Die Stadt Berlin spielte zu DDR-Zeiten eine besondere Rolle: Der Westteil der Stadt wurde seit dem Kriegsende 1945 durch die Westalliierten Frankreich, Großbritannien und die USA verwaltet, der kleinere Ostteil der Stadt durch die sowjetischen Besatzungstruppen. Die Stadt entwickelte sich zum »Zankapfel« im aufkommenden Kalten Krieg und wurde schließlich durch den Mauerbau am 13. August 1961 über 28 Jahre geteilt.
Nach Gründung der DDR übernahm der Ostteil Berlins die Hauptstadtfunktion für die DDR. Hier entstand das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Zahlreiche Zeugnisse dieser Zeit, in Form von Objekten, befinden sich in unserer Sammlung. Zehn dieser Dinge stellen wir in diesem Blog näher vor.
Das vergilbte Flugblatt im A4-Format wurde eilig am 17. Juni 1953 gedruckt, um auf die explosive Lage während des landesweiten Volksaufstandes, dessen Epizentrum der Bauabschnitt an der Stalinallee in Berlin war, einzuwirken. Die Unruhen des 17. Juni werden darin auf Provokationen von »faschistischen und anderen reaktionären Elementen in West-Berlin« zurückgeführt, die den Zweck hätten die deutsche Einheit zu erschweren. Unterzeichnet ist das Schriftstück vom damaligen Ministerpräsidenten der DDR Otto Grotewohl.
Die Tradition des Bierbrauens besteht auch in Berlin bereits seit mehreren hundert Jahren. Die ersten Berliner Brauereien fingen Mitte des 19. Jahrhunderts damit an, ihr Weissbier mit Waldmeister-Kräutermischungen zu verfeinern. Später setzte man neben Waldmeister auch Himbeersirup zu. Schnell entwickelte sich das eigenwillige Getränk zum Kult, aber erst im Jahr 1987 wurde die Bezeichnung »Berliner Weisse« als eingetragene Marke des Brauereiverbandes Berlin und Brandenburg geschützt. Unsere Flasche Berliner Weisse mit einer Füllmenge von 330 ml stammt aus dem Jahr 1988 und wurde von der Schultheiss-Brauerei in Berlin Hohenschönhausen hergestellt.
Dieser Schmuckteller wurde 1969 vom VEB Porzellanwerk Weimar hergestellt und zeigt die Silhouette des Berliner Alexanderplatzes mit dem 1969 eröffneten markanten Fernsehturm. Der scheinbare Betrachtende steht hier auf Höhe des Strausberger Platzes und blickt Richtung Westen. Vor dem Fernsehturm ist das 1964 eröffnete »Haus des Lehrers« zu erkennen. Aus heutiger Sicht fehlt rechts neben Fernsehturm und Haus des Lehrers das damalige Hotel Stadt Berlin mit seinen 39 Geschossen. Das heutige Park Inn Hotel wurde erst am 7. Oktober 1970 eröffnet und fehlt somit auf dieser Darstellung.
Aufgrund der am Boden liegenden Wirtschaft, bedingt durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges, musste die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung durch entsprechende Lebensmittelkarten reguliert werden. Dafür wurde die Bevölkerung in verschiedene Kategorien geteilt:
Kategorie I: Schwerstarbeiter und Funktionäre
Kategorie II: Schwerarbeiter
Kategorie III: Arbeiter
Kategorie IV: Angestellte
Kategorie V: Sonstige (Kinder, Rentner, NSDAP-Mitglieder, Schwerbehinderte, Nichterwerbstätige)
Die Abgabemenge der einzelnen Produkte variierte, so erhielten die Kategorien mit den kleineren Ziffern immer eine größere Menge als beispielsweise die Angestellten oder Rentner*innen. Unsere Lebensmittelkarte aus dem April 1955 ist für Schwerarbeitende gedacht und berechtigt zum Bezug von 1.800g Fett, 1.800g Zucker und 2.700g Fleisch für den Gesamtmonat. Die Karte wurde durch den Magistrat von Groß-Berlin ausgegeben.
Erst im Mai 1958 wurde das System der Lebensmittelkarten in der DDR abgeschafft, die Bundesrepublik beendete die Regulierung durch Lebensmittelkarten bereits im Jahr 1950.
Ursprünglich wurde der heutzutage als Ostbahnhof bekannte Verkehrsknoten bereits im Oktober 1842 als »Frankfurter Bahnhof« eröffnet. Zeit seines Bestehens änderte sich seine Namensgebung, zwischen 1881 und 1950 wurde das Areal als »Schlesischer Bahnhof« bezeichnet. Nach Wegfall der deutschen Ostgebiete und Gründung der DDR war dieser Name nicht mehr opportun, daher wählte man ab 1950 die schlichte Bezeichnung »Ostbahnhof«. Nach Ausbau und grundlegender Modernisierung des Geländes in den 1980er-Jahren, wurde der Bahnhof im Zuge der 750-Jahrfeier Berlins am 17. Dezember 1987 als »Berlin Hauptbahnhof« in Betrieb genommen. Durch die Wiedervereinigung der geteilten Stadt im Jahr 1990 änderte sich auch der Verkehrsfluss und die Kategorisierung der bestehenden Berliner Bahnhöfe. Daher wurde der damalige Hauptbahnhof ab 1998 wieder als Ostbahnhof bezeichnet und trägt diesen Namen bis zum heutigen Tag.
Diese Einladungskarte aus unserer Sammlung wurde zur feierlichen Eröffnung des Empfangsgebäudes des Berliner Hauptbahnhofs am 15. Dezember 1987 anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins herausgegeben. Die Karte enthält eine Einlegekarte mit dem Programm des Festaktes.
Im Berliner Stadtteil Weißensee wurden ab 1948 Elektronenröhren, später dann ganze Radiogeräte hergestellt. Das vormals durch die Löwe Radio AG ab 1912 gebaute und genutzte Betriebsgelände diente ab 1950 dem VEB Phonetika Radio Berlin als Stammbetrieb. Bereits 1951 wurde der Betrieb in VEB Stern-Radio Berlin umbenannt. Fortan wurden dort zahlreiche Radiogeräte produziert, ab 1968 beispielsweise das Stern Radio Camping R130 im mehrfarbigen Thermoplast-Gehäuse. Dieses kleine Kofferradio wurde, wie der Name schon verrät, für unterwegs beispielsweise den Campingausflug, angefertigt. Dazu konnte es mit Batterien betrieben werden. Die moderne und farbenfrohe Optik sprach vor allem junge Leute an.
Als Hauptstadt der DDR hatte Berlin auch eine übergeordnete Funktion für die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern. Im Gegensatz zum »Schaufenster des Westens« im Westteil Berlins, bildete vor allem die Mitte des Ostteils ein entsprechendes Äquivalent. Auf dem Alexanderplatz befand sich mit dem Centrum Warenhaus ab 1970 der größte Konsumtempel (insgesamt 15.000m² Verkaufsfläche) der DDR. Ein Besuch des markanten Gebäudes war eigentlich für jeden Berlin-Besuchenden ein Muss in der damaligen Zeit. Um den Konsumbedarf der Hauptstädter*innen und der zahlreichen Tourist*innen zu decken, entstand ab 1979 ein zweites Warenhaus in direkter Nähe zum Berliner Ostbahnhof.
In unserer Sammlung befinden sich zwei Werbebroschüren der beiden Berliner Centrum-Warenhäuser aus dem Jahr 1987.
Mit über einer Million Einwohner*innen war der Ostteil Berlins die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt in der DDR. Um diese Massen an Menschen täglich durch die Großstadt zu befördern, war ein leistungsfähiges und eigenes Verkehrsunternehmen unabdingbar. Zu diesem Zweck wurde der bereits aus der Vorkriegszeit bestehende kommunale Verkehrsverbund für Gesamtberlin (BVG) in einen Ost- und einen Westbetrieb gegliedert. Ab 1969 firmierte der Verkehrsverbund Ost unter der Bezeichnung VEB Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe oder kurz BVB.
Auf dieser Broschüre aus dem Jahr 1987 ist im Vordergrund ein ungarischer Linienbus der Firma Ikarus vor einer Straßenbahn der BVB zu sehen. Neben Trams und Bussen bediente die BVB einige Fähren und die U-Bahn im Berliner Stadtgebiet. Die Broschüre dient der Berufsorientierung und stellt verschiedene Ausbildungsberufe der BVB vor.
Ein Besuch des Fernsehturms war für viele Berliner*innen und Tourist*innen der Höhepunkt. Auf dem insgesamt 365 Meter hohem Funkturm befindet sich in einer Aussichtshöhe von 206 Metern eine Aussichtsetage mit Bar und einem Restaurant. Von hier aus konnte man seinen Blick über Berlin schweifen lassen, das Restaurant drehte sich dafür in einer Stunde einmal um 360 Grad, sodass ein Rundumblick über das gesamte Berlin möglich war. Zum Abschluss des Besuchs, konnte der geneigte Besuchende zur Erinnerung dann ein Schmucktuch des Tele Cafés im Souvenirladen am Fuße des Fernsehturms erwerben. Besucht wurde der Turm mit zugehöriger Aussichtsetage reichlich, pro Jahr pilgerten über 1 Millionen Menschen dorthin.
Der zentrale Hersteller für Leuchtmittel, insbesondere Glühlampen, in der Deutschen Demokratischen Republik, war ab 1950 der VEB Glühlampenwerk Berlin im Stadtteil Friedrichshain. Vor dem Zweiten Weltkrieg produzierte dort die Firma Osram bereits Glühlampen und Leuchtmittel. Ab 1963 setzte sich für die Leuchtmittelproduktion der Name »Narva« durch. Narva ist ein Kunstwort und setzt sich aus den Buchstaben der chemischen Elemente »N« für Stickstoff, »Ar« für Argon und »VA« für Vakuum zusammen. Seine Hochzeit hatte der Großbetrieb gegen Ende der 1970er-Jahre, zu dieser Zeit arbeiteten allein in Berlin ungefähr 6.000 Beschäftigte für den VEB Narva Kombinat. Neben dem Stammbetrieb in Berlin existierten noch zahlreiche Produktionsstätten auf dem Gebiet der DDR. Weitere Objekte der Marke Narva befinden sich in unserer Objektdatenbank.