Am 3. Oktober 1990, um 00:00 Uhr wurde vor dem Reichstagsgebäude in Berlin in einer feierlichen Zeremonie die schwarz-rot-goldene Flagge der Deutschen Einheit gehisst. Die DDR war damit Geschichte und mit ihr ihre Staatssymbole. Viele Zeichen der SED-Herrschaft waren bereits in den Wochen und Monaten zuvor aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Das Bild von Sperrmüllcontainern, in denen nicht nur Hammer und Zirkel landeten, war allgegenwärtig und bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung.
Einige dieser Objekte tauchten kurze Zeit später auf Flohmärkten wieder auf und wurden für wenige D-Mark verkauft. Von dort gelangten sie nicht selten in Museumssammlungen – als materielle Zeugnisse eines untergegangenen Staates. Die Sonderausstellung »Ein Land im Container«, die überwiegend Objekte aus dem dritten Sammlungsband »DDR in Objekten 1949–1990. Arbeit, Wirtschaft, Politik« des DDR Museum zeigt, folgt den verschlungenen Wegen der entsorgten DDR-Staatssymbole.
Bereits um den 9. November 1989 war der politische Umbruch deutlich sichtbar. Aufmerksame Beobachter*innen bemerkten die leeren Revers vieler Funktionär*innen: Insbesondere die SED-Embleme wurden abgelegt und verschwanden in den Schubladen. Auch das restliche sogenannte »Ordensblech«, das trotz massenhafter Verleihung in der DDR seinen Träger*innen einen gewissen Glanz verliehen hatte, verlor schnell seine ursprüngliche Bedeutung. Die Abzeichen und Auszeichnungen des »Arbeiter- und Bauernstaates« lagen nun als Ramschware bei findigen Straßenhändler*innen aus.
Zum Souvenir wurde auch ein besonders eindrückliches Sinnbild der SED-Diktatur. Die innerdeutsche Grenze und die Berliner Mauer standen jahrzehntelang nicht nur symbolisch für die deutsche Teilung, sondern als Teil der tödlichsten Grenze Europas, des »Eisernen Vorhangs«, auch für die Teilung der Welt in verfeindete Blöcke. Nach dem 9. November 1989 wandelte sich dies rasch: Die sogenannten »Mauerspechte« schlugen mit Hammer und Meißel Stücke aus der Betonwand, Besucher*innen aus aller Welt nahmen kleine Fragmente als Erinnerungsstücke mit. Heute stehen die verbliebenen Reste der Berliner Mauer unter Denkmalschutz und sind Teil der gegenwärtigen Erinnerungskultur.
Noch im Übergangsjahr 1990 entstanden zahlreiche kreative Übergangslösungen im Umgang mit den DDR-Staatssymbolen. Ein Objekt aus der Sammlung des DDR Museum verdeutlicht diesen Prozess besonders anschaulich. Die NVA-Offiziersmütze der Grenztruppen entspricht in Form und Gestaltung den damaligen Vorschriften, trägt jedoch eine schwarz-rot-goldene Kokarde ohne DDR-Emblem. Auf Anordnung wurde diese Änderung zum 20. Juli 1990 eingeführt. Der politische Wandel war damit unmittelbar sichtbar.
Ein weiteres eindrückliches Beispiel dafür ist das Staatswappen am Palast der Republik. Bereits im Juni 1990 beschloss die erste und letzte frei gewählte Volkskammer, Hammer, Zirkel und Ährenkranz an der Fassade zu entfernen. Einer der Palast-Architekten, Dieter Bankert, rettete ein kleines Detail – ein Korn aus dem Ährenkranz – als Erinnerungsstück und übergab es später dem DDR Museum.
Neben solchen prominenten Fällen gab es zahlreiche alltägliche Veränderungen. Mit einfachen Mitteln trennten etwa viele Menschen das DDR-Staatswappen aus den alten Flaggen. Übrig blieben schwarz-rot-goldene Fahnen als Ausdruck eines neuen Patriotismus für ein vereintes Deutschland, die insbesondere auf den Demonstrationen nach dem 9. November 1989 getragen wurden.
Doch nicht alles verschwand spurlos oder widerspruchslos. Die Umgestaltung des öffentlichen Raumes führte in den 1990er-Jahren zu intensiven Diskussionen. Besonders DDR-Straßennamen, die neben antifaschistischen Widerstandskämpfer*innen vor allem auch an die SED-Führungsriege erinnerten, erschienen vielerorts nicht mehr zeitgemäß. In vielen Fällen erhielten Straßen ihre früheren Namen zurück, etwa die Ost-Berliner Leninallee, die wieder zur Landsberger Allee wurde. Dabei spielte auch die historische Bewertung der Namenspatrone eine Rolle. Das Marx-Engels-Forum etwa durfte seinen Namen behalten.
Auch Denkmäler waren Gegenstand von emotionalen Auseinandersetzungen. So wurde das Lenin-Denkmal am heutigen Platz der Vereinten Nationen 1991 abgebaut. Andere Denkmäler blieben bestehen, wobei die Empfehlungen von eingesetzten Kommissionen teils zu heftigen Reaktionen führten. Vor allem Thälmann-Denkmäler sind bis heute im Osten Deutschlands präsent, beispielsweise das Thälmann-Denkmal im Berliner Prenzlauer Berg. Im Privaten wiederum konnte jeder selbst entscheiden, ob der Marx-Kopf weiterhin seinen Platz in der Schrankwand behalten durfte oder in die hinteren Reihen wandern musste.
Der Einigungsvertrag von 1990 regelte schließlich den Übergang der DDR in das politische und wirtschaftliche System der Bundesrepublik Deutschland. Die meisten Institutionen, Gesetze und Strukturen wurden aus dem Westen übernommen. Nur wenige Elemente aus der DDR fanden Eingang in den gesamtdeutschen Alltag. Ein bekanntes Beispiel ist der Grünpfeil, der das Rechtsabbiegen bei roter Ampel erlaubt.
Die Nachgeschichte der DDR-Staatssymbole erzählt damit nicht nur von der Entsorgung, sondern auch von der fortwährenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Sonderausstellung basiert überwiegend auf Objekten des dritten Bandes der Reihe »DDR in Objekten«, der die Sammlung des DDR Museum zu den Themen Staat, Ideologie und Politik bündelt. Sie rückt diese Exponate mit ihrer Fragestellung in ein neues Licht und stellt die Transformationszeit nach 1989/90 in den Mittelpunkt.
Der narrative Bogen reicht vom abrupten Abbau und der Entwertung der Symbole vor und unmittelbar nach der Deutschen Einheit über die oftmals improvisierte Sicherung bis hin zu ihrer musealen oder kulturellen Wiederkehr in den folgenden Jahrzehnten. Zugleich wird gefragt, welche Spuren der DDR im heutigen Stadtbild sichtbar geblieben sind und wie diese materielle Hinterlassenschaft die Erinnerungskultur prägt: Was wurde bewusst erhalten, was unbeabsichtigt übersehen, was kontrovers diskutiert oder wiederentdeckt?
Die Ausstellung lädt Besucher*innen dazu ein, diese Entwicklungen zu reflektieren. Sie eröffnet Perspektiven auf die Ambivalenzen und Brüche im Umgang mit den Symbolen eines verschwundenen Staates und regt dazu an, Fragen an die heutige Erinnerungskultur zur DDR zu stellen.