Dann einfach die Kombiführung »Partei und Staat« direkt buchen oder die Fragen an unsere Besucherbetreuung richten. Gerne telefonisch unter 030-847 123 73 – 32 oder per Mail an besucherbetreuung@ddr-museum.de.

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