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Das Soho House Berlin - Das längst vergessene »Haus der Einheit«

Der Blogbeitrag blickt auf die wechselvolle Geschichte des heutigen Soho House Berlin von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit. von Dr. Liza Soutschek (05.08.2026)

An der Ecke Torstraße und Prenzlauer Allee steht ein markantes Gebäude, das heute als Soho House Berlin bekannt ist. Der denkmalgeschützte Bau beherbergt einen privaten Club mit Hotelbetrieb, Gastronomie und Veranstaltungsräumen. 2010 eröffnete hier der erste europäische Standort des internationalen Soho-House-Netzwerks.

Auf den ersten Blick erinnert wenig daran, dass das Gebäude auf eine Geschichte zurückblickt, die eng mit den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Bevor hier ein exklusiver Privatclub einzog, befanden sich an diesem Ort ein jüdisches Kaufhaus, die zentrale Institution der Hitlerjugend und schließlich das anfängliche Machtzentrum der SED. Besonders in der Nachkriegszeit wurde das Gebäude als »Haus der Einheit« zu einem bedeutenden Ort der DDR-Parteigeschichte.

Blick auf das ehemalige Haus der Einheit an der Torstraße, heute Soho House Berlin, mit seiner markanten abgerundeten Fassade.

Vom Kreditkaufhaus zum NS-Ort

Errichtet wurde das Gebäude in den Jahren 1928 und 1929 nach Plänen der Architekten Gustav Bauer und Siegfried Friedländer. Die jüdischen Kaufleute Hermann Golluber und Hugo Halle ließen hier das Kreditkaufhaus Jonass bauen. Der Bau entstand im Stil der Neuen Sachlichkeit und verfügte über eine für die damalige Zeit ungewöhnlich große Nutzfläche von rund 15.000 Quadratmetern.

Das Geschäftsmodell des Kaufhauses beruhte auf dem Ratenkauf. Kund*innen konnten Waren nach einer Anzahlung in mehreren Raten bezahlen. Damit richtete sich das Kaufhaus insbesondere an Menschen mit geringerem Einkommen aus der umliegenden Bevölkerung. Das Konzept machte Jonass zu einem frühen Beispiel für den modernen Konsum auf Kredit.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderten sich die Bedingungen für die jüdischen Eigentümer grundlegend. Im Zuge der nationalsozialistischen »Arisierung« verloren Golluber und Halle ihr Unternehmen. Das Gebäude wurde anschließend von nationalsozialistischen Organisationen genutzt. Ab 1942 befand sich hier die Zentrale des Reichsjugendführers der NSDAP, von der aus die Hitlerjugend organisiert und verwaltet wurde. 

Das »Haus der Einheit« in der DDR

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Diktatur wurde das Gebäude zunächst von den sowjetischen Besatzungsbehörden übernommen. 1946 wurde es zum Sitz der Parteiführung der neu gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der SED. Das Gebäude erhielt den Namen »Haus der Einheit«, der sich euphemistisch auf den Zwangszusammenschluss der Kommunistischen und der Sozialdemokratischen Partei bezog.

Hier arbeiteten unter anderem Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl. Pieck wurde 1949 erster und einziger Präsident der DDR. Grotewohl übernahm im selben Jahr das Amt des Ministerpräsidenten. Das Gebäude war damit in den ersten Jahren der DDR ein zentraler Ort politischer Entscheidungen und der Parteiarbeit. Im »Haus der Einheit« wurde die SED nach dem Vorbild der Kommunistischen Partei der Sowjetunion organisiert. Dies ging einher mit der Durchsetzung des stalinistischen Parteimodells, innerparteilichen Säuberungen und der Verfolgung politischer Gegner. Auch politisch begründete Todesurteile gegen Regimegegner wurden von der SED-Führung angeordnet. Die Entwicklung hin zum »beschleunigten Aufbau des Sozialismus« verschärfte zudem die wirtschaftlichen und sozialen Probleme in der DDR.

Eine besondere Bedeutung erhielt das Gebäude während des Volksaufstands vom 17. Juni 1953. Neben dem »Haus der Ministerien« gehörte das »Haus der Einheit« zu den Orten, an denen sich Demonstrant*innen versammelten. Das Gebäude stand damit unmittelbar im Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen der SED-Führung und Teilen der Bevölkerung.

Vom Machtzentrum zum Parteiarchiv

1959 verlegte das Zentralkomitee der SED seinen Sitz an den Werderschen Markt. Im ehemaligen »Haus der Einheit« hatte anschließend das Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED seinen Sitz. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die wissenschaftliche und propagandistische Aufarbeitung der Geschichte der Arbeiterbewegung aus Sicht der SED. Dem Institut war außerdem das Zentrale Parteiarchiv angeschlossen. 

Vom Leerstand zum heutigen Soho House

Nach dem Ende der DDR verlor das Gebäude seine bisherige Funktion. Ab 1995 stand es zunächst leer. 2007 erwarb die deutsch-britische Investorengruppe Cresco Capital das Haus für rund neun Millionen Euro. Anschließend wurde der denkmalgeschützte Bau umfassend saniert und für eine neue Nutzung umgebaut.

2010 eröffnete das Soho House Berlin. Bei der Sanierung wurden zahlreiche Elemente des historischen Gebäudes erhalten. Dazu gehört auch das ehemalige Büro von Wilhelm Pieck, das allerdings nicht öffentlich zugänglich ist. Heute erinnert vor dem Gebäude eine Stele an die wechselvolle Geschichte des Ortes.

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