Objekt der Woche

Die kasernierte Volkspolizei und ihr Nachfolger

Der Stahlhelm ist nur eines von vielen Objekten aus der Sammlung des DDR Museum, welches von der Geschichte der kasernierte Volkspolizei und ihrer Nachfolger erzählt. Sammlungsleiter Jörn Kleinhardt gibt anhand von historischen Artefakten einen Überblick vom Anfang bis zum Ende der DDR. von Jörn Kleinhardt (01.03.2018)

Neue Uniformen

Drei Jahre nach Kriegsende wurden auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) Bereitschaftseinheiten der Volkspolizei gebildet. Diese Einheiten wurden schon in die verschiedenen Teilstreitkräfte Kasernierte Volkspolizei (Landstreitkräfte), Volkspolizei Luft und Volkspolizei See gegliedert. Ausrüstungstechnisch wurde auf vorhandene Uniformen und Waffen sowjetischer Herkunft gesetzt. In der Anfangsphase des Aufbaus wurden jedoch auch alte Handwaffen wie der Karabiner K98 oder die Pistole Walther PPK aus deutschen Vorkriegs- und Wehrmachtbeständen verwendet. Die Polizeibereitschaften wurden ab 1956 mit neuen Uniformen versehen und nach sowjetischem Vorbild strukturiert. Ein Teil des Personals wurde, wie auch bei der Bundeswehr, aus ehemaligen Wehrmachtsoldaten rekrutiert. Im Jahr 1958 bestand knapp ein Viertel (23%) des Personals der NVA aus ehemaligen Wehrmachtsangehörigen.

Stahlhelm M56

Auch der für seine markante Form bekannte Stahlhelm M56 (die Zahl dokumentiert das Jahr der Truppeneinführung) basiert auf dem Versuchsmodell "B/II" aus dem Dritten Reich, welches schon 1943 patentiert wurde, jedoch durch die historischen Ereignisse nicht über den Prototypstatus hinaus entwickelt wurde. Dieser Helm passte optisch besser zu den ab 1956 benutzten Uniformen. Die Formgebung der neuen Kleidungsstücke ähnelte sehr stark den Uniformen der Wehrmacht und stand im deutlichen Kontrast zu der zuvor verwendeten Kleidung, welche den sowjetischen Uniformen sehr ähnlich sah.

Unliebsame Traditionen

Die NVA sah ihre traditionellen Vorbilder allgemein in der Arbeiterbewegung, in den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts, den Revolutionen von 1848 und 1918 sowie den "Internationalen Brigaden" des Spanischen Bürgerkriegs Mitte der 1930er Jahre. Die preußische Militärtradition wurde in Form des Großen Zapfenstreichs und im Beibehalten des "Exerzierschritts" gepflegt. Mit den Militärverbänden des Kaiserreiches und der Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschlands wollte man hingegen nicht in Verbindung gebracht werden. Diese unliebsamen Traditionen sprach man der westdeutschen Bundeswehr zu.

Wehrpflicht ab 1962

Die Nationale Volksarmee rekrutierte ihr Personal im Gegensatz zur Bundeswehr bis 1962 aus Freiwilligen, erst danach wurde die 18-monatige Wehrpflicht eingeführt. Ein Ersatzdienst im zivilen Bereich gab es in der DDR nicht. Jedoch wurde Wehrpflichtigen ab 1964 die Möglichkeit gegeben, ihren Dienst ohne Waffe als "Bausoldat" zu leisten. Diese Soldaten waren durch kleine Spaten auf den Schulterstücken gekennzeichnet. Diese Möglichkeit den Wehrdienst waffenlos abzuleisten, gab es in keinem anderen sozialistischen Land.

We(h)rbung

Wie in vielen anderen Bereichen, gab es in der NVA einen stetigen Personalmangel. Durch die Wehrpflicht versuchte man das Problem einzudämmen. Um den Militärdienst besonders für junge Menschen attraktiv aussehen zu lassen, bediente man sich bunter und altersgerechter Werbung. In unserer Sammlung befinden sich diese farbenfroh illustrierten Postkarten mit Soldatenmotiven und Parolen, welche den Dienst bei der NVA wie eine Art "Ferienabenteuer" anpreisen. Durch Organisationen wie die "Zivilverteidigung" und die "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST), versuchte man ebenfalls junge Männer und Frauen für den späteren militärischen Dienst zu begeistern. Auch im Schulalltag gab es für die höheren Klassenstufen den "Wehrkundeunterricht" um Jugendliche vormilitärisch zu schulen.

Ende der NVA

Die Militarisierung in vielen Bereichen der DDR wurde im Zuge der Wiedervereinigung aufgeweicht. Der Wehrkundeunterricht und die diversen vormilitärischen Organisationen wurden aufgelöst. Ein geringer Teil der NVA wurde mit dem 3. Oktober 1990 in die Bundeswehr übernommen. Der Großteil der Truppenverbände und Standorte wurde aufgelöst.

Bildmappe "Gut vorbereitet auf den Wehrdienst"

in der Objektdatenbank

Werbebroschüre "Offizier" NVA

in der Objektdatenbank

Bildmappe "Unsere Nationale Volksarmee"

in der Objektdatenbank

Ursprünglich veröffentlicht am 09. Juli 2015

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