Für Sie gelesen

Die Todesopfer am Außenring der Berliner Mauer 1961 – 1989

Das heute rezensierte Buch gibt den 46 Opfern des Außenrings der Berliner Mauer ein Gesicht und erzählt ihre Geschichte. von Melanie Alperstaedt (31.08.2017)

Das heute von mir rezensierte zweisprachige Buch (Deutsch/Englisch) ist keine leichte, keine unterhaltsame Kost. Es widmet sich jeweils mit einer Doppelseite einem der 46 Opfer, die an der Mauer zwischen Westberlin und Brandenburg (Außenring der Berliner Mauer) während eines Fluchtversuchs von Grenzern getötet oder durch andere Umstände während der Flucht gestorben sind.

Aufbau und Inhalt

Eine Doppelseite zeigt anhand eines Luftbildes den Ort des Fluchtversuchs. Darin markiert sind, wenn bekannt, der Fluchtweg und der Ort, an dem der Mensch gestorben ist sowie die errichtete Erinnerungsstele. Die andere Doppelseite zeigt ein Foto des Verstorbenen und erzählt in zwei Sprachen die Geschichte des Opfers und die Umstände seines Todes. "Umstände des Todes" – eine harmlos erscheinende Formulierung. Zu harmlos für die Details, die Brutalität und die Unmenschlichkeit der geschilderten Situationen.

Denkt manch einer bei dem Begriff „Mauerschützen“ an Menschen in Türmen, die von dort aus als letzte Maßnahme schießen, belehrt das Buch diesen eines Besseren. Es waren 77 Schüsse, die 1966 auf Willi Block abgegeben wurden, während er im Stacheldraht festhing. 91 Schüsse wurden auf den 18-jährigen Dietmar Schwietzer abgegeben, als er auf die Sperrmauer zurannte. Walter Kittel lag im KFZ-Sperrgraben, den er nach Aufforderung des Kommandeurs des Gruppenabschnitts verließ, um dann vom gleichen Kommandeur durch 30 Schüsse aus 15 Meter Entfernung getötet zu werden.

Insgesamt starben 35 Flüchtende, die beim Versuch die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben genommen haben. Sieben Menschen aus Ost und West verunglückten oder wurden erschossen, ohne Fluchtabsichten zu hegen und vier Grenzsoldaten wurden während ihres Dienstes getötet.

Fazit

Das Buch ist schonungslos und schildert Situationen sehr deutlich. Daher würde ich es nur eingeschränkt für Jugendliche und für Kinder gar nicht empfehlen. Trotzdem ist es meiner Meinung nach notwendig, die Verbrechen an der Grenze ehrlich und deutlich darzustellen. Das Buch wandelt meiner Meinung nach aufgrund der wissenschaftlichen Ausrichtung erfolgreich auf diesem schmalen Grad.

Die ISBN lautet 978-3-00-040791-8

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