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„Liebe Eva“ - Erich Honeckers Gefängnisbriefe

Buchrezension von „Liebe Eva“ - Erich Honeckers Gefängnisbriefe, herausgegeben von Eva Ruppert und verlegt von Frank Schumann. Das Werk handelt von der Korrespondenz des Ehepaars Honecker mit der Saarländerin Eva Ruppert. von Jörn Kleinhardt (16.08.2017)

Heute vor 25 Jahren

Heute vor 25 Jahren saß Erich Honecker in seiner Zelle der Haftanstalt Berlin-Moabit. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er in diesem Moment in die Lektüre eines Briefes von Eva Ruppert vertieft war oder gerade eine schriftliche Antwort auf ihre Schreiben verfasste. Genau um diese Briefe geht es in dem neu erschienenen Buch „Liebe Eva“ - Erich Honeckers Gefängnisbriefe, erschienen in edition ost aus der Eulenspiegel Verlagsgruppe. Herausgegeben wurde das Buch von Honeckers Briefpartnerin Eva Ruppert, als Verleger fungiert der Berliner Frank Schumann.

Blumen, Gedichte und klassische Musik

Auf insgesamt 176 Seiten werden dem Leser Antwortbriefe von Erich Honecker an die gebürtige Saarländerin Eva Ruppert präsentiert. Ruppert begann nach Honeckers Auslieferung aus Moskau und der anschließenden Haft in Berlin-Moabit eine intensive Korrespondenz mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt. Sie schloß sich zudem ab 1992 dem Solidaritätskomitee für Erich Honecker an, es folgten mehrere Besuche Rupperts in Moabit. Obwohl zeitlebens parteilos, erfährt der Leser von Rupperts Sympathien für die sozialistische Idee und die Person Erich Honecker. Sie schickte dem bereits schwerkranken Honecker Blumen und selbstverfasste Gedichte aber auch klassische Musik und westliche Literatur ins Gefängnis, um ihm seine Haftzeit zu erleichtern. Honecker bedankt sich dafür in seinen Briefen und teilt Ruppert seine unveränderten politischen Ansichten mit.

Die Briefe werden von mal zu mal vertrauter, man bekommt fast das Gefühl, dass sich beide schon jahrzehntelang kennen. Nach Erich Honeckers Ausreise nach Chile im Jahr 1993 übernimmt die ehemalige Bildungsministerin und Ehefrau Margot Honecker zunehmend die Schreiberei. Nach Honeckers Tod im Jahr 1994 geht der Briefwechsel zwischen den beiden Frauen weiter bis zum Tod Margot Honeckers im Jahr 2016.

"Großdeutschsland" und die "Herrschaft des Großkapitals"

Inhaltlich erfährt man vieles zur politischen Gesinnung der Honeckers. Die Abneigung gegenüber Michail Gorbatschows Reformbewegung wird mehrfach in den Briefen thematisiert. Über die Bundesrepublik und die hier praktizierte Demokratie gibt es aus Sicht der Honeckers auch nichts Positives zu berichten, Margot und Erich benutzen desöfteren Kampfbegriffe aus der tiefsten Zeit des kalten Krieges. So wird das wiedervereinigte Deutschland als Großdeutschland bezeichnet, die Herrschaft des Großkapitals und die Ausbeutung der Arbeiterklasse angeprangert. Zudem wird Deutschland wiederholt Kriegstreiberei und Großmannssucht vorgeworfen. Über die in der DDR begangenen Fehler, vor allem die Repression und der Umgang mit Andersdenkenden, äußern sich die Honeckers jedoch nicht.

Das Buch enthält neben den veröffentlichen Korrespondenz ein Vorwort des Verlegers Frank Schumann und ein ausführliches Interview mit der Herausgeberin Eva Ruppert.

Bei Interesse können Sie das Buch mit der ISBN 978-3-360-01883-0 im Buchhandel oder online erwerben.

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