Veranstaltung

Stephan Hilsberg im DDR Museum

Am Donnerstagabend hatte das DDR Museum im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Was wir wollten - was wir sind" den Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, Stephan Hilsberg, zu Gast. von Melanie Alperstaedt (09.06.2017)

„Was wir wollten – was wir sind“ ist eine unserer Veranstaltungsreihen, die ich besonders schätze. Protagonisten und Protagonistinnen der Friedlichen Revolution erzählen von den spannenden Umbrüchen und aufregenden Tagen und Ereignissen dieser Zeit. Am Donnerstagabend hatte das DDR Museum den Historiker Christian Booß zu Gast, der Stephan Hilsberg auf dem Podium in ein spannendes Gespräch verwickelte und wie gewohnt genau die richtigen Fragen für ein lehrreiches und gleichzeitig unterhaltsames Zeitzeugengespräch stellte.

Stephan Hilsberg wurde 1956 in Müncheberg geboren und sein Leben lang sollte ihn die Lebensmaxime seines Vaters, einem Pfarrer, prägen: Man sei grundsätzlich ein freier Mensch und niemand außer Gott dürfe einem sagen, was man zu tun oder zu lassen hätte. In diesem Sinne wurde er eigener Aussage nach protestantisch und antikommunistisch erzogen.  So hatte er in der DDR auch keine Möglichkeit, sein Abitur zu machen. Die „gesellschaftliche Einstellung“ stimmte nicht und all der Widerstand des Vaters dagengen, all die Mühe, war zwecklos. Er machte er eine Lehre zum Facharbeiter für Datenverarbeitung.

Darauf folgte sein Wehrdienst bei der NVA. Er überlegte zwar den Dienst zu verweigern, doch stellte der Dienst als Bausoldat für ihn keine sinnvolle Alternative dar. Zusätzlich erschien ihm die Welt zu unsicher, der Krieg zu möglich und er wollte im Notfall sein Land verteidigen können. So verstand er die Arbeit bei der NVA als eine Art Handwerk für den Notfall. Trotz dieser Einstellung bezeichnete er die Zeit bei der NVA als ein dunkles Kapitel in seinem Leben.

Von 1976 bis 1989 war Hilsberg dann als Programmierer an der Charité in Berlin tätig. 1985 begann er ein Fernstudium zum Ingenieur, welches er nach 10 Jahren abschloss. Für ihn war das eine seiner besten Ideen und er sprach davon, wie das Studium ihn bereicherte, Freude machte und sich als ein Segen erwies.

Nachdem diesem recht intensiven Blick auf sein Leben vor 1989 wurde dem Gespräch von Herrn Booß eine neue Richtung gegeben. Herr Hilsberg begann von seiner Oppositionsarbeit in den Friedensgruppen zu berichten und seinem Engagement bei der Aufdeckung des Wahlbetrugs bei den Kommunalwahlen im Mai 1989. Grundlegend für sein Engagement war sein Wunsch, in der DDR seinen Platz zum Glücklich werden zu finden. Daher kam ein Leben im Westen für ihn nicht infrage und er wollte für demokratische Strukturen kämpfen.

Jedoch fiel ihm in Gesprächen mit unterschiedlichen Oppositionellen häufig auf, dass es an konkreten Ideen für eine neue Perspektive der DDR fehlte. Auch für die Zeit nach der Beseitigung der SED waren ihm die diskutierten Ideen zu schwammig und zu unstrukturiert. Da für ihn jedoch klare Perspektiven und Strukturen für erfolgsversprechenden politischen Wandel unabdingbar sind, entschied er sich an der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR mitzuwirken und wurde zum ersten Sprecher der Partei gewählt. Von März bis Oktober gehörte Hilsberg dann der ersten frei gewählten Volkskammer an und ab dem 3. Oktober 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er zog seit 1994 stets als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag, was ihm in den innerparteilichen Auseinandersetzungen eine gewisse Unabhängigkeit garantierte. Von dieser hat er als streitbarer Geist auch gern gebraucht gemacht. Denn trotz der vielen Veränderungen seines Lebens, die Lebensmaxime seines Vaters bliebt ihm stets erhalten.

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