Was bleibt von der DDR?

Und was sollte bleiben? Gedanken zur DDR-Erinnerung

Die Erinnerung an die DDR ist bis heute vielfältig und die Relikte aus der Vergangenheit so präsent, dass sie diese stetig wachhalten und beeinflussen. Ein paar Gedanken zur Erinnerungskultur. von Elke Sieber (11.05.2017)

Die DDR ist zwar untergegangen, lebt aber in einigen Köpfen in buntesten Farben weiter. DDR-Nostalgie steht der Totalverdammung und Fixierung der DDR-Geschichtsschreibung und bundesdeutschen Erinnerungskultur auf Opposition, Diktatur und Stasi gegenüber. Kaum einer will die DDR zurück, doch es war nicht alles schlecht, sagen einige ehemalige Bürger. Die Abwertung des Systems wird häufig als Abwertung des eigenen Lebens verstanden. Für viele bedeutete die Wiedervereinigung Arbeitslosigkeit, Wegzug der Jugend und das Gefühl vom Westen kolonisiert worden zu sein. Da lag es nahe in verklärten Erinnerungen zu schwelgen. Das Sozialparadies, die Gemeinschaft und die klaren Perspektiven sind Aspekte dieser Nostalgie. Mangelwirtschaft, Mauer und Repression spielen in diesen Erinnerungen keine Rolle. Der Kapitalismus witterte neue Absatzchancen: vom Ampelmännchen über die Party im FDJ-Hemd bis hin zum Heimatmuseum wurde die „Ostalgie“ zum Verkaufsschlager. 

Doch was ist neben diesen geschönten Erinnerungen heute von der Kultur der DDR im geeinten Deutschland geblieben? Es mag einem zuerst das Sandmännchen in den Sinn kommen, doch noch viele weitere Relikte und Aspekte erinnern an sie. DDR-Produkte erkämpfen sich heute Marktanteile zurück: Florena-Creme, Rotkäppchen-Sekt und Spee-Waschmittel sind nur einige der etwa 100 revitalisierten DDR-Marken, die nur teilweise mit ihrer ostdeutschen Vergangenheit kokettieren.  

Daneben hinterließ die DDR zahlreiche Bauwerke, die heute ihren Platz im vereinten Deutschland finden oder zumindest durch die Debatten um ihre Existenz in den Köpfen fortleben. Prominentes Beispiel dafür ist der Palast der Republik, der einem neugebauten Stadtschloss weichen musste. Doch der Fernsehturm, diverse monumentale Denkmäler kommunistischer Helden sowie alltägliche Plattenbauten sind geblieben und sind heutzutage für viele Menschen wichtige Teile deutscher Geschichte und Kultur.

Doch auch die Stasi-Akten und Opfer der roten Diktatur sind Aspekte der bundesdeutschen Auseinandersetzung. Alle Perspektiven haben meiner Meinung nach ihre Berechtigung und prägen die gesamtdeutsche Kultur bis heute. 

 

 

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