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Die DDR und der Warschauer Pakt – vereint unbesiegbar

Der Warschauer Pakt war das zentrale militärische Bündnis sozialistischer Staaten in Europa während des Kalten Krieges. Gegründet 1955 als Reaktion auf die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO, prägte er maßgeblich die sicherheitspolitische Ausrichtung der DDR. von Dr. Liza Soutschek (28.08.2025)

Der Warschauer Pakt als Antwort auf die NATO

Am 14. Mai 1955 unterzeichneten Vertreter von acht sozialistischen Staaten in der polnischen Hauptstadt Warschau den »Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand«. Für die DDR setzte der damalige Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, seine Unterschrift unter das Dokument. Mitglieder des damit neu gegründeten Warschauer Pakts waren die Sowjetunion, die DDR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien. 

Die Gründung des Militärbündnisses war eine direkte Reaktion auf die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und deren Beitritt zur NATO am 9. Mai 1955. Der Warschauer Pakt verstand sich als Verteidigungsbündnis gegenüber der wahrgenommenen Bedrohung aus dem Westen. Tatsächlich standen sich die beiden Blöcke bis zum Ende des Kalten Krieges unversöhnlich gegenüber. Die allgegenwärtige Gefahr einer atomaren Eskalation, wie sie auch in der Dauerausstellung des DDR Museum thematisiert wird, begleitete diese Konfrontation.

Abbildung des Buchcovers von »vereint unbesiegbar« mit zwei Soldaten, die sich die Hand geben

Die Nationale Volksarmee (NVA) als Bestandteil des Warschauer Pakts

Für die DDR bedeutete die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt eine tiefgreifende militärische, politische und gesellschaftliche Einbindung in das sozialistische Bündnissystem. Die Nationale Volksarmee (NVA), gegründet im Jahr 1956, wurde nach sowjetischem Vorbild als integraler Bestandteil des Pakts aufgebaut. Die Sowjetunion beanspruchte dabei eine unangefochtene Vormachtstellung innerhalb des Bündnisses.

Zum 20. Jahrestag der Gründung der NVA erschien 1976 im Militärverlag der DDR der Bildband »Vereint unbesiegbar. Die Nationale Volksarmee der DDR – untrennbarer Bestandteil der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages«. Darin heißt es: »Die Söhne unseres Volkes im Ehrenkleid der NVA schützen in enger Kampfgemeinschaft mit der Sowjetarmee und den anderen Bruderarmeen die Errungenschaften des sozialistischen Aufbaus.«

Unter Beteiligung der »Bruderarmeen« fanden regelmäßig Großmanöver auf dem Gebiet der Mitgliedstaaten statt. Sie dienten nicht nur der Verbesserung der Einsatzfähigkeit, sondern hatten auch eine demonstrative Funktion gegenüber der NATO. Auch die DDR war Austragungsort solcher militärischen Übungen.

Der beim Manöver »Waffenbrüderschaft 80« zum 25-jährigen Bestehen des Warschauer Pakts eingesetzte Sprachführer mit Redewendungen und militärischen Bezeichnungen aus der Sammlung des DDR Museum veranschaulicht die praktischen Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen den sozialistischen Bruderstaaten.

Abbildung des Buchs Sprachführer der Waffenbrüder mit Leseprobe und Cover

Ein Militärbündnis für den Frieden?

In der offiziellen Propaganda wurde der Warschauer Pakt stets als »Bollwerk des Friedens und des Sozialismus« dargestellt. Er galt als Gegenmodell zur »aggressiven« NATO, die in der staatlichen Kommunikation der DDR regelmäßig als »Kriegstreiberin« angeprangert wurde.

In dieses Bild reihte sich auch die gemeinsame Erklärung der Warschauer-Vertragsstaaten zum Mauerbau 1961 ein. Die militärische Absicherung der Grenze zu West-Berlin wurde als Schutzmaßnahme gegen äußere Bedrohungen legitimiert. Die Verantwortung für Spannungen wurde allein dem Westen zugeschrieben, während sich der Osten als Garant des Friedens präsentierte.

Abbildung eines Auszuges aus dem Statut der Erklärung der Regierung der Warschauer-Pakt-Staaten

Auch im zivilen Bereich war die Rolle des Warschauer Pakts präsent. Plakate wie dieses Poster aus unserer Sammlung vermittelten ein durchweg positives Bild des Bündnisses. Unter dem Leitbegriff »Klassenbrüder – Waffenbrüder« wurde die DDR-Bevölkerung auf die Notwendigkeit und den Nutzen der militärischen Zusammenarbeit eingeschworen. Ein Ereignis jedoch entlarvte den wahren Charakter des Pakts.

Einer für alle, alle gegen einen! – Der Prager Frühling 1968

Trotz des offiziellen Verteidigungscharakters wurde der Warschauer Pakt nämlich auch zur Durchsetzung politischer Interessen innerhalb des Ostblocks genutzt. Ein prägnantes Beispiel ist die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. Die Reformbewegung unter Alexander Dubček in der Tschechoslowakei galt der Sowjetunion als Gefahr für die Einheit des sozialistischen Blocks. 

Am 20. August 1968 marschierten daraufhin Truppen der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei ein. Die DDR war zwar an der Planung beteiligt, entsandte aber keine eigenen Soldaten. Ein Einmarsch deutscher Truppen in Prag sollte aus historischen Gründen vermieden werden. Die militärische Intervention markierte einen Wendepunkt in der Geschichte des Warschauer Pakts.

Zerfall und Auflösung des Warschauer Pakts

Spätestens mit dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow 1985 und seinen Reformansätzen von »Glasnost« und »Perestroika« wurden schließlich Spannungen, die bereits in den 1970er-Jahren aufgetreten waren, unübersehbar. Insbesondere wuchs der Wunsch vieler Mitgliedstaaten nach größerer Autonomie. Die Sowjetunion zeigte sich gleichzeitig zurückhaltender, was die Anwendung von Gewalt im Inneren betraf. Damit verlor auch der Warschauer Pakt an Durchsetzungskraft.

1989 führten die friedlichen Revolutionen in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der DDR zu einem grundlegenden Wandel im Bündnissystem. Im Zuge der Wiedervereinigung trat die DDR 1990 aus dem Warschauer Pakt aus. Die verbliebenen Mitgliedstaaten beschlossen im März 1991 die Auflösung der militärischen Strukturen. Am 1. Juli 1991 wurde das Bündnis offiziell beendet. Ein zentrales Kapitel des Kalten Krieges war damit abgeschlossen.

Nachwirkungen des Militärbündnisses bis heute

Für die beiden deutschen Staaten hatte die Einbettung in zwei opponierende militärische Bündnissysteme während des Kalten Krieges gravierende Folgen. In einem Kriegsfall wäre nicht nur eine der zentralen Konfliktlinien mitten durch Deutschland und Berlin verlaufen. Darüber hinaus wären sich ost- und westdeutsche Soldaten als Feinde gegenübergestanden. Nach dem 3. Oktober 1990 ging die NVA schließlich in der Bundeswehr auf und das vereinigte Deutschland blieb NATO-Mitglied. 

In den Folgejahren verschob sich die sicherheitspolitische Landkarte Europas grundlegend. Durch die NATO-Osterweiterung traten ehemalige Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts wie Polen, Ungarn, Tschechien sowie später Bulgarien, Rumänien und die baltischen Staaten dem westlichen Bündnis bei. Neue Akteure, veränderte Allianzen und geopolitische Verschiebungen prägen seitdem die europäische Sicherheitsordnung – mit langfristigen Auswirkungen bis in die Gegenwart.

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