Die DDR war voller Liebe, Hingabe sowie echter und falscher Treueschwüre. Auch die Liebe zwischen Menschen unterschiedlichen und gleichen Geschlechts spielte natürlich eine große Rolle und sie war keineswegs unpolitisch. Dieses breite Spektrum wurde im Rahmen der Sonderausstellung »Liebe, Sex & Sozialismus« von März bis Oktober 2018 thematisiert und fand ein ungewöhnlich hohes Interesse bei Medien und Besucher*innen.
Die Liebe zur Heimat, zur Partei und zur Sowjetunion war Teil der Staatsräson und wurde bereits im Kindergarten, spätestens bei den »Jungpionieren« vermittelt. Die politische Sprache war voller Liebesrhetorik. Der Sozialismus forderte Liebe, Hingabe und Treue. Umgekehrt liebte der Staat seine Untertanen wie Kinder. Er behütete sie vor den aus dem Westen drohenden Gefahren, strafte die bösen und belohnte die artigen Kinder. Als Stasi-Chef Erich Mielke 1989 vor der Volkskammer stammelte, er würde doch »alle Menschen« lieben, war das durchaus ehrlich gemeint.
Symbolischen Ausdruck fand die Völkerfreundschaft in dem Bruderkuss, der nach russisch-orthodoxer Sitte zwischen den führenden Persönlichkeiten der kommunistischen Staaten ausgetauscht wurde. Wenn der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew zu Besuch bei Erich Honecker war, drückte er ihm einen mächtigen Schmatzer auf den Mund. Die Fotos und das berühmte Gemälde aus der, auf Mauersegmente gemalten East-Side-Gallery, gleichen einer fast brutalen Überwältigung. Dies entsprach dem realen Kräfteverhältnis zwischen der mächtigen Sowjetunion und der kleinen Bruder DDR.
Neben den großen Gefühlen der Bruderliebe und Freundschaft war auch die Liebe zwischen den Geschlechtern allgegenwärtig. Schon in der Schule schrieben sich die Kinder kleine unbeholfene Zettel mit zarten Liebesanfragen. Ein Schüler hatte solche Zettel gesammelt und diese einmalige Hinterlassenschaft für die Sonderausstellung zur Verfügung gestellt. Sehr gern gelesen wurden auch die Leserbriefecken für Liebesprobleme, wie zum Beispiel »Unter vier Augen« in der Tageszeitung der FDJ »Junge Welt«.
Im Erwachsenenalter waren die Liebesbeziehungen maßgeblich durch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der DDR geprägt. Gerade bezüglich der am ehesten privaten und intimen Beziehungen war der Unterschied zwischen Ost und West am deutlichsten. In der DDR gingen die Jugendlichen in jüngerem Alter sexuelle Beziehungen ein, heirateten früher, bekamen eher das erste Kind und vor allem war die Geburtenrate höher – allerdings auch die Scheidungsrate. Dies alles hing mit der wirtschaftlich und beruflich gleichberechtigten aber auch doppelt belasteten Stellung der Frau im Berufsalltag zusammen. Frauen waren fast ausschließlich berufstätig, dadurch selbstbewusster und wirtschaftlich selbstständig.
Viele Soziolog*innen und Historiker*innen haben sich schon mehr oder weniger ernsthaft das Hirn zergrübelt, warum die Freikörperkultur (FKK) in der DDR so beliebt war. Sicherlich spielte dabei ein offeneres Verhältnis zur Körperlichkeit eine Rolle, obwohl der Massenauftrieb von Nackten wohl wenig mit Sexualität zu tun hatte. Die Nacktkultur an den Badestränden wurde vom Staat weder erfunden, noch sonderlich gefördert und war keinesfalls verboten. Die Menschen nahmen sich einfach ein Stück kleine Freiheit. Vielleicht war es ein Ersatz für die wirkliche, politische Freiheit.