Die kostenfreie Sonderausstellung »Friedensstaat DDR – Anspruch und Wirklichkeit« stellte vom 29. November 2017 bis zum 18. März 2018 in 26 Vitrinen im Foyer des DDR Museum die Rolle des Themas Frieden in der DDR dar. Die Exponate aus dem Bereich des Militärwesens und des Warschauer Paktes glichen für manche einem kleinen Waffenarsenal. Gezeigt wurde aber auch die offizielle Friedensrhetorik und die Friedenssymbolik. Das war kein Zufall, sollten doch in der Ausstellung der Anspruch als Friedensstaat DDR und die Wirklichkeit mit einer durch und durch militarisierten Gesellschaft aneinander gemessen werden. Symbolisch war jeder Aspekt der Ausstellung mit einer kleinen Friedenstaube kontrapunktiert, die das jeweils dargestellte begleitet.
Noch waren die Wunden des Zweiten Weltkrieges nicht verheilt, da warf der Ost-West-Konflikt seine Schatten voraus. Auf der einen Seite – so die offizielle Sicht der DDR – stand das Weltfriedenslager mit der Sowjetunion, auf der anderen Seite die Kriegstreiber, Revanchisten und Neonazis. Deswegen musste der Frieden bewaffnet sein. Das war die innere Logik, auf der die DDR ruhte und deshalb stationierte die Sowjetunion in der DDR Mittelstreckenraketen vom Typ »SS 20« mit nuklearen Sprengköpfen. In der Sonderausstellung hatten wir zu diesem Aspekt eine demilitarisierte Mörsergranate gezeigt.
Die DDR nannte sich Friedensstaat, ihre Soldaten standen auf Friedenswacht und der Arbeitsplatz war ein Kampfplatz für den Frieden. Die Friedenstaube als Symbol war allgegenwärtig und der Song »Kleine, weiße Friedenstaube« war bei den Jungen Pionieren und in der Schule das meistgesungene Lied. Doch natürlich musste der Frieden bewaffnet sein. Die DDR war bis an die Zähne bewaffnet und die Gesellschaft militärisch durchorganisiert. Vom Kindergarten, über die Schule bis zur Universität wurde die Verteidigungsbereitschaft propagiert. Das zeigen auch die drei Übungshandgranaten »F1«, die im Schulsport-Unterricht eingesetzt wurden.
Wer die SED kritisierte, war ein Feind des Friedens und wurde mit höchst unfriedlichen Mitteln zum Schweigen gebracht. Die Antwort auf diese innere Aufrüstung war die Friedensbewegung, die sich seit Ende der siebziger Jahre unter dem Dach der Kirche organisierte. Ihre Aktionen richteten sich unter dem Motto »Schwerter zu Pflugscharen« gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Ost- und Westdeutschland.
Die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 wurde von dem Gedanken der Gewaltlosigkeit getragen und konnte nur in diesem Geist erfolgreich sein. Das symbolisiert die Schärpe »Keine Gewalt«. Bei den Protestveranstaltungen in den Kirchen wurde zudem »Dona nobis pacem« gesungen, »Herr, gib uns Frieden«. Die brennenden Kerzen vor den Kirchentüren und in den Händen der Demonstranten wurden zum Symbol einer machtvollen aber friedlichen Bewegung. Ein bis an die Zähne bewaffneter und militärisch durchorganisierter Staat wurde erst zum Nachgeben gezwungen und dann zum Einsturz gebracht. So wurde das Wort vom Friedensstaat DDR doch noch zur politischen Realität.